Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Proportion in Antike und Mittelalter
Person:
Mössel, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2805436
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2805674
1 
EINFÜHRUNG 
Die Proportion der gestalteten Form ist für uns ein zwiefaches 
Problem, ein ästhetisch? und ein geschichtliches; Man wird das ge- 
schichtliche bis zu einein gewissen Grade einschließen müssen, wenn 
das ästhetische gefaßt wird, aber es ist vorteilhaft, ja mir scheint, es 
ist notwendig, solange es sich um das geschichtliche Problem han- 
delt, das ästhetische zurückzustellen. Ich behandle hier das geschicht- 
liche Problem und beschränke mich darauf, solange bis es, wenigstens 
grundsätzlich, erledigt ist. Die Fragestellung ist also nicht auf den 
Begriff der Proportion gerichtet oder auf ihren Wert im einzelnen 
Falle, sondern auf die Feststellung gewisser Proportionen, auf Ordnung 
oder Regelmalä, die etwa in den alten Formgebilden zu finden sind. 
Vom Gesetz der Proportion spreche ich also im Sinne eines durch 
sehr lange Zeiträume vererbten Brauches, der bindende Kraft besaß, 
nicht etwa im Sinne eines psychophysisch wurzelnden Gesetzes, eines 
bauenden Urgesetzes der Natur. 
Dem Unternehmen stehen Schwierigkeiten und Bedenken mancherlei 
Art entgegen. Seine Tendenz läuft allgemein gültigen Vorstellungen 
zuwider, insbesondere der uns eingewurzelten Vorstellung von der 
Freiheit des künstlerischen Schaffens, die keine Bedingungen und 
Schranken ertrage und auch in der Vorzeit nicht unter solchen Be- 
dingungen gestanden haben könne. Diesem Bedenken kann kein Ge- 
wicht zugestanden werden. Sind es Tatsachen, welchen die Vorstellung 
widerstrebt, so wird sich diese fügen müssen. Sie wird es können, 
wenn es ihr gelingt, sich in die Vorstellungsweise und in den Vor- 
stellungszwang der Kultur zu finden, in welcher jene Tatsachen ihre 
Wurzel haben. Hier kommt es allein auf den Nachweis an, daE-z die Tat- 
sache besteht, einerlei 0b sie unser Gefallen oder Miffzfallen findet. 
Bedeutsamer sind die Schwierigkeiten, die darin begründet sind, 
dalä das Problem nicht dem Gebiet einer Fachwissenschaft angehört; 
sie sind eben darum unvermeidlich. Einem einzelnen, von dem die 
Bearbeitung ausgehen muläte, können unmöglich die Mittel aller jener 
Fachwissenschaften zu Gebote stehen, die an dem umfassenden Problem 
beteiligt sind. Beteiligt in dem Sinne, daiä ihre eigenen fachlichen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.