Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Proportion in Antike und Mittelalter
Person:
Mössel, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2805436
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2806313
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BAUWERKE UND BILDWERKE 
DER SPÄTANTIKE 
Kann es als sichergestellt gelten, dalä die Maßverhältnisse der hel- 
lenischen Formgestaltung auf geometrischer Grundlage ruhen, so darf 
dasselbe von vorneherein für die Formbildungen der späteren römischen 
Kultur als wahrscheinlich gelten. Denn es ist anzunehmen, daß diese 
mit den griechischen Formen auch ihre Maßverhältnisse und deren 
technische Grundlage übernommen hat; wenn sie nicht schon früher, 
vielleicht durch Vermittlung der Etrusker in deren Besitz gelangt war 
oder die Geometrie der Feldmesser und Baumeister überhaupt ein 
gemeinsames altererbtes Kulturgut darstellt. Jedenfalls konnte die 
geometrische Proportion an den römischen Bauwerken und Bildwerken 
festgestellt werden. Und zwar verwenden die römischen Baumeister, 
so scheint es, ursprünglich vorwiegend die Kreisachtteilung, später 
die Zehnteilung in gleicher Form wie die Griechen. 
Ein Hinweis möge hier seine Stelle finden. Nimmt man an, wie 
ich in der Einleitung angedeutet habe, daß die Grundsätze der geo- 
metrischen Proportionierung in dem Vorgang der Orientierung wur- 
zeln, so gewinnen die Berichte über die Grenzfestsetzung der Äcker 
und die Anlage des Tempels, wie sie von den Etruskern überliefert 
sind, besondere Bedeutung: "Das Tempelfeld der Etrusker" führt 
seinen Namen mutmaßlich von einem mit zäyvsev verwandten Wort, 
als der geschnittene Raum, d. h. der durch den Schnitt entstandene. 
Geschnitten wurde nämlich der Horizont durch zwei senkrecht stehende 
Linien in vier Teile, und diese Linien bilden die Richtungen für die 
Seiten des rechteckigen Tempelfeldes. Die Absteckung desselben er- 
folgte durch die Auguren. Sie machte einen Hauptteil der Haruspizin 
aus .  . . . Es war ein großartiger Gedanke der alten Tusker (inzwischen 
analoge Feststellungen bezüglich der altmesopotamischen Kultur, A.  
jeden Acker durch seine Grenzen in Beziehung zu setzen auf das 
Universum, indem man ihm dieselbe Richtung gab, in der das Himmels- 
gewölbe sich über unserem Haupte dreht." 
" Vgl. Cantor M., Die römischen Agrimensores, Leipzig 1875, S. 65. Müller 
K. 0., Die Etrusker, Breslau 1828, Bd. II, S. 151 ff., Buch III, Kapitel 6, ä 11. 
Nissen H., Orientation, Studien zur Geschichte der Religion, Berlin 1906. 
Moessel, Proportion 5 65
        

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