Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Entwerfen, Anlage und Einrichtung der Gebäude: Kirchen, Denkmäler und Bestattungsanlagen: Bestattungsanlagen
Person:
Fayans, Stefan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2868129
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2870492
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gefchofs der fich an die Einfegnungshalle zu beiden Seiten anfchliefsenden Arkadenbauten lind 
Durchgänge zum freien Totenfelde angeordnet. Die Flanken der Arkadenbauten fmd rifalitartig 
vorgefchoben, einen grofsen mittleren Vorhof bildend, und maskieren zwei feitliche Höfe, in 
denen Verwaltungsgebäude und Pförtnerhaus untergebracht find. 
Die ganze Halleinanlage nimmt im Hauptgrundrifs, deffen Form einem Petruskreuz ähnelt, 
den vorderen Teil des Friedhofes in Anfpruch. Der übrige hintere Teil des Friedhofes ift durch 
eine niedrige Mauer umzäunt, deren Anfichtsliäche durch kapellenartige Nifchen in Abftänden von 
ca. 20m unterbrochen und belebt wird. Die Teile A und B des freien Totenfeldes (Fig. 190) 
find um einige Stufen gegen das übrige Gelände erhöht. Dafelbft find die Hiigelgräber, in 
Sektionen (zu je 10 bis 30 Gräber in zwei Reihen angebracht) eingeteilt, angeordnet worden. 
Der Teil C ifi für einzelne Maufoleen als Erbbegräbniffe beltimmt. Die Sektionen D, E, F dienen 
für Einzelgräber mit befchränktem Turnus von 10 bis 30 Jahren, die Teile G und H für die 
Gräber der Unbemittelten, mit einfachen Nummerfteinen, nach dem Alter der beigefetzten 
Toten getrennt. Der Teil j" ift für die nächfte Erweiterung des Friedhofes befiimrnt. An den 
Hauptwegen find die Gräber der Unbemittelten durch doppelte Hügelgräber mit ftelenartigen 
Denkmälern verdeckt. Die vorderen diefer Hügelgräber lind vom Hauptwege, die hinteren 
von einem 80 Cm breiten Zwifchengange aus zugänglich. 
In der Hauptachfe der ganzen Anlage find die Kirche und das für die Knochenriickftände 
der erdbellatteten Leichen beftimmte Offarium (Fig. 199) angelegt. Der Endpunkt derfelben Haupt- 
achfe ift durch den Tempel für Feuerbeiiattung eingenommen. (Näheres hierüber üehe unter B.) 
139. Die Ausbildung des Untergefchoffes zu Katakombenhallen hat aufser in Mai- 
cmpzusa"t" land auch in Bologna auf dem dortigen Campo Santa (1800 errichtet; Fig. 200 
Bologna. bis 203) ftattgefunden, und zwar wurde zu diefem Zwecke das Untergefchofs des 
neuen Teiles der Arkadenbauten verwendet. 
Die Katakomben beftehen aus drei parallel angeordneten Kolumbarienwänden mit 1,30m 
breiten Zwifchengängen. Die Kolumbarienzellen lind in drei Reihen übereinander angeordnet 
und durch 15 Cm ftarke Ziegelkappen voneinander getrennt. Die Mafse der Zellen betragen 
2,50 X 1,00 X 0,60 m. Die Gänge werden oben durch mit mattem Glas bedeckte Oeffnungen be- 
leuchtet. Die Verfchlüffe der Kolumbarienzellen beftehen aus einer 5 Cm [tarken Ziegelivand und 
einer 2 Cm dicken eingemauerten Marmorplatte. Die Ziegelwand, deren innere Ziegelreihe in 
Kalkmörtel aufgeführt ift und deren Aufsenreihe mit einem AnPtrich von Kalk und Zement be- 
deckt iit, erweift fich in Bezug auf die vollftändige Undurchläffigkeit als unvollkommen; denn es 
ift penetranter Geruch und eine unatembare Luft an manchen Stellen, befonders in der Mitte der 
Katakomben, wahrzunehmen, felbft bei kühlerer Temperatur. 
Unter den alten Arkadenbauten befinden fich Arkadengrüfte, fog. Tombe in coloßzzzadc, für 
Erbbegräbniffe, wobei jeder Achfenteilung drei Arkadengrüfte entfprechen, deren Mafse  X 0,12 m 
in der Breite, 2,50 m in der Tiefe betragen und die voneinander durch 18 Cm Harke Scheidewände 
getrennt find. In jeder Gruft werden 6 Särge (oder 4 Särge für Erwachfene und 3 für Kinder) 
übereinander ohne Zwifchenfchicht aufgeftellt, und jede Gruft von oben mit einem Ziegelgewölbe 
bedeckt. Letzteres ift mit einer Mifchung von Kalk und Zement wagrecht abgeglichen und dar- 
über mit einer Einziegeldecke anitatt der Verfchlufsplatte bedeckt. Die Ziegeldecke und das Ge- 
wölbe werden bei jedem Sarge, der in die Gruft hinabgelaffen Wird, allfgeriffen und von neuem 
wieder aufgeführt; dies ift zwar nicht gerade ökonomifch und praktifch; es wird aber dadurch 
jedesmal ein vollltändig luftdichter Verfchlufs hergeftellt. Die Denkmäler werden an der ge- 
fchloffenen Wand aufgeftellt, zu welchem Zwecke von der 3,50m breiten Querachfe 1,00m vor- 
behalten ift. 
Der oberirdifche Teil der neuen Hallenbauten, die eigentlichen Kolumbarienarkaden, ifi 
nicht nach dem freien Totenfelde hin geöffnet, fondern die Hallen bilden felbftändige, meift drei- 
fchiflige Räume; die äufseren gefchloffenen Wände find zu Kolumbarienzwecken verwendet. Aufser 
einzelnen Kolumbarienzellen gibt es auch Kolumbarienzellen für 4 Erwachfene und 2 Kinder- 
leichen. Die Särge werden über- und nebeneinander ohne Trennungswände aufgehellt. Die 
Tiefe diefer Zellen beträgt 2,30 m und ihre Breite 90 Cm, da 2 Särge nebeneinander geftellt werden. 
Die wagrechten Kappen zwifchen den Zellen fmd 50 Cm, die lotrechten Scheidewände 30 Cm ftark. 
Die Verfchlüffe find denjenigen der Katakombenkolumbarien gleich. 
Der Platz zwifchen den Säulen der Mittelwände ilt freiltehendcn Denkmälern eingeräumt.
        

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