Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Entwerfen, Anlage und Einrichtung der Gebäude: Gebäude für Verwaltung , Rechtspflege und Gesetzgebung; Militärbauten: Gebäude für Verwaltung und Rechtspflege
Person:
Bluntschli, F.
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2861974
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2865557
und mit Balustraden von verschiedenfarbigem Zöblitzer Serpentinstein ausgerüstet. Die Vorhalle hat 
Mosaikfuisboden erhalten. Die Flurhallen, gleich den Flurgängen mit Terrazzo belegt, schmücken 
Bildwerke: im unteren Hauptgeschofs zu beiden Seiten des Einganges nach dem Schwurgerichtssaal die 
sitzenden Figuren der Weisheit und Gerechtigkeit (von Hälmel), in französischem Kalkstein gearbeitet; 
im Obergeschofs, in 4 Nischen auf Postamenten, die Büsten sächsischer Regenten (nach Rietschefschen 
und Hähneßschen Modellen von Behrens angefertigt). Die Ausstattung des Schwurgerichtssaales (siehe 
den Querschnitt auf nebenstehender Tafel), mit den schwarzgrünen Pilastern aus Stuckmarmor, den mit 
rotem Stucco lustro bekleideten Wandilächen, den in Steinton gehaltenen Gesimsen, den gemalten 
Fenstern von Kathedralglas und den schwarzen, matt und glänzend gehaltenen Thüren und Möbeln, 
macht einen der Bestimmung angemessenen, ernsten Eindruck; die Büste des regierenden Königs Albert 
(von Schilling in karrarischem Marmor ausgeführt) ist auf einer Marmorkonsole in der großen Nische 
über dem Präsidentensitze aufgestellt. Der gröfsere Civilsaal hat eine Holzdecke und entsprechende 
Wandbekleidungen erhalten; die durch Pilaster getrennten Felder sind in den Füllungen mit Stoff- 
tapeten überspannt. Der über dem Haupteingang gelegene zweite Civilsaal ist mit grofser Kehle und 
Stichkappen reich ausgestattet und in Genueser Manier gemalt. Die inneren Thüren und Pancele sind 
durchgängig von vollständig astfreiem polnischen Kiefernholz mit starken, gekehlten Füllungsrahmen 
angefertigt und zum gröfsten Teile nur lackiert, so dafs die Textur des Holzes sichtbar geblieben ist. 
Die Fußböden sind mit eichenen Riemen, bezw. mit Parkettafeln belegt. 
Die Heizung erfolgt im Erdgeschofs mittels Borrüscher und Regulieröfen, in den Verhandlungs- 
sälen und Zeugenzimmern als Dampfluftheizung, in den übrigen Räumen der Obergeschosse als Warm- 
wasserheizung. 
Die Gesamtbaukosten sind, einschl. der Sammelheizungen, der Trink- und Nutzwasserleitungen, 
der Gas- und Telegrapheneinrichtung, der Planierungen, Einfriedigungen, Wasserableitung und Ptiaste- 
rungen, auf 909 367 Mark, die Kosten der Mobiliarbeschaffung auf weitere 31 000 Mark angegeben, 
wonach 1 qm iiberbauter Grundfläche sich auf 269,53 Mark und 1 Cbm umbauten Raumes auf I4,99 Mark 
berechnet. 
Das Gebäude, Mitte August 1876 begonnen 
wurf und unter der Leitung Wanckeßs ausgeführt. 
und 
im 
August 
1879 
nach 
vollendet, ist 
dem 
Ent- 
ß) Geschäftshäuser für Land- und Amtsgerichte. 
Geschäftshäuser, die sowohl den Zwecken des Amtsgerichtes, als auch jenen 
des Landgerichtes dienen sollen, haben die für beide Instanzen erforderlichen 
Räume zu umfassen und demgemäfs eine entsprechende, zum Teile sehr be- 
trächtliche Ausdehnung zu erhalten. Bei Gerichten von kleinerem Geschäfts- 
umfang dient zuweilen (z. B. in Ostrowo) der Saal für das Schöffengericht auch 
für die Strafkammer, oder es kann nötigenfalls der Schwurgerichtssaal auch 
von der Strafkammer benutzt werdenwl). In diesen Fällen ist zugleich ein 
Beratungszimrner weniger nötig. 
Die meisten bei Anlage der in Rede stehenden Gebäude vorkommen- 
den Typen sind teils ohne weiteres auf diejenigen der Landgerichtshäuser oder 
der Amtsgerichtshäuser zurückzuführen; teils bilden sie eine weitere Ent- 
wickelung derselben. 
Eine Reihe von diesen Geschäftshäusern haben als einfachste Grundform 
das Rechteck, meist durch schwache Vorlagen in der Mitte und an den Enden, 
zum Teile durch gröfsere an der Rückseite ausgezeichnet und durch einen 
mittleren Flurgang geteilt 365). 
Letzteres ist mitunter nicht bis an die beiden Seitcnenden durchgeführt, wenn an dieselben Ver- 
handlungssäle quer zur Längenrichtung gelegt sind. Der Mittelbau nimmt gewöhnlich einen Saal oder 
zwei solcher übereinander auf; im Erdgeschofs darunter pflegt die Eingangshalle und hinter dieser die 
Haupttreppe angeordnet zu sein; man findet wohl auch zwei Treppen symmetrisch zu beiden Seiten 
angelegt. 
W) Siehe: Centralbl. d. Bauverw. 1882, S. 80, Tab. I, Sp. b u. c. 
aß) Vergl. Beschreibung der Land- und Amtsgerichtsgebäude zu Meseritz, Ostrowo (siehe: Zeitschr. f. Bauw. 1882, 
B1. 22 u. 1884, S. 85), ferner zu Hirschberg, Cottbus und Osnabrück (siehe: Statistische Nachweisungen etc. XII, Nr. 38, 
41. 46)-
        

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