Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Guter und schlechter Geschmack im Kunstgewerbe
Person:
Pazaurek, Gustav Edmund
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2574985
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2575572
Wegen, weil dieser Menschenschädel just derjenige von Rosamundens Vater gewesen 
war. Als Gegenstück dazu mag die Hirnschale von Donizetti (gest. 1848) erwahnt 
werden, die eine Zeitlang in Bergamo als Streusandbehälter diente. Aber auch 
weniger berühmten Menschenkindern wiederfährt es nach ihrem Tode nicht selten, 
daß man ihre Knochen dekorativ verwertbar findet, wie man in zahlreichen Schädel- 
kapellen oder Ossarienl), 
meist in der Nähe ehe-      
maliger Schlachtfelder, be-  i r l   
obachten kann. Beim Ein-        
gang in die Katakomben   WEIN 27:.    r 
von St. Ste han in Wien lj"  sie: i  13'   
dient zum p Beispiel ein     i.  
Totenkopf als Weihwasser-    - Q1    
kessel. Nicht überall hat   i.      
man sich aber mit diesem,  i, i. ("als 1,. i-   
im aälgepieinenhrxectht Vlildef-  f' 1.1.1,    
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viel Müheg gegeben wie in      
der Allerheiligengruftkirche   I   Qrv 
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des bohmrschen Stadtchens     i - e 
Sedletz, wo man daraus  .      
Pilonen, Wappen, Lambre-  "A       .1 
quins, Kronleuchter u. dgl.  I," i, zu    e; Ä 
(Abb. 7) zusammenstellte     '11,   I, 
also etwas Ähnliches wie bei  "Iff   "X  "i" " s 
den Apachen und Uteindi-  '    1 f,  eile  h 
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Fingerglieder, an einem  j: 1    "g? 
perlengesclimückten Bande  Ä Ü    j  er"  
aus Menschenhaut be- I:  Q"   ' N  
festigt, als Halsbänder       11,; ä 
tragen. Wenn die Tibetaner    f"    
Menschenhaut zum Über-   
spannen VOn Tamburinen Abb. 7. Menschenknochen-Dekoration 
verwenden, so stehen sie Seinem" Böhme" 
damit keineswegs vereinzelt 
da. In Europa ist dieser, im gegerbten Zustande von Kalbsleder schwer zu unter- 
scheidende Stoff auch schon recht häufig zur Verwendung gekommen, und zwar 
nicht nur in Riemenform, wie in dem heute noch in Upsala verwahrten Kunst- 
schrein, der dem König Gustav Adolf in Augsburg verehrt worden ist, sondern 
auch zur Buchausstattung. In der Göttinger Bibliothek befindet sich zum Beispiel 
ein in Menschenleder gebundener „Hippokrates", im Musee Carnevalet in Paris 
1) Wohl zu unterscheiden sind davon Totenschädel und Menschenknochen aus Marmor, 
wie sie bei der Begräbnisstätte der "Dominikanermönche von Neapel bereits vom alten Reiseschrift- 
sleller J. G. Keyßler (1730) als ein Kuriosum verzeichnet werden, aber nicht hierher unler die 
M a t e ri a l seltsamkeiten gehören. 
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