Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Meiningen: Kreis Saalfeld
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2516591
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2518606
SAALFELD. 
Saalfeld. 
1435 das Recht zur Einverleibung des benachbarten Dorfes Niederköditz (s. Wüsten- 
köditz), 1448 das Münzrecht (Sohultes II, Urk-B. S. 82), 1450 eine neue Gerichts- 
ordnung, 1459 durch Kauf das Zoll- und Geleits-Regal, 1468 die niedere Gerichts- 
barkeit im Rath- und Kauf-Haus und den zugehörigen Verkaufsstellen (Schultes II, 
Urk.-B. S. 91), 1482 im ganzen Weichbild die niedere und obere Gerichtsbarkeit (zuerst 
pachtweise, 1621 endgültig, s. Schultes II, Urk-B. 8.97.1119), 1493 eine neue Gemeinde- 
ordnung. Das wankend gewordene kirchliche Leben fand 1445 neue Stütze durch die 
Gründung der Frohnleichnams-Brüderschaft an der J ohanniskirche, deren auszeichnende 
Vorrechte auch vornehme Mitglieder heranzogen, und in grossartiger Weise wurde 
seit der Mitte des 15. Jahrhunderts der Bau jener Kirche, mit Ausnahme des West- 
thurms, zu Ende geführt. Für erhöhte Sicherheit sorgte die zeitgemässe Umgestaltung 
der Stadtbefestigung. Als Wilhelm der Tapfere 1482 gestorben war, wählte seine 
Wittwe Katharina, geb. von Brandenstein, Saalfeld zum Wittwensitz  sie wohnte 
im oberen Amthof  freilich ohne besondere Achtung zu geniessen, trotzdem sie die 
Kirchen mit Ornaten etc. beschenkte. 1422 hören wir, dass die saalfelder Juden den 
Grafen von Orlamünde ganz bedeutende Geldsummen borgten. (1420 bezw. 1427 
erlangte der erfurter Bürger Hans von Saalfeld Lehns-Besitz in Werningsleben.  
Brückner, Henneberg. Urk.-B. VI, S. 95 u. 197.)  Gegen Ende des 15. und Anfang des 
16. Jahrhunderts hören wir, dass der Stadtrath auHallend oft bei Glockentaufen 
benachbarter, kleinerer, gelegentlich aber auch grösserer Orte zu Gevatter gebeten 
wurde, ein sicheres Zeichen seines weit verbreiteten Ansehens, wie auch seiner Wohl- 
habenheit, da nach damaligem Brauch diese Ehre mit der Gabe eines stattlichen 
Pathengeschenkes verbunden war. 
Wie die Stadt, erreichte im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts die Benedictiner- 
abtei ihre höchste Macht, bethätigt durch rege Thätigkeit auf allen Gebieten. Es 
ist wohl nicht Zufall, dass seit der Zeit des 1460 erwählten, kunstsinnigen Abts Georg 
von Geylsdorf in Saalfeld eine hochbedeutende Bildschnitzerschule (bezw. Altar-Werk- 
statt) erblühte, welche Bestellungen für das reiche Kloster, wie für Hunderte geist- 
licher Stiftungen des ganzen Orla-Landes und weiterhin ausführte. Unter Balthasar 
von Stein wurde 1486 die Abteikirche prächtig erneuert. Vor allem Georg von 
Thüna (Thun), seit 1496 Abt, 1497 zum Fürst-Abt erhoben, baute viel am Kloster 
selbst und in dessen Bezirk (so eine Wolfgang-Kapelle), doch auch an anderen 
Stellen, wie an der Franciscanerkirche (die Dreikönigskapelle), und begünstigte in 
Jeder Beziehung die Kunst. 
Dieses frische Leben dauerte im 16. Jahrhundert fort, sowohl in der Abtei, wie 
in der Stadt. Die Bauthätigkeit wurde durch einen grossen Brand, welcher 1517 
besonders im Norden, Osten und Süden der Stadt gewüthet und Zerstörungen am 
Rathhaus, Marienhospital, an der Stadtbefestigung und vielen Privathäusern ange- 
richtet hatte, um so stärker hervorgerufen. 1526 wurde das neue, stattliche Rathhaus 
begonnen, welches noch eine der Hauptzierden der Stadt ist, 1538 die erste städtische 
Apotheke eingerichtet. Bis heute gelten die Stadtrechte, welche man 1558 ausarbeitete. 
Die Reformation, welche durch die Berufung des ersten evangelischen Superintendenten 
Caspar Aquila 1527 öffentlich eingeführt wurde, war von keinen solchen, äusserlich 
erkennbaren Verheerungen begleitet, wie gewöhnlich angenommen wird. Insofern 
zwar änderte sich das Stadtbild, als 1525 die Benedictiner und 1533 die Franciscauer 
aus Saalfeld flüchteten und ihre Klöster andere Verwendung fanden. Der Staat
        

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