Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Coburg und Gotha: Landrathsamtsbezirk Ohrdruf
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2535539
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2538097
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LIEISENSTEIN, 
Burg 
Liebenstein. 
erweist, wie der Westbau; der ganze Südbau ist es wohl auch. An der Westwand 
ist eine frühere Oeifnung jetzt zum grössten Theil verschüttet. An der Nordwand 
führt die vorher genannte Spitzbogen-Thür vom Westbau herein, auf dieser Seite 
in den Kanten abgeschrägt. Links von dieser Thür tritt aus der Mauer, etwa 1 m 
über dem jetzigen Fussboden, ein (zylindrischer Stein, mit Zapfenloch unten ver- 
sehen, heraus, welcher also als Angel für die darin sich drehende Holzsäule eines 
Thorflügels gedient haben muss. Dieses Thor muss viel tiefer herab gegangen 
sein als der jetzt aufgeschüttete Erdboden; der Thorflügel kann ferner nur zu einem 
an der Nordseite oder an der Westseite des jetzigen Südbaues liegenden Thor 
gehört haben, und, da sich ersteres wegen der hier befindlichen Thurmmauer ver- 
bietet, ergiebt sich, dass dieses Thor sich zwischen der westlichen Fortsetzung der 
Thurm-Südmauer und dem kleinen, ihm zur Deckung dienenden Rundthurm gestanden 
hat. Demnach muss die jetzige, gegen die alte Thormauer etwas nach Westen 
verschobene Westmauer des Südbaues, also der ganze Südbau selbst erst errichtet 
worden sein, als dies Thor eingegangen war. Das verschwundene Thor hingegen 
ist seiner aus dem Angelstein bemessbaren Grösse und seiner Stellung nach als 
dasjenige anzusehen, welches den eigentlichen Eintritt in den Burghof vermittelte. 
Es muss aber auch das Erdreich in der Zeit der Burg-Anlage hier tiefer gewesen 
sein, also stieg der Weg vom Rundthurm an, d. h. hier von Westen nach Osten, 
bis er die Höhe des Burghofes erreichte. (Alle diese Schlussfolgerungen werden 
durch die Schutt-Anhäufung und schlechte Zugänglichkeit, durch Dunkelheit und 
andere Hindernisse erschwert, wie sie solch ein in verschiedenen Perioden her- 
gestellter, umgeänderter und dann wieder verfallener Bau mit sich bringt. Durch 
planmassig längere Untersuchung mit Aufräurnung und Grabung würden sich wohl 
noch genauere und interessante Ergebnisse gewinnen lassen.) Die Ostmauer des 
Südbaues ist demnach für die Zeit, wo das Thor noch bestand, fortzudenken, weil 
sie die Verbindung gestört hätte; sie ist auch in der That ohne Anschluss an 
die Mauern, zwischen denen sie liegt, nachträglich eingeschoben. Sie hat zwei 
Oeifnungen, südlich eine ohne Scheitelfuge hergestellte Spitzbogen-Thür mit Kanten- 
Abschrägung und daneben noch eine grosse Flachbogen-Thür. Die letztere ist 
wohl die bei der Anlage des Südbaues, die in das 17. Jahrhundert zu setzen sein 
dürfte, hergestellte, die erstere, wenigstens in ihrer jetzigen Form, Erzeugniss der 
Restauration von der 1. Hälfte unseres Jahrhunderts.  Das Obergeschoss des 
Südbaues, jetzt ohne Dach und Decke, mit Gras und Bäumen bewachsen, zeigt an 
der Nordseite neben der iiachbogigen Thür, welche es mit dem Westbau verbindet, 
noch eine Rundbogen-Blende, welche schon in die Thurm-Mauer fallend, vor der 
Errichtung des jetzigen Südbaues vorhanden gewesen sein dürfte (als Fenster?) 
An der Südwand entspricht ihr eine ebensolche Blende in der (ebenfalls älteren) 
Mauer zum Vorplatz, in welcher einst ein jetzt zerstörtes, grösseres Fenster war; 
weiterhin zu den Seiten des rund einspringenden Thurmes ist die Mauer, wie der 
Thurm selbst verschwunden. An der Westwand befand sich wohl eine von einer 
Treppe im Thurm aus vermittelte Eingangs-Thür in dies Geschoss. Die Ostwand 
hatte eine grosse Flachbogen-Oelfnung. 
So enthält die Ruine eine Reihe bemerkenswerther Einzelheiten. Im Ganzen 
stellt sie sich nur von bestimmten Punkten aus interessant dar, bietet aber zumal 
im Innern der Höfe und Räume so manche malerische und romantische Blicke,
        

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