Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bau und Leben unserer Waldbäume
Person:
Büsgen, Moritz Münch, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2810094
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2813693
232 
Kapitel 
VIII. 
mengen. Blätter, in denen der Zucker nicht in Stärke verwandelt wird, so- 
genannte Zuckerblätter, wie sie besonders bei den Monocotylen sich finden, 
werden von den stärkebildenden Blättern, zu denen die Blätter unserer Laub- 
bäume gehören, in der Gesamterzeugung von Assimilaten während eines Tages 
übertroffen, und das Höchstmaß wird von den ersteren früher erreicht als von 
den letzteren 1). In den Nadeln unserer Koniferen2) erscheint je nach der 
Temperatur Ende Februar die erste Stärke, nachdem sie im Dezember und 
Januar fast oder ganz stärkefrei gewesen sind. Von April bis Juni sind die 
Nadeln fast aller Jahrgänge sehr stärkereich; dann beginnt der Stärkeschwund. 
Je nach den Arten sind Unterschiede im durchschnittlichen Stärkegehalt und 
im Verlauf der Stärkewandlung vorhanden. 
Natürlich erreicht auch die Stärkeanhäufung in den Chlorophyllkörnern 
ihre Grenze. Die Stärke bleibt ja aber auch nicht in den Blättern liegen; viel- 
mehr wird sie durch Diastase, die sich namentlich im Dunkeln in den Blättern 
bildet, unter Umwandlung in Zucker schon während ihrer Bildung teil- 
weise wieder gelöst und wandert so nach den Orten des Pflanzenleibs, wo 
sie zur Bildung von Zellulose oder anderen kohlehaltigen Stoffen verbraucht 
oder, von neuem in Stärke verwandelt, fernerhin aufgespeichert werden soll. 
Eine Folge dieser Vorgänge ist es, wenn man die Blätter am frühen Morgen 
leer von Stärke findet, die dann im Laufe des Tages sich wieder in ihnen 
anhäuft. Die Vollständigkeit der nächtlichen Entleerung wird von dem Ver- 
hältnis zwischen Assimilation und Abfuhr abhängen, von denen die letztere 
durch kalte Nächte verlangsamt werden kann. Die Stärke verschwindet in 
den Blättern rascher, wenn sie etwas abwelkenä), auch in abgeschnittenen, 
in denen keine Ableitung möglich ist. Dies beruht wahrscheinlich auf zu- 
nehmender Konzentration der Diastase. In den Schließzellen der Spalt- 
öffnungen ist es umgekehrt. Auch Salzlösungen wirken in gleicher Richtung, 
z. B. fördert Zufuhr von CaCl2 und KCl den Stärkeabbau im Mesophyll, hemmt 
ihn aber in den Schließzellen. Allerdings hat ILJIN in manchen Pflanzen 
anderes Verhalten gefunden4). Daß sich außer Kohlehydraten noch andere Stoffe 
in den Blättern bilden, hat SAPOSCHNIKOFF-ä) hervorgehoben, der zu der 
Überzeugung gelangte, daß ein Teil des Kohlenstoffes der von den Blättern 
aufgenommenen Kohlensäure bei dem Aufbau der eiweißartigen Stoffe Ver- 
wendung finde. Blätter von Roßkastanie und Holunder wurden abends an 
Stickstoff reicher gefunden als am nächsten Morgenö), und nachts wandert 
um so mehr Stickstoff aus, je mehr Stärke auswanderti). Daß das Licht un- 
mittelbar als Kraftquelle für die Eiweißbildung wirkte, ist mit diesen Beobach- 
tungen noch nicht erwiesenß). In den Chloroplasten häuft sich Eiweiß an, 
wenn Blättern, die an Stickstoffhunger leiden, Salpeter zugeführt wird  
Genauer zeigt den Anteil stickstoffhaltiger Körper an der Gewichtszunahme der 
1) MÜLLER, ARNO, Jnhrb. f. wiss. Bot., XL, 1904, p. 443. 
2) KIRCHHOFF,  Über das Verhalten von Stärke und Gerbstoff in den Nadeln 
unserer Koniferen im Laufe des Jahres. Inaug.-Diss., Göttingen 1913. An Gerbstoff 
werden die Nadeln um so reicher, je älter sie sind. Jahreszeitliche Unterschiede scheinen 
gering zu sein. 
3) Mouscn, Ber. Dtsch. Bot. Ges. 39, p. 339, 1921; Annns, Bot. Archiv 5, 1924; 
STRUGGER u. WEBER, Ber. Dtsch. Bot. Ges. 43, p. 431, 1925. 
4) ILJIN, Stud. plant. Labor. Prague 2; vgl. auch AHRENDS, Planta, Archiv f. wiss. 
Bot. 1, 1925. 
5) Suoscnurxorn, Ber. d. D. bot. Ges. 1890. 
6) OTTQ u. KOOPER, Beiträge zur Abnahme bzw. Rüokwanderung der Stickstoff- 
verbindungen aus den Blättern usw. Landwirtschaftl. Jahrb., XXXIX, 1910, p. 167. 
7) SUZUKI, Bull. univ. Tokio, C011. of Agrie, Vol. III, 1897, 241. 
8) ZALESKI, Ber. d. D. bot. Ges., XXVII, 1909, p. 56. 
9) ÜLLRICH, 11., Ztschr. f. Bot., 16, 1924.
        

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