Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Binnen-Kolonisation
Person:
Migge, Leberecht Deutsche Gartenstadtgesellschaft
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2761705
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2763858
FIASKO 
EINER 
KOLONISATION. 
l95 
Kolonisation 
werden. Bis 
als nationales Aufbauunternehmen nicht gesprochen 
dahin bedeutet unsere Siecllungsarbeit ein Schlag ins 
Wasser 
Ein Fiasko. 
DAS EVANGELIUM DES GARTENS. 
 olonisation ist Kult. Echtes Siedeln ist immer mit Glauben 
K wverbunden. Glaube an etwas Neues, Besseres, Hiäheres. Und 
i da es einen Glauben ohne Opfer nicht gut geben kann, so ist 
der Weg zu diesem Höheren, Besseren, Neuen immer ein opfervoller 
gewesen. Ob ihn in neuerer Zeit englische Sqnatter gingen, oder 
tausend Jahre vorher Millionen Chinesen. Hier wie dort waren die 
Kolonisten Entsagende und Hoffende: Gläubige. Und die Siedler- 
führer waren ihre Priester. 
Wohin führten diese Priester ihre Gemeinde? Immer und aus- 
schließlich auf den Boden, auf jungfräulichen Boden. Ihn zu erneuern, 
zu befruchten, war ihr erstes und einziges Ziel. Alle Kraft dem Boden! 
Und diese gläubige Kraft schuf denn auch regelmäßig aus sterilem 
Wald und Steppe tragendes Ackerltind. Und aus ertragreichem Acker- 
land schließlich üppige Gärten. Und jetzt erst mit den Gärten, dem 
Zeichen äußeren Wohlstandes, kam auch das Bauen und Kleiden (bis 
dahin nur Nebenwerk), kam auch mancherlei Reiz zu Ehren. Die 
Bodenkultur erweckte Lebenskultur, erweckte und hielt sie wach: 
Blumen und Tiere um uns sind ein Schutzwall vor Entartung. Mehr: 
Aufartung zur religiösen Kultur. 
Bodenfrucht war immer Gegenstand des Opfers. Und Priester 
hießen, die mit der Opferflamme den fruchtbaren Boden betreuten und 
heiligten. Land ist das Zeichen der Kraft, Garten das Zeichen des 
Geistes. S0 führt der Glaube zum Garten, so nährt der Garten den 
Glauben. 
Moderne Menschen haben zu glauben verlernt, so haben sie auch 
keine Gärten, wenigstens keine, denen man glauben kann (und die 
man uns glauben kann). Und so ist denn auch unsere ganze „Sied- 
lungsbeivegung" ungläubig von Grund auf. Und war sie es nicht von 
Anfang her, so ist sie es doch geworden. Nur dem sogenannten Klein- 
gartenwesen steht noch ein Rest des Glaubens an die erneuernde 
Kraft des Bodens bei. Aber auch der wird bald "wegorganisiert" sein.
        

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