Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Frauenkleidung und ihre natürliche Entwicklung
Person:
Stratz, Carl Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2645706
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2646533
Nacktheit. 
beim Zorn ballen sich beide Hände zu Fäusten, beim Schreck 
sinken beide Arme schlaff am Körper nieder, während beide Kniee 
sich beugen, und bei der Ueberraschung hebt die entkleidete Frau 
beide Arme in gleicher Weise nach oben, drückt unten beide Kniee 
ein. Die komplizierte Bewegung, eine Hand nach oben, die andere 
nach unten, ist nicht natürlich. 
Diese letztere findet sich nicht einmal, wenn der Ueberraschung 
ein Angriff von Seiten des Mannes folgt. Auch dann bedeckt die 
eine Hand nicht die Geschlechtsteile, sondern sie stösst die Hand 
des 
und 
Mannes zurück , 
einzieht. 
vwrährend 
der 
Körper 
sich 
noch 
stärker 
beugt 
Die Mediceerin ist ein schönes Weib, welches mit seinem 
nackten Körper kokettiert. Unsere moderne Schamhaftigkeit hat 
Canova in seiner Aphrodite aus dem Palazzo Pitti viel richtiger 
zum Ausdruck gebracht. (Fig. 5 und 6.) 
Die Stellung ändert sich aber, wenn der plötzlichen Ueber- 
raschuilg in entblösstern Zustand eine längere Betrachtung seitens 
des Mannes folgt. Dann wendet das verlegene Weib den Kopf ab, 
senkt oder schliesst die Augen, und bedeckt mit ängstlicher Hand 
bald diesen, bald jenen Körperteil, auf den der Mann die Blicke 
richtet, oder den das Weib am meisten seinen Blicken ausgesetzt 
glaubt. 
Aus diesen erst später auftretenden Bewegungen lassen sich 
verschiedene Ausdrücke des Schamgefühls ableiten. Einer davon ist 
in Fig. 7 wiedergegeben. Die Beschämung ist aufs Höchste ge- 
stiegen und dem Erröten werden die Tränen folgen. 
Die bildenden Künstler ziehen im allgemeinen die Darstellung 
dieser sekundären Aeusserungen des Schamgefühls vor, weil dabei 
mehr Abwechselung möglich ist und ein grösserer Teil der Körper- 
oberiläche, namentlich aber ein Teil der Brüste, sichtbar wird. 
Ebenso wie in stehender, so ist auch in kauernder Haltung 
trotz der durch das Knieen selbst veranlassten stärkeren Bedeckung 
des Rumpfes der Nacktheit gegenüberdie Entblössung deutlich in 
derselben Weise gekennzeichnet. (Fig. 8 und 9.) 
Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass sich für unser euro- 
päisches Empfinden mit der Entblössung unter gewissen Umständen
        

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