Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wirtschaft und Kunst
Person:
Waentig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2630522
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2634087
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Auge wahrnehmbar ist, wie die an einem Musikstück nur 
dem inneren Ohr"1). 
Sein "Repertoire" (Fromentin), seine "Klaviatur" (Whistler), 
sein "Alphabet" (Stauffer-Bern) ist dem Künsler die Natur; 
nichts weiter. Darum kommt es, wie Goethe gesagt, auch 
nicht darauf an, was für Gegenstände der Künstler bearbeitet, 
sondern vielmehr, in welchen Gegenständen er nach seiner 
Natur das innere Leben erkennt und welche er wieder nach 
allen Wirkungen ihres Lebens hinstellen kann. "Sieht er 
durch die äußere Schale ihr innerstes Wesen, rühren sie seine 
Seele auf den Grad, daß er in dem Glanze der Begeisterung 
ihre Gestalten verklärt sieht, hat er Übung des Pinsels und 
Mechanisches der Farben genug, um sie auch so hinzustellen, 
so ist er ein großer Künstler. Der Gegenstand sei, welcher 
er wolle, durch diese Kraft entzücken uns die geringsten. 
Ein Blumengefäß, ein gesottener Hummer, ein silberner Kelch, 
ein Felsstück, eine Ruine, eine Hütte bleiben durch Jahr- 
hunderte der Abgott so vieler Liebhaber." Denn „in der Kunst 
ist die Persönlichkeit alles"), 
Et devant Part infini, 
Dont jamais la loi ne change, 
Le nielle de Cellini 
Vaut le bloc de Michel-Ange. 
S0 ist die Kunst eine Lebenstätigkeit von besonderer 
Art, die sich jenseits alles zweckhaften Handelns abspielt. Die 
Freiheit ist ihr Element auch da, wo sie auf den ersten Blick 
gebunden erscheint. Denn die technische Manipulation, durch 
welche das Kunstwerk entsteht, wird zur Notwendigkeit 
I) Delacroix, Mein Tagebuch, p. 129. Van Gogh, Briefe, p. 171". 
Lieb ermann, Die Phantasie in der Malerei, p. 373. Vgl. auch die zerstreuten 
Bemerkungen in Max Liebermann, Degas, Berlin 1899, und Jozef Israels, 
Berlin 1901. 
z) Das gilt für die Kunst überhaupt, gleichgiltig, ob der einzelne Künstler 
bei seinem individuellen Sdxafien das Fühlen aller, oder vieler anderen, oder, wie 
in Zeiten höchster Differenzierung, nur seiner selbst zum Ausdruck bringt.
        

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