Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Fette, Öle, Leinölersatzmittel und Ölfarben
Person:
Eibner, Alexander
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2695832
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2696286
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Als im Jahre 1867 Pettenkof er 1 die Notwendigkeit der Schaf- 
fung einer Wissenschaft der Maltechnik betonte, geschah dies im 
engeren Sinne, als s. Z. L i o n a r d o t diese Frage faßte, indem er 
die Malerei als Wissenschaft bezeichnete, weil er als ihre Hilf swissen- 
schaften die Geometrie, Perspektive, Optik, Anatomie und Botanik 
erkannt hatte. Diese und andere Lehrgegenstände, wie Kunstge- 
schichte, Kostümkunde u. a- sind inzwischen an den Kunstschulen 
eingeführt. Das Fragespiel, 0b Kunst Wissenschaft sei, hat in jüng- 
ster Zeit begonnen, seine Fortsetzung in der Umkehrung zu finden, 
als auf den letzten Farbentagungen alte Gegensätze zwischen Kunst 
und Wissenschaft erneut zu Tage traten. P e tte n k o f e r hatte bei der 
Absicht, die Maltechnik zur Wissenschaft auszubauen, nur die Samm- 
lung yon Erfahrungen über die Verwendungseigenschaften der Mal.- 
materiahen nach der chemischen und besonders der physikalischen 
Seite im Auge. Er zeigte zuerst, daß hier noch Lücken bestehen. 
Diese hat die neueste Zeit weiter aufgedeckt. Jüngste Gründungen 
von Gesellschaften für wissenschaftliche Erforschung der fetten Öle 
in Deutschland und anderen Ländern beweisen dies. Andererseits 
stand dem Künstler und Handwerker schon im Mittelalter neben dem 
praktischen Können ein in der Werkstatt erworbenes und durch die 
Gilden überliefertes umfangreiches Wissen über die Eigenschaften 
der Werkstoffe zur Verfügung. Es verbürgte, ohne daß für die Be- 
urteilung der Haltbarkeitsfrage wissenschaftliche Grundlagen vor- 
handen waren, weitgehende Dauer der Werke. Von der Wissenschaft 
wären diese Erfahrungen aufzunehmen und zu verwerten gewesen, 
um die Grundlagen einer wissenschaftlichen, der Praxis vollen Nutzen 
schaffenden Werkstoffkunde für die Mal- und Anstrichtechnik zu 
schaffen. Daß innerhalb der langen Zeit zwischen P e t t e n k o f e r s 
Äußerung und der Gegenwart diese Aufnahme nicht voll wirksam 
wurde, liegt daran, daß Wissenschaft, Kunst und Handwerk noch 
immer zu wenig Verbindungslinien besitzen. Im neuen Deutschland 
besteht starkes Bedürfnis, sie auszubauen. Auf der anderen Seite 
mußten jene mittelalterlichen aus der Praxis geschöpften Kenntnisse 
in der Kunst zurückgehen, als der angehende Künstler nach Auf- 
hebung der Gilden durch den Rückgang der handwerklichen Aus- 
bildung, sowie später durch Einführung des Fabrikbetriebes bei der 
Herstellung der angeriebenen Farben, Malgründe und Grundierungen 
dem Materiale mehr und mehr entfremdet wurde.  
Nicht auf den dadurch entstandenen Entfall an Werkstoffkenntnis 
allein bezog sich die Äußerung P e t t e n kof e r s. Er zeigte auch 
' Über 01mm, 2. mm. München 1902, s. 1a.  
2 Lionardo" da Vinei, Das Buch von der Malerei; deutsche Ausgabe nach dem Codex 
Vaticanus, 1270, von H. L u d w i z. 
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