Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Proportion in Antike und Mittelalter
Person:
Mössel, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2805436
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2806761
einzelnen feststellen müssen, welche besonderen Methoden der geo- 
metrischen Proportion in den einzelnen Kulturgebieten Wirksam oder 
vorherrschend waren. Man wird die Grundsätze der geometrischen 
Anlage bei den alten Siedelungen, Burgen, Städten, Feldlagern klar- 
stellen, wird. planmäßig die geometrische Proportion untersuchen, die 
sich in den Bauten und Geräten der primitiven Völker Afrikas, Asiens, 
Amerikas, der alten Kulturvölker Südamerikas findet und wird den 
ethnographischen Beziehungen nachspüren; also alles Arbeiten, die bereits 
innerhalb der Gebiete von Fachwissenschaften geleistet werden müssen. 
Aber auch ohne diese von der Zukunft zu erwartende Hilfe konnten 
die Untersuchungen, über die ich hier andeutend berichtet habe, nicht 
.an jenen Fragen vorübergehen. Können sie auch keineswegs entschie- 
den werden, so können doch Fragestellungen und Einzelfragen for- 
muliert werden, die der Lösung zustreben.  
Es mulä als wahrscheinlich gelten, daEs die Kreisgeometrie ursprüng- 
lich durch Stangen, Pflöcke und gespannte Schnüre auf dem geebneten 
Bauplatz bewirkt wurde. Wir verwenden ja heute noch Schnurgerüste, 
freilich nicht um daraus den Plan zu entwickeln, sondern um den auf 
dem Reißbrett entstandenen Plan auf den Bauplatz zu übertragen. 
Augh werden Instrumente nach Art der Diopter in Gebrauch gewesen 
sein, mittels deren man von einem Zentrum aus oder durch ein Zen- 
trum hindurch visierte und eine radiale Teilung des Umkreises in 8, 16, 
lO oder 20 Kreiswinkel  also eine Windrose  gewann. Für Aus- 
führungen von geringerer Abmessung haben sicher auch besondere 
Werkzeuge gedient. Es sind Proportionszirkel aus römischer Zeit er- 
halten, deren Zweck man sich aber bisher nicht zu deuten vermochte. 
Schließlich konnten die geometrischen Konstruktionen durch einfache 
i Zahlenverhältnisse ersetzt werden. Es ist gewiEa, daß dies vielfach ge- 
 schah. "Jedenfalls aber darf man sich. unter "der Handhabung der geo- 
hmetrischen Proportion nichts anderes vorstellen als einen technischen 
ijygrgang, durchaus keine abstrakte Mathematik, etwa in der Art, wie 
lisie hier gedient hat und notwendig war, um den Gebilden nachzu- 
gtasten, ihr Raumgefüge zu prüfen und einen unanfechtbaren Nach- 
 weis zu führen. Was von den Alten bei der Gestaltung ihrer Form 
 geschah, lag durchaus innerhalb der Welt des Auges. Das möchte ich 
i]: immer wieder nachdrücklich hervorheben. 
 Bildmäßige und literarische Belege fanden sich sehr zahlreich aus 
allen Zeiten, von der Darstellung und Beschreibung des "Pliockein- 
110 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.