Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Lehre der tektonischen Kunstformen
Person:
Bötticher, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2715323
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2718046
Triglyphon. 
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finden sich im Triglyphon des sogenannten Demetertempels zu Pästum die 
Triglyphen sogar als dünne Cllafeln in ein Continuum von Metopia eingesetzt. 
Dass man ungeachtet eines gewaltigen Maasstabes den man für den 
Naos Peripteros wählte, das Triglyphon als kanonisches Schema und in 
den hergebrachten Proportionen beibehalten musste sobald man in dori- 
scher Weise bauen wollte, liegt auf der Hand. Und wie abhängig man 
vom Schema des Triglyphon geworden war, um dasselbe auch da beizube- 
halten wo das Material versagte, beweist der Poseidontempel zu Pästum 
(Taf. 23 und 24); denn um hier der Tragfähigkeit des Epistylion bei der 
geringen relativen Festigkeit des verwendeten Gesteines sicher zu sein, hat 
man das Epistylion sammt der unteren halben Höhe des Triglyphon aus 
einem monolithen Blokke in dieser Stärke gearbeitet, die obere halbe Höhe 
des Triglyphon alsdann auf diese gesetzt. Das Ablösen der Balkendekke vom 
Epistylion und ihre Verlegung auf das Triglyphon  8), war mithin eine 
nothwendige Folge dieser Vergrösserung, besonders bei Anwendung eines 
Baumateriales zu den Dekkengliederxi, namentlich zu den Balken, welches 
bei auskömmlicher relativer Festigkeit für grosse Spannweiten, eine geringere 
tragfähige Höhe zuliess als die kanonischen Höhenverhältnisse des Tri- 
glyphon sie erforderten. 
Zur Erläuterung des auf S. 208 über dieVereinigung eines zweitriglyphi- 
sehen mit einem dreitriglyphischen Systeme Bemerkten, mag auf die gut 
erhaltene viersäulige Fronte des Gebäudes zu Athen, Titelvignette no. 7, 
hingewiesen sein, die sich (mein Bericht S. 223) als Thor der römischen 
Agora erwiesen hat. Drei Triglyphen stehen hier auf dem Epistylbalken 
über der weiten mittleren Durchfahrt, zwei Triglyphen auf dem Epistyl- 
balken über jeder der beiden engen Seiteneingänge. 
Künstlerischen. 
Zum 
Ueber die Reste von Farben an den Triglyphen in den vorhandenen 
Monumenten, schwanken die neueren Augenzeugen. Da sie nirgends mehr 
evident gewesen sind so war der Vermuthung ein grosser Spielraum geblie- 
ben: obwohl die Meinungen, wahrscheinlich durch Vitruv bestimmt, sich zu 
Blau geneigt haben, so weisen doch die Formenziige auf den Schenkeln und 
dem Capitelle die noch deutlich wahrnehmbar geblieben sind, entschieden 
auf mehrere Farben des ganzen Körpers hin. Will man hierbei ein 
kanonisches Festhalten in den Formen auch auf die Farben übertragen, so 
würden doch immer bloss die canelirten Blätter die blaue, dagegen die An- 
themien auf den Schenkeln dazwischen nebst der Fascia des Capitelles, an- 
dere Farben gehabt haben: schon die Torenfascia an Taf. 19, no. 3 und 4, 
soll nach Serra di Falco gelb auf braunem Grunde gemalt sein. Dass man 
aber die farbigen Schemata gern auf den Grundton des Gesteines oder 
Putzes aufsetzte, kann schon die Tropfenregxzla unter den Triglyphen des 
Parthenon Taf. 18, no. 3 beweisen: denn hier sind die Anthemien ohne 
Frage eben so auf den Marmorgrund gemalt wie die Mäanderfascia des 
Abacus über ihnen, während ihre Tropfen durchaus von Farbe gedekkt 
waren: es lässt sich aber glauben dass diese Formen mit der Triglyphe 
und den Viae des Geison auch in der bezüglichen Färbung correspondirten. 
An Tempeln auf der Akropolis von Selinunt will man (Serra di Falco, 
Antich. d. Sicil. II, Taf. 6) die Schenkel der Triglyphen Blau, die Tänia
        

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