Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Fürstenthum Reuss Jüngerer Linie: Verwaltungsbezirk Gera
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2555696
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2558051
UNTERMHAUS. 
Gern. 
Aussenseite des hinteren Thorthurmes angebrachte Inschrift zieht in die Zeit- 
bestimmung den Bauernaufruhr hinein, so den starken Eindruck wiedergebend, den 
derselbe hier hervorrief. Eine neuere, sorgfältige Untersuchung des Herrn Dr. 
Schmidt ergab, dass die (öfter falsch angeführte) Inschrift später von unkundiger 
Hand übermalt ist. Der von Schmidt genommene Abklatsch gab deutlich folgende 
Lesung des Reliefs: 1.5  zößas negft im: nadpm bavrnfrig. (Auf diese Weise ver- 
schwindet das ungewöhnliche, oberdeutsche: paurn, welches bisher gelesen ward.) 
[Dem südöstlichen entsprach ein nordöstlicher Vertheidigungs-Thurm, sichtbar auf 
alten Bildern und, später abgetragen, erkennbar in der rund heraustretenden Terrasse 
bei der Schlosswache. Bei diesem befand sich ein Zwinger, der bis in neuere 
Zeiten hin wenigstens als Hundezwinger benutzt wurde. Die Befestigungen der 
Westseite mögen entsprechend gewesen sein. Zu Ende des 15. und in der 1. Hälfte 
des 16. Jahrhunderts entstanden, wie es scheint, das zweigeschossige, nicht umfang- 
reiche Wohngebäude, südlich und östlich vom Hauptthurm, in Zusammenhang mit 
dem vorher erwähnten, äusseren Eckthurm. In den folgenden Zeiten der Unruhe 
und des doppelten Wechsels des regierenden Hauses wurde, wie es scheint, die 
Burg vernachlässigt, nur für die Vertheidigungszwecke unter den Burggrafen Hein- 
rich IV. und V. 1551 und 1555 Mancherlei reparirt. Als 1563 die jüngere Linie 
der Reussen von Plauen die Herrschaft Gera erhielt und sich über den Zustand 
ihrer Schlösser etc. berichten liess, wurden das hiesige mit besonderer Rücksicht 
auf das Wohnen in der hinteren Bastei begutachtet und bedeutende Kosten für 
Instandsetzung, bezw. für nöthige Beseitigung eingefallener oder gefahrdrohender 
Befestigungs-Mauern veranschlagt. Heinrich Reuss der Jüngere (Gründer der jün- 
geren Linie) bezog aber lieber 1566 das Stadtschloss. Als er 1572 starb, begann, 
noch während der Minderjährigkeit seines Sohnes Posthumus, der Vormund Hein- 
rich der Mittlere von Obergreiz 1578 ein den bisherigen Südbau nach Norden fort- 
setzendes Gebäude [dasjenige, welches bis in unser Jahrhundert den nördlichen 
Theil des Ostflügels vom Südbau bildete, also etwa vom Hauptthurm bis zum 
2. Zimmer des vorspringenden Theiles der heutigen Ostfront reichte; es war 
jedoch nur eingeschossig ausgeführt]. "Seit dieser Zeit tritt der Name: Osterstein 
in Druckwerken auf (nach B. Schmidt zuerst in des Albinus Meissnischer Berg- 
chronik 1581; in Urkunden erst seit 1647). Als Posthumus zur selbständigen 
Regierung gekommen war, entwickelte er eine sehr rege und bedeutende Bauthätig- 
keit. Er verlegte den Schwerpunkt des Wohnschlosses nach Norden, indem er den 
Nordbau gründete und einen Anschluss an die Kapelle gewann. Wenn wir einigen, 
allerdings nicht mit Anspruch auf vollständige Genauigkeit gemalten Hintergrunds- 
Ansichten auf Bildnissen des 17. Jahrhunderts trauen dürfen (s.  so baute 
Posthumus nur die östliche Hälfte des N ordtlügels bis zum jetzigen vorspringenden 
Mittelbau, so dass dieser (mit Thor und Brücke davor) den Schluss der herrschaft- 
lichen Gebäude bildete. [Nach Norden erhielt dieser Bau vier im Stil des Früh- 
barock doppelt geschweifte Giebel, nach Osten zwei solcher, und überragte mit 
seinen drei Geschossen den älteren Südost-Bau. Nach Rechnungen im fürstlichen 
Hausarchiv (Mittheil. v. Dr. Schmidt) baute Posthumus auch den Erker am Nord- 
flügel. Die Kapelle wurde 1595 durch den Baumeister Gurt Steiner aus Naum- 
burg reparirt und ausgeschmückt, erhielt vielleicht damals das 1846 wieder einge- 
stürzte Gewölbe; ferner wurde durch denselben die "Hofstube" (wohl der Ahnen-
        

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