Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Coburg und Gotha: Landrathsamt Coburg
Person:
Lehfeldt, Paul Voss, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2538457
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2544270
CoBURG, 
Privatgebäude. 
Coburg. 
giebel dieses Hauses entspricht noch ganz dem gothischen Stil. Die einfachen 
Holzdecken im Innern zeigen die schlichten Formen des 16. Jahrhunderts. 
Zwei gotliische Giebel befinden sich an der Hofapotheke in der Front der 
Steingasse.  
Ursprünglich hatte wohl in Coburg die Mehrzahl der Wohngebäude den Giebel 
nach der Strassenseite. Zwischen den einzelnen Häusern befand sich eine schmale, 
etwa mannsbreite Lücke. Dorthin tropfte das Regenwasser. Dort hinaus wurden 
auch die Aborte gelegt. Eine solche Abortanlage war noch bis vor kurzem am 
Rathhaus in der Ketschengasse erhalten. Derartige Lücken zwischen den Hiiusern 
finden sich noch in vielen Strassen, z. B. in der Ketschengasse zwischen den 
Häusern Nr. 32, 34, 30, 28, ferner zwischen Nr. 33, 35, 37. Ebenso in der Kuh- 
gasse, ferner an beiden Seiten des Karyatitleil-Hauses Spitalgasse Nr. 12, und an 
anderen Stellen der Stadt. 
Eins der ältesten Privatgebiiude der Stadt ist der Gasthof zum 
Adler in der Spitnlgnsse. Im Innern sind die Kreuzgewölbe 
halten. Das Aeussere ist später unlgebaut. 
S c h w a r z e n 
im Keller er- 
Renaissance. 
 Das am besten erhaltene Privatgebätitle unter den Renaissance-Häusern C-oburgs 
ist das Haus Herrengasse Nr. 17. Für wen das Haus erbaut ist, ist uns 
ebenso wenig überliefert wie der Name des Baumeisters. Auch die Embleme im 
Schlussstein der Hansthür und die beiden Wappen in der Wappentafel hoch über 
der Hansthür haben darüber bisher noch keinen Aufschluss gegeben. Man hat 
das Haus mit der ehemaligen nsteinernen Kemenate" verwechselt, welche Herzog 
Johann Kasilnir von einem coburger Bürger angekauft und als Trinkstube für 
seine Beamten eingerichtet hat. Doch diese Kemenate ist das gegenüberliegende 
Haus Herrengasse Nr. 4. Die Architektur hat grosse Verwandtschaft mit der 
alten Front der Ehrenburg in der Steingasse. (Siehe die nebenstehende Abbil- 
dungstztfel.) 
Wie an der Ehrenburg sind die hart neben einander liegenden Zwillingsfenster 
durch eine gemeinsame Bekrönung von zwei wagrecht liegenden Voluten zu einem 
einheitlichen künstlerischen Ganzen zusammengefasst. Innerhalb einer jeden dieser 
Volute ist genau dasselbe Blattornament wie an den Voluten der Ehrenburg in den 
Stein gemeisselt. Auch das reiche Gesims mit den beiden zierlichen Consolen, welches 
die Hansthür bekrönt, hat ähnliche Formen wie die Bekrönung der Fussgänger- 
Pforte des Portals der Ehrenburg. Es liegt daher nahe, bei beiden Bauwerken an 
denselben Architekten zu denken, also an den Meister Paulus aus Nürnberg, 
welcher die ersten Entwürfe der Ehrenburg gemacht haben soll. Das Haus der 
Herrengasse ist im Jahre 1591 erbaut. Denn die Zahl 1.91 im Fries des Portals 
muss trotz der heute zerstörten zweiten Ziffer als 1591 gedeutet werden. Auch 
die Bekrönung des kleinen Portals der Ehrenburg mag ungefähr in derselben 
Zeit entstanden sein. Doch der Hauptbau der Ehrenburg ist um 1545 entstanden. 
Das bedeutet einen Zeitunterschied von 46 Jahren. Wenn das Haus in der 
Herrengasse in der That von dem Architekten der Ehrenburg erbaut ist, so 
müsste die Ehrenburg ein Jugendwerk des Meisters, das Haus in der Herren- 
gasse aber ein Werk des hohen Alters sein. Dies ist wohl möglich.
        

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