Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Entwicklung der Baukunst und des amerikanischen Hauses
Person:
Vogel, F. Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2663070
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2663735
Sonstige Bau- 
artikel. 
Baukunst 
im Allgemeinen. 
breitung des Holzhaus, auch für die Schiffahrt, war die allein blühende Kunst die 
des Zimmermanns. Durch ihm wurden der Rohbau, die Tischlerarbeiten, sogar 
der hauptsächlichste Innenausbau, bei dem das Holz das Hauptmaterial war, aus- 
geführt. Aller Wahrscheinlichkeit nach übten die Zimmerleute ihr Handwerk in 
gleicher Weise wie in Europa, und die veränderten amerikanischen Baukonstruk- 
tionen traten erst mit Vervollkommnung der Sägewerke im 19. Jahrhundert auf. 
Bei der Behinderung der Bauindustrie durch das Verbot Englands kamen 
auch die Schlosserwaren anfangs von der alten Welt herüber. Bis zur Mitte des 
18. Jahrhunderts wurden nur die einfachsten Gegenstände dieser Art vom Schmied 
im Lande hergestellt, alle Gußware mußte eingeführt werden. Ähnlich verhielt es 
sich mit den übrigen Bauartikeln, sobald über die bescheidenstenAnsprüche hinaus- 
gegangen wurde. 
Die Fensteröffnungen wurden in der ersten Zeit durch Marienglas, dünne 
Glimmerplatten (Mica), durch Ölpapier oder dünn geschliffenes Horn geschlossen, 
da Glas vor 1700 nicht eingeführt wurde. Selbst noch 1778 wurden Fenster 
mitsamt dem Glas von England herübergebracht. 
Aus den vorstehenden Darlegungen ist es zu ersehen, daß in einem Lande, 
dem unsere uralte Kultur und die ununterbrochene Kette herrlicher Bauwerke als 
Vorbilder zur Entwicklung der Baukunst und des Handwerks fehlen, daß in einem 
solchen Lande, abgesehen von ersten Anfängen, von einer eigenen Kunst vor Beginn 
des 19. Jahrhunderts nicht gesprochen werden kann. Es gab bis dahin keine Archi- 
tekten im Lande. Das Planen der Bauten lag in den Händen einfacher Handwerks- 
meister. Auch hatte der Laie unmittelbaren Anteil an den Schöpfungen öffentlicher 
Bauten, brachten doch diese gebildeteren Elemente den höheren Aufgaben mehr 
Verständnis entgegen als der kleine Meister, der sich nur an Einfachem geübt, 
der nie über die Scholle hinausgekommen war und dem gute Vorbilder fehlten. 
Bei wichtigen Bauten griff man zu den Hilfsmitteln, sich die Pläne in Europa 
anfertigen zu lassen, oder solche von dort ausgeführten Bauwerken zu benutzen, 
und sie dann dem heimischen Material und der Handwerkstechnik, so gut es 
gehen wollte, anzupassen. Erst Ende des 18. Jahrhunderts trafen, das Bedürfnis 
zu decken, vereinzelt Architekten aus Europa ein. Erst zu Anfang des 19. Jahr- 
hunderts begegnen wir in Amerika dem ersten hier geborenen und herangebildeten 
Baumeister. 
Bei der nun folgenden Entwicklungsgeschichte der Baukunst ist eine 
chronologische Einreihung der Bauwerke deshalb ausgeschlossen, weil die Ein- 
flüsse je nach Lage zu gleicher Zeit verschieden waren. Bauten im Norden, 
der Mitte oder im Süden an den Küstenrändern weisen ebensolche Abweichungen 
auf, wie die Lage weit nach dem Westen, besonders dem Nordwesten. Die 
Bauten mußten je nach dem Fortschreiten der Besiedelung anderen Bauepochen 
angehören, wie die der bereits zivilisierten Landesteile.
        

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