Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Coburg und Gotha: Landrathsamtsbezirk Ohrdruf
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2535539
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2536897
OHRDRUF, 
Michaßliskirche. 
Ührdruf. 
die (verhältnissmässig phantasielese) Ausbildung des Inneren nicht der Durch- 
führung dieses Grundgedankens. Die Emporen ruhen in drei Geschossen, das 
1. Geschoss auf dorischen, das 2. und 3. auf durchgehenden korinthischen Säulen. 
Sie gehen rechts und links von der Altarnische aus, zunächst in einem Stück 
Kreisbogen ausgebegen, hier durch drei Bogenöffnungen auf dorischen Pilastern 
untertheilt, dann an der Nord- und Süd-Seite im Kreisbogen eingebegen an- 
nähernd cencentrisch den Aussenmauern, schliesslich an der Westseite im 1. und 
2. Geschoss gerade, doch in der Mitte in iiachem Bogen nochmals verspringend, 
im 3. Geschoss hinter der Orgel verschwindend. So entsteht in den Emporen 
ein gegen die Aussenmauern vereinfachter, vorzugsweise aus Rundungen ge- 
bildeter Linienzug. Die Westseite enthält ausser den Emporen noch im Erd- 
geschoss, wie in Höhe der 1. Empore vergebaute Stände mit Oeffnungen in Rund- 
begen-Stellungen auf dorischen Pilastern und mit Zahnschnitt-Gebälken; eben- 
solche sind unter den gerundet vertretenden Emporen bei der Altarnische, einfachere 
zu den Seiten des Kanzelbaues angebracht. Die Decke ist als Spiegel der Form: 
mit Wölbtlächen (Voluten) nach allen Seiten entworfen. Alles, Wände, 
G Stände, Emporen und Decke, ist weiss gehalten. [Ein "trefflich" gemaltes 
Deckenstück, von Henning in Ohrdruf ausgeführt, 1781 vorhanden gewesen] 
Ebenso, nur mit sparsamer Vergoldung dazu, der hohe Kanzelbau an der Ost- 
seite. Er ist im Grundriss noch gesehweift, im Aufbau im strengen Neuclassicismus 
vom Anfang unseres Jahrhunderts entwickelt. Er springt in den Kirchenraum 
vor, und zwar sind die Seitenfiächen stark ausgebogen, die Verderfläche flach ein- 
gebogen; an den vorderen Ecken sind ionische, canellirte Pilasterpaare der Eck- 
bildung wegen divergirend so angeordnet, dass das innere Paar seine Vorderfläche 
geradeaus, das äussere Paar die Vorderiiäche schräg gerichtet hat. Vor diese 
Wand sind vier ionische Säulen frei vorgestellt. Darüber folgt Zahnschnitt-Gebälk 
mit darauf gestellten Vasen und als Seiten-Abschluss Balustraden-Brüstung, in der 
Mitte auf einer glockenförmigen Console die im Grundriss rund vertretende, im 
Aufriss: y-förmig geschweifte Kanzel. Ihr oberer Eingang ist ein Flachbogen 
zwischen kerinthischen Pilastern und höheren Eckpilastern, vor deren Gebälk 
der Schalldeckel rund vorspringt, während auf dem Gebälk an den Ecken Urnen 
stehen, als Mittel-Bekrönung das Dreifaltigkeits-Dreieck in der Strahlensonne.  
Im Aeusseren wirkt die Kirche ganz gressartig und gediegen. Dazu trägt die 
Eckquatlerung mit zum Theil tiefen Fugen bei; diejenigen Eckstreifen, welche 
die geraden Seiten der vertretenden Mittelbauten (Risalite) einfassen, sind durch 
korinthische Capitelle als Pilaster charakterisirt. Seckelgesims und ein Zwischen- 
gesims unter den Hauptfenstern laufen in kräftiger Bildung rings herum. Durch 
diese straffe Vertikal- und Horizental-Theilung erhält der etwas charakterlos ge- 
brochene und gebogene Aufbau Einheitlichkeit und Energie. Zwischen den Gesimsen 
entsteht ein niedriges Erdgeschoss und ein oberes, dominirendes Geschoss (nach 
palladianischen, in Frankreich besonders bei Kirchen ausgebildeten Mustern).  
Fenster und Thüren sind üachbogig, mit vortretendem Schlussstein gestaltet. An 
den geraden und den gerundeten Seiten der vertretenden Mittelbauten, wie an den 
zurücktretenden Wänden der Nerd- und Süd-Seite haben jedesmal eine Fenster- 
bezw. Thür-Oeffnung, an den zurücktretenden Wänden der Ostseite, wie der 
Thurm-Nebenbauten je zwei solcher Oeffnungen Platz. Im Obergeschoss sind es
        

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