Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte der unedlen Metalle
Person:
Lüer, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2586179
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2592740
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16. J nhrhunderf. 
In welchem Maße die Zinngießer jener Zeit auch zugleich an der 
Herstellung der Gußformen beteiligt waren, ist bisher nur ungenügend 
aufgeklärt. Sicherlich wurden gleiche Gußformen vielfach in verschiedenen 
Gießereien benutzt. 
Mannigfaltiger wird im 16. Jahrhundert auch die Herstellung größerer 
Werke in Blei- oder Zinnguß. 
Ein Taufkessel in der Trinitatiskirche in Prag wurde im Jahre 1502 
von Meister Wenzel gegossen (Lotz, Topogiz}. 
In Lwitnzrrritz befinden sich (nach Lübke) zwei „vorzüglich schön 
ornamentierte" Taufbecken aus dem Jahre 1521. Meister Stephan 
Lichtenhahn goß im Jahre 1563 den bemalten Zinntaufkessel der 
Nikolaikirche zu Berlin (Lotz, Topogiz). Vom Jahre 1567 endlich ist 
ein Taufkessel in der Bartholomäuskirche in Zvrbst erhalten. 
Ein besonders anmutiges Werk ist der ganz aus Blei gegossene, etwa 
2 m hohe Brunnen hinter der Kirche in St. Wolfgang (von dem Sighart 
und Lotz angeben, daß er in Bronze gegossen sei). Inmitten eines 
flachen, von kräftiger Mittelstütze getragenen Beckens steht auf zierlich 
ausgestalteter Säule die Gestalt St. Wolfgangs. Ueber die Entstehung 
geben die reizvollen Inschriften Genaueres an: „G0t hab uns all in seiner 
Acht, maister lienhard hat mich gemacht. Dorch maister lienhard 
rannmacher, stat prunnenmaister czu passau", und weiter: „Ich pin zu 
den eren sankt Wolfgang gemacht abt Wolfgang Haberl zu rnansee hat 
mich petracht zu nucz und zu framen den armen pilgrumb dye nit haben 
gelt umb Wein dye sollen pey dissen Wasser frehlich sein. Anno den 
1515 jar ist das Werk volpracht gott sey gelobt." (Mitteil. d. k. k. 
Zentn-Komm. 1869, S. LXX, mit 3  
Ueber einige nicht erhaltene größere deutsche Bleigußwerke geben 
schriftliche Nachrichten kurze Auskunft.  
Hans von Schweinichen berichtete um die Mitte des Jahrhunderts 
von Figuren der Tugenden und Laster, von Kronleuchtern u. a. m., die 
im Harze in Blei gegossen seien (Beck, Gesch. d. Eisens Bd. II, S. 782"). 
.,Vier zinnerne Weiblein" Wurden für die Badestube des Landgrafen 
Wilhelm IV. in der Aue zu Kassel von Kasseler Goldarbeitern ausgeführt 
(Drach, Bayr. Gew.-Ztng. 1888, S. 297:). 
Im Hofgarten zu Ilfülzzclzrßn sollen sich (nach Ree, Peter Candid, S. 15) 
im 16. Jahrhundert die in Blei gegossenen Figuren der neun Musen be- 
funden haben. 
Auch in jüngerer Zeit sehr häufig gefertigte Zinn- oder Bleisärge 
sind aus dem 16. Jahrhundert erhalten, z. B. in Krakau. 
Im Verlaufe des 17. Jahrhunderts verlor die Zinngerätgießerei immer 
mehr an künstlerischer Bedeutung, der Geschmack der Wohlhabenden 
wandte sich mehr und mehr dem weiß glasierten und buntfarbig bemalten
        

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