Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundgesetze für den kunstgewerblichen Entwurf in Edelmetall
Person:
Segmiller, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2613668
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2614701
62 
teten dieselben nicht nur in der Plastik sondern auch 
in der Architektur. So verhält sich die Höhe des 
Panthenon zu Athen zur Länge des Architravs (Quer- 
balken) nahezu wie der kleinere Teil einer im goldenen 
Schnitt geteilten Linie zum größeren Teil. Ähnliche 
Proportionen zeigt der Titusbogen. Aus der Zeit der 
Renaissance sei auf die Breiten der Türen und Fenster 
zu ihrer Höhe verwiesen. 
Für das Ornament gelten die gleichen Gesetze. 
Durch unsymmetrische Anordnung, die gut proportioniert 
und rhythmisch ist, läßt sich jedoch ebenfalls eine 
schöne Wirkung erzielen. Die Gotik übte diese Art 
der Verteilung häufig. Für den ornamentalen Aufbau 
kommen aber noch andere Gesichtspunkte in Betracht. 
Die Seele des Ornaments ist die den Raum auf- 
teilende Bewegungslinie, welcher sich die Motive 
unterordnen. Sie geht durch das Blatt und dessen 
Teile, durch die Ranke, durch die Tierform, durch die 
menschliche Figur. In den meisten historischen Stilen 
lassen sich solche Bewegungslinien als Merkmal fest- 
stellen. Für unseren neudeutschen Stil kann dies nur 
insofern geschehen, als jedes Ornament einen gewissen 
Fluß oder Rhythmus besitzen soll. Die Bewegungs- 
linie deckt sich demnach vielleicht mit dem logischen 
Aufbau, den wir der Natur entnehmen. Die Fläche 
kann natürlich auch durch mehrere Bewegungslinien 
aufgeteilt werden, die sich ergänzen oder gegenseitig 
in der Wirkung heben. lst das durch diese Linien 
entstandene Gerippe falsch oder unschön, so kann da- 
durch nicht nur das Ornament selbst sondern der 
ganze Entwurf verdorben sein.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.