Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Holzverbindungen, Gebälke, Wände und Dächer
Person:
Gunzenhauser, C.
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2881144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2881460
II. Abschnitt. 
Stichbalken stets hinter eine Wand oder hinter 
einen Unterzug verlegt. 4) Da der Stichbalken 
durch Zapfenlöcher und Versatzungen verschwächt 
wird, so muß er mindestens um 3 bis 6 cm breiter 
 sein als ein gewöhnlicher Balken. Kurze Stiche 
aber sind im Gegenteil schmäler als ein solcher 
zu halten. Stichbalkcn, welche, wie diejenigen in 
Taf.6u.7 Taf. 6 Fig. 3 und Taf. 7 Fig. 2, lange Stiche auf- 
zunehmen haben, verstärkt man durch einen zweiten 
Balken, der mit ersterem verschraubt zu werden pflegt. 
Ehe man zur Anordnung eines Ge- 
bälkes schreitet, muß zuvor der Grundriß des- 
jenigen Stockwerks, dem das Gebälk als Decke 
dienen soll, mit allen Mauern, Wänden, Kaminen 
und Treppen aufgezeichnet sein. In diesen Grund- 
riß wird die Einteilung des darauf folgenden Stock- 
werks gezeichnet, um dadurch etwaige Mauerab- 
sätze, welche zur Auflage von Mauerlatten dienen 
können, zu ermitteln. Sobald dies geschehen ist, 
bringt man zunächst diejenigen Hölzer an, die mit 
Wänden in Berührung kommen, welche parallel 
zur Richtung der Balken laufen. Wo sich eine 
massive Mauer bietet, wird, wenn dieselbe unter 
der Balkenlage endigt, ein Balken darauf gelegt; 
soll aber die Mauer durch die Balkenlage hindurch- 
Taf.? laufen, so setzt man (Taf. 7 Fig. 2) einen oder 
zwei Streichbalken (ee) daneben. Auf Wände, die 
aus Fachwerk bestehen, kommt unter allen Um- 
ständen ein Balken (c) zu liegen. Mag ferner eine 
Wand nur unterhalb oder nur oberhalb eines Bal- 
kens oder aber zugleich unter und über demselben 
vorhanden sein, so muß er an der Berührungs- 
stelle jedenfalls eine Erbreiterung von 3-6 cm 
erfahren, da man sonst weder die Decke noch 
den Fußboden richtig zu befestigen vermochte. 
Ein völlig unzulängliches Auskunftsmittel ist es, 
wenn man, was leider nur zu häufig geschieht, 
diese solide Auflage für den Fußboden dadurch 
zu ersetzen sucht, daß man Latten an die Balken- 
seiten nagelt. Wenn die Pfosten und Streben 
einer Wand durch zwei oder mehr Stockwerke 
hindurchgehen sollen, so wird man an Stelle eines 
Wandbalkens zweiStreichbalken längs der 
Wand einlegen und dieselben mit den Wand- 
Taf. 13 hölzern verschrauben (Taf. 13 Fig. 4 und 4a). 
'l'af.7u.8 Laufen, wie dies in Taf. 7 Fig. 3 und Taf. 8 
Fig. 1 bis 3 angenommen ist, Kamine in den 
Mauern, so sind die zunächst liegenden Balken 
und Wechsel von den äußeren Wandungen 
der Schornsteine um 6 cm zu entfernen. Den 
hiedurch entstehenden Zwischenraum füllt man, 
um das Holz gegen Feuer zu sichern, mit einer 
von Lehm umgebenen doppelten Lage von Dach- 
ziegeln aus. In Fällen, wo die Balkenweite an 
und für sich zur Verwahrung der Hölzer nicht 
als genügend erscheint, werden von beiden be- 
Taf.8 nachbarten Balken einige cm ausgehauen (Taf. 8 
Taf.9 Fig. 2 und Taf. 9 Fig. 5). Wenn Kamine an 
hölzerne Zwischenwände oder an Umfassungs- 
wände grenzen, wie dies bei den in Taf. 7 Fig. 1, Taf. 7 
2 und 4 aufgestellten Grundrissen zutrifft, so müssen 
Rauchröhren und Holzwände 6 cm Abstand von 
einander erhalten, damit die Pfetten ununterbrochen 
durchlaufen können. Weite Kamine oder förmliche 
Gruppen von Kaminen machen, wo sie vorkommen, 
fast immer eine Auswechslung einzelner Balken 
nötig. Sind mehrere Kamine miteinander ver- 
bunden, so ist es rätlich, die Balken parallel zur 
Längenausdehnung dieser Gruppe zu legen, be- 
ziehungsweise die Lage der Kamine nach dem 
vorherrschenden Zug der Balken und Sparren zu 
richten, weil man dadurch der Notwendigkeit ent- 
hoben wird, mehrere Balken und Sparren auszu- 
wechseln. 
Bei Anwendung von Schofers neuem Taf.6 
„Verbund-, Rauch- und Lüftungs-Kamin" 
fällt vermöge seiner Konstruktion jede Verwahrung 
von Hölzern weg. Der Kaminquerschnitt 
kann verhältnismäßig kleiner (für einen Ofen 60, 
für einen Herd 160 qcm) gewählt und eine zweck- 
mäßige Zimmerventilation damit verbunden 
werden (Taf. 6 Fig. 1). 
Da es aber bei uns gestattet ist, die aus Öfen 
und Herden abziehenden Heizgase von verschiede- 
nen Stockwerken einem Kamin zuzuführen, so 
ist eine zeitweise Beeinträchtigung des Zugs im 
Kamin und ein Austritt des Rauchs in die Wohn- 
räume nicht ausgeschlossen. 
In neuester Zeit ist es nun Dr. A. Katz in Waib- 
lingen gelungen, in überraschend einfacher Weise 
Betonhohlkörper, Kamine, Röhren usw. aller Art 
in beliebiger Länge und von beliebigem Querschnitt 
herzustellen, daß selbst bei den höchsten Kaminen 
weder H0rizontal- noch Vertikalfugen vorkommen. 
Die Innenflächen der Röhren, Kamine usw. sind 
absolut glatt. Bei diesem Verfahren kann man die 
Kamine schon bei 25 cm starken Mauern in letztere 
einbetonieren. Damit ist die Möglichkeit gegeben, 
für jeden Ofen, Herd usw. oder wenigstens für 
jedes Stockwerk ein besonderes Kamin ohne wesent- 
liehen Verlust an Grundraum auszuführen, wodurch 
sowohl der schlechte Zug als auch das lästige 
Rauchen der Kamine in allen Fällen verhütet wird. 
In Fällen, wo die Umfassungswände frei- 
stehender Gebäude aus Fachwerk bestehen, gilt 
es als Regel, nach allen Seiten hin rechtwinklig 
auf dieselben Balkenköpfe anzubringen. Es 
treten dann an Stelle des Giebelbalkens (Taf. 13 Tat. 13 
Fig. 6 und 6a) die Stiche (g) (Taf. 7 Fig. 1 und 
Taf. 13 Fig. 5 und 5a) mit einem Stichbalken (f) 
und Gratstichen  Soll das Fachwerk nach außen 
eine Verputzung erhalten, so ordnet man statt der 
Gratstiche gewöhnlich zwischen Pfette und Schwelle 
zwei Futterhölzer, Eckstiche an, die den Raum 
zwischen dem Eck und den ersten Balkenköpfen 
schließen (Taf. 13 Fig. 7 und 7a).
        

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