Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Entwerfen, Anlage und Einrichtung der Gebäude: Kirchen, Denkmäler und Bestattungsanlagen: Bestattungsanlagen
Person:
Fayans, Stefan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2868129
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2869051
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fog. Begräbnisturntis, in erfter Linie und mit der richtigen Behandlung des 
Begräbnisgeländes während feiner Belegung, d. h. mit der geordneten und richtigen 
Anlage und Benutzung der Gräber (fiehe Näheres hierüber in Kap. 3, unter b, I 
u. 2) in zweiter Linie in Zufammenhang zu bringen. 
In den verfchiedenen Ländern beruht der feftgefetzte Turnus meiftens auf den 
 praktifchen Erfahrungen, die man in den Friedhöfen der Hauptftädte gemacht hat. 
Somit fchwankt der Turnus, je nach den verfchiedenen Verordnungen, zivifchen 
5 und 30 Jahren, wobei für die Kindergräber eine kürzere Friit feflgefetzt iPt. Es 
ift aber untunlich, die Wiederbenutzung des Erdgrabes einer allgemeinen ftädtifchen 
Verordnung zu unterwerfen. Rein örtliche Verhältniffe und die genaue Unterfuchung 
des Bodens können allein für diefe Feftfetzung mafsgebend fein und die Gefahr, die 
bei einer unrichtigen XVieclerbenutzung des Erdgrabes entftehen könnte, ablenken. 
jedenfalls follte man mit der endgültigen Feftfetzung desBegräbnisturnus den Ab- 
lauf des erften derfelben abwarten. 
Die Zerfetzung in den fandigen Bodenarten dauert nach vorgenommenen 
Unterfuchungen im Kies- und Sandboden für Erwachfene 7, für Kinder 5 Jahre, 
nach deren Verlauf nur Knochen und etwas amorphe, humusreiche Subftanzen als 
Ueberrefte zu konftatieren find. Im feinkörnigen Sand gefchieht die Zerfetzung 
etwas langfamer. Lehmgehalt verlangfamt die Zerfetzung, und bei Lehmboden mit 
nur geringem Sandgehalt ift der Turnus für Erwachfene auf 9 und für Kinder auf 
Sjahre feftgefetzt worden. Diefe Annahme könnte auch in analogen Fällen ge- 
macht werden, vorausgefetzt, dafs zeitweife Befeuchtung des Erdbodens ftattfindet 
und dafs die Grundwafferverhältniffe günflig find. 
In feuchten Bodenarten gefchieht die Zerfetzung allerdings viel langfamer. 
Am günftigften fmd in diefer Beziehung kalk- und eifenhaltige Bodenarten, bei 
denen die Zerfetzung die kürzefte Zeit in Anfpruch nimmt. So z. B. genügt der 
7jährige Turnus für Erwachfene und der 4jährige für Kinder in München, dank 
der günftigen Befchaffenheit des Bodens (Kalkgeröllboden), vollkommen. 
Eine unrichtige Feftfetzung des Begräbnisturnus kann die Ueberfättigung des 
Bodens und feine Abforptionsfähigkeit herbeiführen. Die Hauptfache hierbei if}, 
dafs man fich bei der Feftfetzting des Turnus gerade nur knapp mit der Frift be_ 
gnügt, die der Leichnam zur Zerfetzung braucht. Mit dem Abfchluffe des Reduk. 
tionsvorganges aber ift die oxydative Verarbeitung der Fäulnisftoffe in unfchädliche 
Produkte fehr oft noch nicht vollendet, und bei den leichten, poröfen Bodenarten 
nimmt fie noch eine gewiffe Zeit in Anfpruch, befonders wenn fchon einige R07 
tationen ftattgefunden haben. Deshalb mufs man {ich bei der Beltimmung des 
Turnus nach der mechanifchen und chemifchen Wirkung des Erdbodens richten 
und den Gehalt an organifchen Subftanzen nach jeder Rotation genau prüfen. 
Am wenigften hat man diefe Nachteile bei jenen Bodenarten zu befürchten, 
welche aus alkalifchen Erden (Kalk, Magnefium u. f. w.) beftehen und Eifengehalt 
aufweifen. je gröfser diefer Gehalt ift, deito gröfser wird auch die Reforptions- 
fähigkeit folcher Bodenarten, und dePto fchwerer unterliegen fie einer Ueberfättigung, 
können alfo jahrhundertelang ihrem Zweck entfprechen. 
Im allgemeinen ifi: in Bezug auf den Turnus die Hygiene mit dem fozial- 
ökonomifchen Standpunkte nicht in Einklang zu bringen. Vom hygienifchen Stand- 
punkte wäre es am rationellften, um die Ueberfättigung des Bodens zu vermeiden, 
den Turnus fo grofs wie möglich zu halten; vom Standpunkte der Ethik aus wäre
        

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