Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Betriebswissenschaft
Person:
Mayer, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2845460
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2847333
Das Zusammenarbeiten. 
zu können. Schon beim Kampf mit den wilden Tieren, beim Holzfällen, bei schwe- 
ren Transporten sind die allergrößten Leistungen sicher bei der Nothilfe, bei dem 
erlösenden Eingreifen vollbracht worden. Das gilt auch heute im wörtlichen und 
übertragenen Sinne. Nichts reizt zu den allerbesten Leistungen so mächtig, als 
das stolze Gefühl, das noch besser machen zu können. was andere schon gut ma- 
chen. Neben den riesigen Gefühlswerten der Höchstleistung, des Helfens und des 
Hilfefindens liegt auch ein rationell förderndes Element in dem Vergleich der ver- 
schiedenen Arten des Vorgehens. 
Ein nützliches Symbol der inneren Einpassung in die Betriebsgemeinschaft ist 
die Angleichung in Äußerlichkeiten, wie sie schon in Uniformierung der 
Berufskleidung vorkommt. Einheitlichkeit prägt sich nicht nur den sachlichen 
Auswirkungen der Einzeltätigkeit auf, sondern auch den begleitenden Aus- 
drucksbewegungen. Die Geräusche der Arbeit, die Sichtbarkeit der Bewe- 
gungen geben keinen bloß störenden gleichgültigen Eindruck, sie tragen vielmehr 
den Gefühlsstrom der Kameradschaft und stellen auf eine sinnfällige Weise die 
Verbindung her. Im Zusammenarbeiten muß das Tempo einheitlich werden, 
im übertragenen Sinne und im wörtlichen. Aus der einfachen Arbeitshäufung 
(Beispiel: eine Schar Erdarbeiter, die nicht aufeinander achten) wird so die 
Arbeitsverkettung. Die Angleichung kann dabei sachlich-nötig oder frei- 
willig-zweckmäßig sein, sie kann zum Gleichtakt oder Wechseltakt führen. 
Dabei gehören die ersteren Punkte häufig zusammen (Ruderer, Tauzieher, Ramm- 
katze) und ebenso die letzteren Punkte (Teppichklopfen, Rammjungfer, Beton- 
stampfen, Dreschen); Ausnahmen sind die marschierenden Soldaten in einem, 
Schmied und Zuschläger in anderem Sinne. Dem Nachteil, daß das einheitliche 
Tempo nicht gerade für jeden das zweckmaßigste ist, steht der Vorteil gegenüber, 
daß die hierdurch eingebürgerte Arbeitsgeschwindigkeit eine zweckmäßige Re- 
gelung der Pausen mit sich bringt und zu einem stetigen ausdauernden Arbeiten 
führt. Eine tiefe Bedeutung liegt aber darin, daß durch Rhythmus, Tanzschritt 
und Wechseltakt die spielerischen Elemente der Tätigkeit zu ihrem Recht kom- 
men und die ursprüngliche und eigentlich menschenwürdige Art des Schaffens 
wieder aufleuehtet. 
Versagen 
der Gemeinschaft. 
Eine Grundschwierigkeit für alles Zusammenarbeiten liegt in dem Fehler- 
machen, in der Unvollkommenheit aller Menschen. So lange der einzelne 
allein spielerisch vor sich hin arbeitete, sind ihm vielleicht nicht viel Unstimmig- 
keiten aufgefallen. In ein neues Weltbild gelangte er erst, als er Nachdenken und 
Vorausdenken gelernt hatte, als er von dem vorausbedachten Vorgange in der 
Wirklichkeit Abweichungen bemerkte, die von seinem unrichtigen Denken und 
von seinem schwachen, das Ziel verfehlenden Handeln herrühren mochten. Alles 
Zusammenarbeiten ist ernstlich erst auf dieser zweiten Stufe des vorbedachten 
Handelns möglich, es verlangt sogar ein wechselseitiges oder gemeinsames Vor- 
ausdenken über die Arbeit. 
Sowohl unser Denken wie unser Handeln ist weit entfernt von Vollkommen- 
heit und so zeigt die vollbrachte Tat stets ein anderes Antlitz als die gedachte. 
Zu einem Teil liegt das an der unentrinnbaren Zeitkoordinate, an der stetig fort- 
schreitenden Veränderung aller Verhältnisse, der Welt und unser selbst, ver- 
möge deren die Wirkungen einer Handlung mit jeder Verlegung ihres Zeitpunktes 
andere werden. Aber abgesehen von diesem Nebeneinfluß, der eine weitere Er- 
schwerung für unsere Unzulänglichkeit bedeutet, kommen die Fehler daher, daß 
unsere Gedankenarbeit die Umwelt bei Weitem nicht genügend erklärt, und daß 
unser Wollen und Können bei weitem nicht zur genauen Verwirklichung unserer 
Absichten ausreicht. Treffen wir auf der Scheibe nicht ins Schwarze, so haben
        

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