Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wirtschaft und Kunst
Person:
Waentig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2630522
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2632962
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Selbständiges, ja, es sei eine Gesamtwirkung erzielt worden, 
wie sie die Ausstellungsbauten von Paris, London und Wien 
auch nicht entfernt erreicht. Noch viel wichtiger als diese 
Palastbauten aber seien die Produkte der bürgerlichen Bau- 
kunst, besonders die Landhäuser. Gewiß treffe man mancherlei 
Absurdes, aber die ungeheure Masse der bewohnten Holz- 
häuser zeige eine gesunde, ansprechende Einfachheit, eine 
aus der Zimmermannstechnik erwachsene und doch male- 
rische Konstruktion, mit vorspringenden Dächern, Erkern und 
geteilten Geschossen, die einen leicht gestaltbaren, aus dem 
Bedürfnis erwachsenen Grundriß verraten. Und eine ähn- 
liche Erscheinung lasse sich bei den städtischen Wohnhäusern 
beobachten. Hier sei zwar infolge der fabrikmäßigen Her- 
stellung vieler Bauelemente der ornamentale Innenbau nach 
der plastischen und selbst nach der architektonischen Seite 
hin wenig entwickelt, dagegen der Schmuck der Farbe um so 
vollständiger ausgebildet, wobei das Schwergewicht nicht auf 
gemalten Ornamenten, sondern auf der gesamten Farben- 
stimmung liege, die lediglich durch die Vereinigung ein- 
zelner Töne in ruhigen Flächen erzielt werde. Man kom- 
poniere unter japanischem Einfluß ein Zimmer aus der Farbe 
heraus, wobei Wände, Holzwerk, Teppiche, Möbelstoffe in 
Rechnung gestellt würden, und bei dem Vorwiegen der Farbe 
der eigentliche Luxus in dem verwandten Material bestehe. 
So komme es, daß selbst da, wo die innere Ausstattung des 
amerikanischen Hauses durch eine buntscheckige Zusammen- 
stellung europäischer Kunstprodukte ergänzt werde, das Ganze 
doch als etwas Besonderes, und zwar eigenartig Amerikanisches 
empfunden werde. 
Wenn nun Lessing trotzdem ein spezifisch amerika- 
nisches Kunstgewerbe im strengen Sinne des Wortes erst 
in seinen Anfängen anerkennen wollte, so gingen andere 
weit darüber hinaus. Mit großen Erwartungen habe er seine 
Reise angetreten, berichtet Bode. Doch seien diese durch die 
Ausstellung, und was er sonst in den Vereinigten Staaten an
        

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