Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Guter und schlechter Geschmack im Kunstgewerbe
Person:
Pazaurek, Gustav Edmund
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2574985
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2575331
schön gefunden, die ihn an die Landesfarben oder an seine früheren (mitunter 
ganz unmöglichen) Couleurfarben oder an die Haar- oder Kleiderfarbe einer 
geliebten Person erinnerte. 
Daß "geschmackvoll" und äußerlich "vornehm" oder „nobel" 
nicht dasselbe sind, darüber braucht wohl kein Wort verloren zu werden, obwohl 
ein nicht unbekannter Schriftsteller den guten Geschmack mit "Eleganz und 
Komfort" identifizieren will.  Wer kennt sie nicht, die blasierten Snobs und 
Banausen, die auch alle künstlerischen Angelegenheiten von oben herab gnädig 
mißachten zu können glauben, oder die reich gewordenen Parvenüs, die sich die 
abgeguckten dekorativen Äußerlichkeiten einen mächtigen Batzen Geld kosten 
lassen und doch geradezu Musterbeispiele für personifizierte Geschmacklosigkeiten 
bleiben, da sie das innerliche Verhältnis zur Kunst nicht finden! 
Bis zu einem gewissen Grade sind allerdings die Geschmacksfragen auch 
Geldfragen. Es ist gewiß, daß viele Menschen auf dem Standpunkt des 
Apothekers in Goethes „Hermann und Dorothea" stehen, der die Aussprüche 
macht: 
"Gerne geb' ich es zu, Herr Nachbar, und sehe mich immer 
Selbst nach dem Besseren um, wofern es nicht teuer, doch neu ist;   
Nur zu sehr ist der Bürger beschränkt; das Gute vermag er 
Nicht zu erlangen, wenn er es kennt. Zu schwach ist sein Beutel." 
Aber vielfach handelt es sich nur um eine Ausrede. Es gibt auf allen kunst- 
gewerblichen Gebieten viel, das geschmackvoll und doch nicht teuer, und noch 
viel mehr Dinge, die sehr teuer und doch nichts weniger als geschmackvoll sind, 
aber trotzdem aus repräsentativen Gründen gekauft werden, weil sie mit ihren 
reicheren, augenfälligeren Effekten die schlichte Schönheit in den Schatten stellen. 
"Reich" und „geschmackvoll" sind eben nicht gleichbedeutend. 
Aber auch „m o dern" und „geschmackvoll" sind nichts weniger als identische 
Begriffe, obgleich männliche und weibliche Gigerl in ihrem bescheidenen Hori- 
zont vom Gegenteil überzeugt sind. Nach Jehring ist die Mode ja nichts anderes 
als das Bestreben, es den begüterten Klassen gleichzutun, also wahllos Gutes 
und Schlechtes zu übernehmen, wenn es nur von dieser Seite kommt. Die 
Begüterten suchen aber, um neue Grenzwälle aufzuwerfen, Neues, was die große 
Masse noch nicht besitzt. Soferne ein gutes Neues ein schlechtes Altes ver- 
drängt, ist es uns selbstredend willkommen; aber die „Nouveaute" an sich, 
eine charakteristische Erscheinung unserer fabelhaft rasch produzierenden indu- 
striellen Zeit, ist in der Regel viel zu hastig auf den Markt geworfen worden, 
um eine ernstere Prüfung vertragen zu können. Man hat offenbar Lichtwark 
inißverstanden, der allerdings sagt, „daß nur das ganz gut sein kann, was ganz 
neu ist", aber damit gewiß nicht das Umgekehrte behaupten will, daß alles ganz 
Neue schon darum ganz gut sein müsse. Der heute übliche Massenmustermord  
die ungezählten Motivhekatomben, die alltäglich dem Moloch Konkurrenz hin- 
geschlachtet werden, müßten jeden Einsichtsvollen vor Dingen, die nichts anderes 
sind als „modern", entschieden warnen. „Die Mode"  sagt Peter Altenberg  
„ist das ästhetische Verbrechen an und für sich. Sie will nicht das Endgültige, 
Gute, Schöne, Zweckmäßige, sie will ,immer etwas anderesä" Wenn derselbe 
"Leipziger Messe" 
der 
meinen Aufsatz in 
III (Leipzig 1999)-
        

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