Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Entwerfen, Anlage und Einrichtung der Gebäude: Kirchen, Denkmäler und Bestattungsanlagen: Kirchen
Person:
Gurlitt, Cornelius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2855104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2857284
gemäfs die künfllerifchc Anregung aus Aegypten oder ein folches, zu dem fie diefe aus Babylon 
nach Palältina brachten. 
Nach der biblifchen Schilderung war die Bundeslade der Behälter für das iZeugnisw Jahwds: 
die beiden Steintafeln, in die er mit eigenem Finger feine Gefetze fchrieb, Ferner ift fie der 
Thron, von dem aus er zu den Auserwählten feines Volkes zu fprechen gelobte. Sie war ein ver- 
goldeter Holzkaften von rund 1,25 X 0,15m Fläche und 0,15m Höhe, auf deffen goldenem Deckel 
die Chcrube ltanden, geflügelte menfchliche Geftalten. Die Lade war tragbar eingerichtet und 
auch die Stiftshütte derart befchaffen, dafs fie fich auffchlagen und fortbewegen liefs. Die Stifts- 
hüttc hatte 15 x 5m Grundfläche, 5m Höhe. Sie war allem Anfchein nach fenfterlos, durch zahl- 
reiche, über die Bohlenwände gelegte Decken völlig dunkel. Ein fiebenarmiger Leuchter erhellte 
den Raum, der durch einen Teppich von einer Schmalfeite gefchloffen und durch einen zweiten 
TeppiCh in ein Heiligites und ein Allerheiligftes getrennt war. Die Stiftshütte ftand in einem Hof 
von 50 X 25m, der durch 60 Säulen von 2115m Höhe gebildet wurde, zwifchen welche Tücher ge- 
fpannt waren. Eben folche hingen im vierteiligen Tor, 
Kunflhiftorifch betrachtet, galt die Stiftshütte bisher als eine Nachahmung des ägyptifchen 
Tempels mit feinem von aufsen völlig abgefchloffenen Hof, feinem Vorfaal und feiner Götterzelle, 
in der ja auch oft ein tragbares Gottesbild auf einer Lade fich befand. All dies in leicht beweg- 
liehen, für die Wanderfahrt berechneten Stoffen. Aber die neuen Ausgrabungen in Babylon haben 
vom Wefen des dortigen Tempels neue Anfchauungen gebracht. Es ift fchwer zu fagen, ob die 
Befchreibung der Stiftshütte mehr auf Einflüffe vom Südweften oder vom Nordoflen hinweift. 
Das Allerheiligfle war in ausgefprochener NVeife Gottes Haus, nach ]ahwe's eigenen Worten 
ein Heiligtum, dal's er unter den Juden wohne, und zu dem er felbPc das Vorbild gab. Es ift 
das Zelt der Zufammenkunft jahwes mit feinem Volke, wohin er fich perfönlich zu {teilen ver- 
fprach, um dort zu ihm zu reden, und von hier aus redete er, für die ihn Hörenden auch fichtbar, 
zu rwofß und den Propheten. Das Heiligfte war für die Propheten beftimmt, der Vorhof für das 
auserwählte Volk Ifrael.  
Unter den Geräten feien hier hervorgehoben: der Rauchopferaltar, ein Holzgellell von 
1,00 x Osom, auf dem Rauchwerk verbrannt wurde, und der Tifch der Schaubrote von gleicher 
Gröfse, auf dem 12 Brotkuchcn allwochentlich niedergelegt wurden; beide ftanden im Heiligflen. 
Vor diefem im Hof frand der Brandopferaltar, ein Holzgeltell von 2,50m Geviert und 1,50m Höhe, 
das mit Kupfer befchlagen war, und das HandWafchbecl-zen. 
S0 die Ueberlieferung des 2. Buches Jllofe. Diefe lteht aber, nach moderner Anficht, viel- 
fach in entfchiedenem Widerfpruch mit anderen Angaben. Das Vorhandenfein einer Lade, die 
Wohnung der Gottheit war und daher bei der Wanderung und Feldzügen mitgenommen wurde, 
geht zwar aufser Zweifel. Sie ftand am Ausgange der Richterzeit in Silo, nel in die Hand der 
Philifter (um 1100), kam dann, zurückgegeben, nach Bethemes, fpäter auf die Höhe von Kirjat- 
Jearim und endlich um 1025 in David's Tempel zu Jerufalem. Schon unter Rehabeam (um 950) 
fcheint fie zerltört worden zu fein. Seitdem erfcheint fie nicht mehr im jüdifchcn Kultus. 
Jahwe, einft als der auf dem Berge Sinai Thronende verehrt, wurde fpäter als in der Lade 
wohnend, aber gleichzeitig als auf Bcrgeshöhen, in grofsen Steinen und heiligen Bäumen wohnend 
angebßtet. Sein Kult beftand neben dem des Baal, und zwar wurde an jedem Orte ein Jahwe 
Qder Baal angebctet, der nicht derfelbe war wie der am anderen Ort. Die Kultftätte fafste man 
unter dem Namen Bama zufammen. An verfchiedenen Orten fanden fich folche Stätten: Samuel 
feiert das auf der Bama von Rama dargebrachte Opfer, Salozna das von Gibeon, Erft durch den 
Tempelbau Salomds wird das Bama von Jerufalem zum Stammesheiligtum; erft die neue Religions- 
Qrdnung unter Yaßas beginnt gegen die übrigen Bama zu Eelde zu ziehen. 
Diefe Bama waren, wie gefagt, zumeilt Berghöhen, auf denen ein heiliger Stein, Baum oder 
Quell {ich befand. Mit der Ausbildung des Fleifchopfers begann man, Altäre zu errichten, Sie 
{ollten aus unbehauenen Steinen fein. Aber es traten doch künftlerifche Formen auf: fo der 
ornamental gefialtete heilige Baum oder Pfahl, der feit Yzremia bekämpft wurde; namentlich aber 
die Darftellung Jahwes als Stier: auch der Altar der Stiftshütte hatte Hörner! In den Tempeln 
von Bethel und Dan wurde Jahwe als Stier verehrt; zu gleicher Zeit hatten die kuhköpfige Aftarte 
in Samaria und die eherne Schlange in Jerufalem ihre Tempel. Die Gegnerfchaft der Jerufalemer 
Jahwe-Priefterfchaft wendete {ich zunächit gegen gegoffene, erft feit Hofezfs Reformation (621) 
gegen fteinerne und hölzerne Götterbilder. 
Die moderne Bibelforfchung nimmt alfo an, dafs die Juden bis zu ihrer Rückkehr aus dem 
149. 
Aufl cht 
der 
liberalen 
Theologie.
        

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