Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Fette, Öle, Leinölersatzmittel und Ölfarben
Person:
Eibner, Alexander
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2695832
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2697719
bildung sei bei handwerklichen Arbeiten eine Seltenheit und über- 
haupt schwierig zu bewirken. Diese Ansicht ist sowohl durch die 
Befunde bei zahlreichen Anstricharbeiten im Freien und Innen- 
räumen, als durch die erwähnten graphischen Feststellungen für den 
"Fall der Wirkung des vollen Sonnenlichtes widerlegt. 
Beim Mohnöl mußten diese Erscheinungen naturgemäß viel stärker 
auftreten. Tafel 8 zeigt, daß auch hier schon im Winter starke Ver- 
kürzung der Trockenzeit von I2 auf 7 Tage eintritt (Kurve Ma). 
Darauf folgte ein noch stärkerer Absturz wie beim Leinöl, nämlich 
vom 7. bis I6. Tage von I50ß der Gesamtaufnahme. Das Wieder- 
kleben begann am 10. Tage (Punkte  Im Sommer folgte dem 
raschen Anstieg am 4. Tage (Tafel 9) schon der Absturz der Kurve 
bis zum Schnitt der Abszissenachse. Am 14. Tage hatte der Ge- 
wichtsverlust fast 200W; erreicht. U n t e r d i e s e n a n o r m a 1 e n 
Umständen ist das Mohnöl also fast ganz flüchtig. 
Um diese starken Veränderungen der Öle im vollen Sonnenlichte 
näher kennen zu lernen, wurde vom Punkt der Höchstgewichtsauf- 
nahme an, nicht mehr alle 24 Stunden, sondern alle I2 Stunden ge- 
wogen. Dadurch wurde ersichtlich, daß im absteigenden Ast die 
Gewichtsabnahme ausnahmslos stark unstetig erfolgt. D. h., daß hier 
der schon von G e nth e erwähnte Einiiuß von Tag und Nacht zum 
stärksten Ausdruck kommt. Direktes Sonnenlicht wirkt also auf Auf- 
striche trocknender fetter Öle im praktischen Effekt ähnlich wie 
trockene Luft, aber noch viel stärker beschleunigend und außerdem 
molekülsplitternd. Unter diesen Umständen sind die bei Außen- 
arbeiten im Sommer nicht seltenen Erscheinungen des Springens und 
Reißens, dann des Rutschens und Laufens von Leinölfarbenaufstrichen 
und ausnahmsweise auch von Holzlackierungen auch ohne Annahme 
von Materialverfälschung erklärt. Sie stellen sich als das Ergebnis 
der katalytischen Natur des Trockenvorganges in der Übertreibung 
dar. Seine bisherige Theorie vermag diese abnormen Vorgänge 
nicht hinreichend zu erklären, weil sie über das Zustandekommen 
der Stoffverluste hierbei noch sich widersprechende Vorstellungen 
liefert. Bei einem T rockenvorgang, der wie jener des Mohnöles im 
direkten Sonnenlicht fast zum vollständigen Verdunsten infolge Oxy- 
dation führen kann, m ist das Extrem dessen erreicht, was nach der 
Zusammensetzung der fetten Öle als Glyceride und zufolge der kata- 
lytischen Art der Trockenvorgänge durch kombinierte Oxydation 
und begrenzt stufenweise Verseifung erreichbar ist. Hier also allein 
könnte die Theorie von Muld e r praktische Gestalt annehmen, 
allerdings nicht im Sinne der Anhydridbildung freigewordener Fett- 
säuren, weil hiezu zu viel Wasser vorhanden ist, sondern in jenem 
der Gefahr des Eintrittes vollständiger Verseifung. 
IV. DIE STOFF VERLUSTE FETTER ÖLE BEIM TROCKNEN ALS 
URSACHE DES SCHWINDENS DER FARBENAUFSTRICHE UND 
DER FRÜHSPRUNGBILDUNG. 
Daß beim Ranzigwerden der Fette Stoffverluste durch Abgabe 
flüchtiger und riechender Spaltprodukte entstehen, beweisen die Ge- 
rüchte ranziger Fette. Sie sind aber andersartig, als die beim Trock- 
 
trocknender Oliarbenaufstriche auf Ölbildern, S. 49. 
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