Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bau und Leben unserer Waldbäume
Person:
Büsgen, Moritz Münch, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2810094
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2814668
Die 
mineralischen 
N ährstoffe. 
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ruft bei den Keimlingen kalkfeindlicher Pflanzen, wie des Besenginsters, 
der Kastanie, der Sternkiefer (Pinus Pmaster) und mancher Lupinenarten, 
eine Vergilbung hervor, die man sich aus einer Störung der Eisenaufnahme 
aus dem Boden zu erklären suchte. Sie scheint durch Eisen geheilt werden 
zu können 1), und Pflanzen, die durch saure Wurzelausscheidungen das Eisen 
des Bodens trotz vorhandenen Kalküberschusses lösen, vergilben nicht. Die 
Kalkbleichsucht verschwindet aber auch von selbst, soweit die Pflanzen das 
empfindlicheJugendstadium überlebenif). Indessen zeigen Versuche von MEVIUS3), 
daß nicht das Kalzium-Ion an sich, sondern die durch Kalküberscbuß bewirkte 
alkalische Reaktion des Bodens den Schaden verursacht. Die niedrige Wasser- 
stoffionenkonzentration erhöht die Permeabilität des Plasmas für eindringende 
Salze, so daß eine Überschwemmung der Protoplasten mit ihnen erfolgt4). 
Kalk ist auch für die kalkfeindlichen Gewächse unentbehrlich. Nach land- 
wirtschaftlichen Erfahrungen erschwert Kalküberschuß auch die Aufnahme 
des Kaliums, ein Schaden, der durch starke Kalidüngung wieder aufgehoben 
werden kann (EHRENBERGS Kalk-Kaligesetz). 
Uber den Säuregrad des Waldbodens liegen mehrere Unter- 
suchungen vor, aus denen hervorgeht, daß der Säuregrad besonders nach 
Humus- und Kalkgehalt des Bodens großen Schwankungen unterliegt, daß er 
mit der Bodentiefe wechselt, und daß von ihm auch die Zusammensetzung der 
Bodenflora beeinflußt wird. Die Waldbäume scheinen dagegen von der 
Azidität des Bodens viel weniger abhängig zu sein als landwirtschaftliche 
Pflanzen, doch kann man beobachten, daß die anspruchsvollsten Laubhölzer, 
Ahorn, Esche, Ulme, basische Böden bevorzugen, während die Nadelhölzer 
in weiten Grenzen in ihrem Gedeihen von der Bodensäure unabhängig 
sind. Jedenfalls hängt die Fruchtbarkeit der Waldböden nicht in dem 
Maße von der Azidität ab wie die der landwirtschaftlichen Böden. Es 
scheint, daß sich die meisten Waldbäume durch ihre Mykorrhizen (s. d.) 
von der Bodenazidität in hohem Maße unabhängig machen können. Die 
Untersuchungen über diesen Gegenstand sind jedoch noch nicht ab- 
geschlossen und haben die Frage noch nicht genügend geklärt. Schwefel 
und Phosphor sind Bestandteile der lebenden Pflanzensubstanz, des Proto- 
plasmakörpers und des Zellkerns. Sie dürfen daher keiner Zelle fehlen 
und finden namentlich da Verwendung, wo sich Protoplasina und Zellkern 
vermehren, also in den Bildungsgeweben der Triebe und Wurzeln und 
im Kambiuni. Die für die Zellkerne charakteristischen Nukleine sind 
organische Phosphorverbindungen, deren Bildung namentlich nach dem Ab- 
blühen kräftig einsetzt zur Versorgung des Samens 5). Je nach ihrer sauren, neu- 
tralen oder alkalischen Beschaffenheit wirken Phosphate auf Lösung und Bildung 
der Stärke 6). Ohne Phosphate tritt nach NOLL 7) völliger Stillstand der Entwick- 
lung ein. Das Leben dauert fort, aber die Teilungsgewebe ruhen vollständig. Bei 
Neuzufuhr von Phosphaten erfolgt dann reichliches Austreiben. Nach SCHIMPERS) 
wird wesentlich Kaliumphosphat, also eine bereits im Pflanzenkörper aus dem 
durch die Wurzeln aufgenommenen Kalziumphosphat erzeugte Verbindung. an 
1) MAziä, RU0T u. LEMOIGNE, Chlorose vegötale provoquee par le Carbonate de 
Calcium. Compt. rend. Acad. sc. Paris. CLV, 1912, p. 435. 
2) BÜSGEN, Kieselpflanzen auf Kalkboden. Bot. Jahrb.. hrsg. von A. ENGLER, 
Bd. L. Supplementband, 1914. Engelmann. Leipzig u. Berlin. 
3) MEVIUS, Jahrb. wiss. Bot. 60, 1921. 
4) Ders., Zeitschr. f. Bot. 16, 1924. 
5) IWANOWSKA, Bull. de Pacad. d. sc. Cracovie 1906. 
6) FOUARD, Ann. institut Pasteur 1907, p. 475. 
7) Bot. Zentralbl. 1895, III, 184. 
8) Zur Frage der Assimilation der Mineralsalze durch die grüne Pflanze. Flora 1890.
        

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