Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Fette, Öle, Leinölersatzmittel und Ölfarben
Person:
Eibner, Alexander
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2695832
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2697726
nen von Ölfarben, die ohne Terpentinöl oder sonstige ätherische Öle 
hergestellt sind, auftretenden. Hier ist die Frage von größter Wich- 
tigkeit, welche Ursachen beiderseits hauptsächlich zur Abspaltung 
dieser flüchtigen Stoffe führen. Bei den Fetten nimmt man an, daß 
sie größtenteils durch Fettspaltung (Verseifung) entstehen. Bei den 
fetten trocknenden Ölen ist durch Mulder und seine Nachfolger 
die Frage aufgetreten, ob hier dieselbe Art der Zersetzung, oder eine 
andersartige die Hauptrolle spielt. Die beim Trocknen fetter Öle 
entstehenden flüchtigen Produkte riechen nie nach Buttersaure, wie 
ranzige Butter, andererseits nie nach A k r o l e '1' n , sondern nach ge- 
sättigten A 1 d e h y d e n (Azet-Propylaldehyd u.  dann nach Essig- 
saure, Propionsäure, also nach relativ niedrigen Kohlenstoffver- 
bindungen, ausnahmsweise nach Capronaldehyd und Ö n a n t h o l , 
wie beim Mohnöl. Mulder glaubte beim Leinöltrocknen neben 
Kohlensäure und Essigsäure auch A m e i s e n s ä. u r e und Akryl- 
saure in größeren Mengen gefunden zu haben. Andererseits waren 
vor ihn als natürliche Produkte der Oxydation von Fetten die Butter- 
saure, Valerian- und Capronsäure, als pyrogene des Rizinusöles das 
Önanthol und von nichtriechenden A z e l a "i n  und Korksaure be- 
kannt, also Spaltprodukte, die wegen ihrer hohen Kohlenstoffzahl 
nicht vom Glycerin herrühren können. Da, wie jetzt festgestellt, 
wenigstens beim natürlichen Trockenvorgang des Leinöles Glycerin 
nicht in nennenswerten Mengen auftritt, so müssen die hier nach- 
gewiesenen flüchtigen Spaltprodukte von den Fettsauren stammen. 
Wie sie entstehen, war aufzuklären. 
DieTrockenkurvenfetterÖle. (Gewichtsveranderungs- 
kurven.) Die Frage nach Menge, Art und Herkunft der beim Trock- 
nen der einzelnen fetten Öle entstehenden flüchtigen Produkte ist 
anstrich- und maltechnisch von ausschlaggebender Bedeutung. Diese 
Mengen bedingen die Grade der Frühsprung- und Rißbildung an- 
trocknender Ölfarbenaufstriche und auf Ölbildern, und damit jener 
ihrer Haltbarkeit, sowie der Wetterfestigkeit und einen beträchtlichen 
Teil der Rostschutzfahigkeit ersterer. Vor dem Bekanntwerden der 
diesbezüglichen Arbeiten von P e tr u s c h e f f s ki und T a u b e r 
machte man sich über die hier bestehenden großen Unterschiede 
zwischen den einzelnen fetten trocknenden Ölen keine Vorstellung 
und hatte daher auch über die Ursachen der Frühsprung- und Riß- 
bildung kein richtiges Bild. Dieses konnte nicht entstehen, solange 
man den Trockenvorgang nur am Leinöl genauer studierte, dabei 
keine starken Abgänge an flüchtigen Produkten beobachtet hatte und" 
die hier bestehenden Verhältnisse bei anderen Ölen als ohne wesent- 
liche Änderung bestehend voraussetzte. An dieser Frage ist neben 
der gesamten Anstreicherei, Lackiererei und Kunstmalerei auch die 
Bilderpflege lebhaft beteiligt. Letztere deshalb, weil sie Gelegen- 
heit hat, die durch Stoffverluste entstehenden Beschädigungen an Öl- 
bildern am eingehendsten zu beobachten. 
Jenes Verfahren, das über die Verschiedenheit der Mengen der 
bei den einzelnen fetten Ölen während des Trocknens auftretenden 
flüchtigen Produkte am genauesten Aufschluß gibt, ist das Gla s- 
t a f e 1 v e r f a h r e n von W e g e r "ß zur gravimetrischen Messung 
w  
Chem. Rev. 1897, 285, 315; 1898 Heft 11 u. 12; Ztschr. f. angw. Chem. 1898, 490, 507. 
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