Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Madonna mit dem Rosenstrauch im Bayerischen Nationalmuseum
Person:
Halm, Philipp Maria
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2746977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2747060
DIE 
ROSENSTRAUCH 
MADONNA MIT DEM 
IM 
BAYERISCHEN 
NATIONALMUSEUM 
HATTE die Marienverehrung, begründet und gefördert durch die Evangelien 
selbst, mit der Ausbreitung des Christentums schon seit dessen ersten Tagen 
Schritt gehalten, so wuchs sie, ohne zu erlahmen, von Jahrhundert zu Jahrhundert. 
Um die ragenden Pfeiler der Dogmen schlangen sich bald üppig die Ranken der 
WiSSßnSChaft, der Poesie, der Legenden und die Zeugnisse schlichten Glaubens, 
die das liebliche Bild der Mutter mit dem Kinde wie mit einem Blütenkranze von 
Rubens umschlossen. Was Wunder, daß dieser reichen Gedankenwelt auch die 
bildende Kunst ihre stärksten Kräfte, formende Gestalt und tiefsten Gehalt lieh. 
So einfach und schlicht, ja fast alltäglich das Bild der Mutter mit dem Kinde an 
und für sich sich gibt, so reich und wechselnd ward es im Laufe der Jahrhunderte 
abgewandelt, selbst dann, wenn es nicht erst noch durch die Zutat einer Frucht oder 
eines Vogels zu einer Art Genrebild erweitert wurde. Dabei blieb der schon im 
Begriff der Mutter mit dem Kinde wurzelnde Gedanke der Mutterliebe  einige 
wenige ganz frühe Typen, wie die der Hodegetria oder Nikopoia ausgenommen  
Sieghaft über aller Wandlung bestehen. 
Der ungeheure Aufschwung der Marienverehrung, der seit dem 12. bis zum 14. Jahr; 
hundert ständig zunahm und sich in jubelnden Dichtungen  man denke nur an 
des Minnesängers Heinrich Frauenlob „Unserer Frauen Leich", an Konrad von 
Würzburgs schimmernde "Goldene Schmiede", an des Dominikaners Eberhard 
Sax "Marienlob"  in zahllosen anmutigen Legenden, lauretanischen Hymnen und 
in der sich immer mehr ausbreitenden Gebetsübung des Rosenkranzes widerspiegelt, 
fand schließlich in den Bettel: und Predigerorden seine höchste Blüte. Es hält heute 
schwer zu entscheiden, 0b in den einzelnen Fällen die bildende oder die dichtende 
Kunst in den Wechselerscheinungen der Schöpfungen jener Zeit die bewußt gebende 
oder empfangende war, aber da und dort gewinnt es doch den Anschein, als ob 
das geistig Belebende, das bildhaft Sprossende vom Worte seinen Ausgang ge: 
nommen hätte. „Und das Wort ist Fleisch geworden." 
Solch ein Beispiel stellt „Die Madonna mit dem Rosenstrauch" des Bayerischen 
Nationalmuseums in München dar. Fast so alt wie der Marienkult selbst ist das 
Symbol der Gnadenreichen, die rosa mystica, und angesichts unserer Statue wird 
die Erinnerung an Stephan Lochners oder Martin Schongauers Rosenhagbilder wach. 
Freilich wird man dabei nicht vergessen dürfen, daß, ganz abgesehen davon, daß 
die Werke der Tafelmalerei mehr als fünfzig, ja fast hundert Jahre später als unsere 
Statue entstanden, der blumige Hag, die blühende Laube mehr als ein landschaft: 
liches Requisit erscheint, während die dominierende Stellung des Rosenbaumes 
unsere Statue unzweideutig über das Jdyllisch:Gegenständliche des Motivs zum 
SYmbolischJnhaltreichen hinaushebt.
        

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