Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Coburg und Gotha: Landrathsamt Coburg
Person:
Lehfeldt, Paul Voss, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2538457
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2546532
Geschichte 
Veste. 
Veste 
Coburg. 
Empirestils schätzen gelernt. In die Heimath zurückgekehrt, liess er in der 
Ehrenburg zu Coburg einzelne Zimmer nach dem Vorbilde pompeianischer Wand- 
decorationen ausstatten. Davon zeugen noch heute die schönen, wohl erhaltenen 
Holz-Zimmer der Ehrenburg. Ausserdem liess der Herzog in der Stadt den 
grössten Theil der schönen Mahagonimöbel mit vergoldeten Bronzebeschlägen aus- 
führen, welche noch heute einen der werthvollsten Bestandtheile des reichen 
Kunstbesitzes der Ehrenburg bilden. Diese Holz- und Bronze-Arbeiten gehören zu 
den reizvollsten Schöpfungen, welche das Kunstgewerbe in jener Zeit auf deutschem 
Boden geschaffen hat. 
Nach Beendigung der Freiheitskriege vollzog sich in den künstlerischen An- 
schauungen des Herzogs ein Umschwung. Das starke Nationalgefühl, welches in 
ganz Deutschland lebhaft erwacht war, hatte die Aufmerksamkeit aller auf die 
Denkmäler aus der grossen Vergangenheit Deutschlands gelenkt. Die Schöpfungen 
aus den Glanzzeiten der Dichtung des deutschen Mittelalters wurden hervorgesucht 
und in die Sprache der Gegenwart übertragen. Die bisher missachteten Gemälde 
der altdeutschen Meister wurden gesammelt. Auf den Burgen des Mittelalters 
sangen die Dichter der romantischen Schule von dem Glanze der deutschen Ritter- 
zeit. Am Rhein, wo die gefeierten Ritterburgen sich in den Wellen des Stromes 
widerspiegeln, begann man damit, einzelne Burgen zu restauriren, um darin von 
Neuem zu wohnen, Schloss Stolzenfels bei Coblenz seit dem Jahre 1823, Schloss 
Rheinstein seit dem Jahre 1825. Die thatsächliche Kenntniss der besten Werke 
der Baukunst des Mittelalters war gering, desto grösser der Enthusiasmus. Die 
allgemeine Begeisterung war mehr durch die Dichter entfacht als durch genauere 
Kenntniss der Architektur der alten Meister. Daher übersah man die Schwächen 
dieser neuen Restaurirungen. Selbst Künstler von der Bedeutung eines Schinkel 
waren nicht im Stande, Besseres zu schaffen. Von dieser romantischen Strömung 
hingerissen, liess Herzog Ernst I. seit dem Jahre 1816 das Aeussere der Ehren- 
burg grösstentheils im gothischen Stil umbauen.  
Die Restaurirung der Veste wurde erst zwei Jahrzehnte später, im Jahre 1838, 
begonnen. Doch schon bei der Belagerung von Mainz im Jahre 1814 hatte Herzog 
Ernst eine Anzahl erbeuteter Geschütze auf die Veste bringen lassen: 2 französische 
und 4 alte knrsachsische Kanonen, die sich noch jetzt auf der Veste befinden. 
Wall und Graben der Veste wurden von 1827 bis 1838 eingeebnet und in Prome- 
nadenwege verwandeltf). Im Jahre 1834 liess der Herzog angeblich die steinerne 
Kanzel, welche bis dahin unten in der Stadt am ausseren Steinthor gestanden hatte, 
beim Einreissen dieses Thores sorgsam auf die Veste bringen. Dort soll die Kanzel 
später bei dem Ausbau der Contre-Escarpe verwendet worden sein. und zwar an 
dem oberen Ende der hohen Steintreppe, schräg gegenüber der Brücke. Doch jeden- 
falls sind bei der neuen Aufstellung Veränderungen im Aufbau der Kanzel vor- 
genommen. 
Den grossen Ausbau der Veste liess Herzog Ernst seit dem Jahre 1838 nach 
den Entwürfen des als Restaurator gothischer Kirchen und Burgen (Reinhards- 
 Schon 1815 hatte man an der Nordseite mit Einebnungsarbeiten begonnen, aber dieselben waren 
nicht bis zu einer wesentlichen Umgestaltung gediehen. Siehe den Aufsatz von Otto Appel, Aus der 
Geschichte des Coburger Hofgartens, Heimathblätter aus den Coburg-Gothaischen Landen, 1905, Heft III, 
S. 75-81.
        

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