Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Coburg und Gotha: Landrathsamtsbezirk Ohrdruf
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2535539
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2536658
GEORGENTHAL. 
Ohrdmf. 
Theil wieder zerbrochen; ein mittlerer Sechspass wird von sechs Sechspässen und 
Kreis-Umrahmung umgeben; die zwischen den Sechspässen übrig bleibenden Figuren: 
Ü sind offen, die äusseren Sechspässe mit dem umrahmenden Kreis durch Stege 
verbunden. Das Querschnitt-Profil war wohl achteckig mit gekehlten Schräg- 
seiten, ist aber durch Ueberarbeitung mehr achteckig mit zwei im Rechteck vor- 
tretenden Parallelseiten geworden, wie auch die Umfassungs-Leibungen jetzt, mit 
einem Absatz glatt schräg laufend, nüchtern aussehen. An der Ostfront des Ge- 
bäudes haben die unteren und oberen kleinen Reckteck-Fenster zwar noch Kanten- 
Abschrägung der Einfassungen, welche aber schon ringsherum läuft, also die 
Restauration frühestens zur Schlusszeit des 17. Jahrhunderts verräth. Dagegen er- 
blicken wir unten in der Mitte eine einstige Spitzbogen-Thür des Mittelalters, freilich 
zugemauert bis auf ein Fenster. An der Südseite, wo die mittlere, rechteckige, 
zugemauerte Thür dem 18. Jahrhundert anzugehören scheint, ist links von ihr eine 
spitzbogige, ebenfalls zugemauerte und zum Theil in der Erde steckende Thür, 
oben eine grosse bis auf zwei über einander angebrachte Rechteck-Fenster ge- 
schlossene Spitzbogen-Oeffnung sichtbar. An der Westseite steckt unten nahe der 
Ost-Ecke ein grosser zugemauerter Rundbogen (romanischer oder Renaissance-Zeit?) 
halb, eine in der Mitte befindliche, zugemauerte Spitzbogen-Thür fast ganz im 
Boden. Dagegen haben oben drei rechteckige Fenster die Kanten-Abschrägung in 
der Weise des 16. Jahrhunderts (d. h. unter Vermeidung der unteren Einfassung 
und des unteren Theiles der Seiten-Einfassungen) bewahrt.  Das Innere ist in 
einige grosse, unscheinbare Räume mit Balkendecken getheilt.  Beck, S. 239.  
Brückner, S. 25.  Galletti, S. 246.  Stark, S. 304.  Storch, S. 43.  Trinius, 
S. 240. 
Kirche, früher von Ohrdruf aus besorgt, 1558 Tochterkirche von Gräfenhain, 
seit 1718 Pfarrkirche. Grundriss-Form:  Der Anbau an der Ostseite, 
der als Treppenhaus für die Orgel dient, ist ein schlechter Fachwerk-Bau 
aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Das in Stein aufgeführte, für Altar und 
Gemeinde dienende Kirchhaus ist 25 m lang, 9,7 III breit. Der Ursprungs-Bau, der 
vielleicht in einen östlichen Gemeinderaum und in einen westlichen Vorraum (die 
jetzige Scheidewand ist erst aus späterer Zeit, von Fachwerk) zerfiel, entstammt der 
Uebergangs-Zeit vom Anfang des 13. Jahrhunderts, wo rundbogige und spitzbogige 
Formen nebeneinander zur Anwendung kamen. Die Kirche ist dann öfter restaurirt 
worden, so im spätgothischen Stil um 1500. Besonders aber wurde sie unter 
Herzog Johann 1602 fast vollständig erneuert und zum beständigen Gottesdienst 
eingerichtet, dabei die Mauern (etwa3 m oberhalb des jetzigen Erdbodens) um ein 
beträchtliches Stück aufgehöht; man sieht aussen den Absatz (B aethcke  Später 
ist sie öfter, vorzugsweise durch Herzog Ernst II. gegen Ende des 18. Jahrhunderts 
wiederhergestellt worden. So enthält sie (zum Theil wieder zugesetzte) Fenster- und 
Thür-Oeffnungen der verschiedensten Baustile, ist dabei im Ganzen verhältnissmässig 
schlicht und im Innern freundlich.  Unterscheidet man die Fenster und Thüren 
im Einzelnen, so befindet sich an der Ostfront rechts und links vom Fachwerk-Bau 
je ein langes Rechteck-Fenster ohne Stil-Kennzeichen. An der Südfront ist die 
rechteckige, in den Einfassungen gekehlte Thür spätgothisch. Die rechteckige Thür 
an der Südseite nahe der West-Ecke, die zwei unregelmässigen, breit-rechteckigen
        

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