Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Schwarz-Weißkunst
Person:
Ziegler, Walter
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2701421
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2704091
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um die obere und untere Kante der Platte umgebogen und so be- 
festigt wird, daß es sich nicht verschieben kann. Mit einer Leder- 
walze wird nun die ganze Papierfläche nach allen Richtungen mit 
kräftigem Drucke überwalzt. Man kann auch mit einem Polierstahl, 
F alzbein und selbst mit dem Daumennagel gleichförmig drückend 
über das Papier reiben und so den unterlegten Stoff in den Grund 
einpressen oder das Vorgerichtete unter mäßiger Spannung durch 
die Presse ziehen.   
'D0rt, wo die Webefäden sich kreuzen, wird so je ein Punkt 
freigelegt; das ganze Webemuster des aufgelegten Stoffes wird nach 
Abheben des Papiers und Stoffes auf der grundierten Platte matt 
sichtbar sein. 
In ähnlicher Weise, wie bei Aquatinta geschildert ist, kann 
nun eine beliebige Zeichnung mit Deckfirnis auf der Platte her- 
gestellt werden, und nach Abdecken des Randes und denRückseite 
der Platte werden die ungeschützten Partien mit Eisenchlorid geätzt. 
Nach der ersten Ätzung kann wiederholt gedeckt und geätzt werden, 
bis an allen Teilen die nötige Kraft erreicht ist. 
Nun wird die Platte mit Terpentin gereinigt und geputzt und 
kann dann neuerdings mit Durchdrückgrund versehen werden. Zur 
weiteren Arbeit wählt man ein anderes Stoffstück mit irgendwelchem 
tauglichen Korn, drückt, wie vorerst geschildert wurde, dasselbe ein 
und deckt in dieses Stoffkorn die Zeichnung nach Belieben und 
Gefühl ab und ätzt neuerlich. 
Durch richtige Kombinierung des verschiedenen Stoffkornes, 
durch vernünftiges Ätzen und vorsichtiges Abdecken können alle 
möglichen Töne erzeugt und jede Kraft erzielt werden (Abb. 103). 
Man wird finden, daß hauptsächlich bei größeren Platten das 
durchgedrückte Stoffkorn einen prickelnden Reiz hat, welcher nichts 
mit dem durch Aquatinta erzeugten, eintönigen Korn gemein hat. 
Außerdem kann Stoffkorn leicht aufgeätzt werden, was bei Aqua- 
tintaton in den meisten Fällen beinahe unmöglich ist. Ferner erlaubt 
das geätzte Stoffkorn ein Abstimmen auf der blanken Platte mit 
Polierstahl und Schaber, es ist unverletzlicher und modellierungs- 
reicher als irgendein Aquatintaton. 
Günstige Effekte kann man erzielen mit dem Moire ähnlichen 
Seidenstoffen, die eine streifige Andrdnung der Pünktchengruppen 
des Stoffkornes bilden und dadurch auf dem Druck Erscheinungen 
ergeben, die Zeichnungen ähneln, welche auf leicht geripptem Papier 
hergestellt wurden.
        

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