Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Meiningen: Kreis Sonneberg
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2515064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2515940
Sonneberg. 
OBERLIND. 
Hauptbau nebst der 5,8 m langen, 4 m breiten Sacristei wohl von 1455. Aussen 
steht im Schlussstein der Westthür: Qhmo büi mcccch, und ist das letzte Zeichen 
undeutlich bezw. der Stein dahinter abgebrochen; darunter: ANNO 1455. Der 
Schlussstein ist zwar erneuert, wie man am Einsetzen sieht, die untere Jahres- 
zahl ebenfalls in Schriftzügen unseres Jahrhunderts, aber glaubwürdig, die obere 
Minuskel-Inschrift sicher getreue Copie. Diese alte Kirche reichte der Höhe nach 
so weit, wie die gute Quadermauerung aussen sichtbar ist und im Langhaus das 
Gesims vom Profil: E läuft. Die Aufmauerung darüber, im Langhaus von Bruch- 
stein mit Putz (jetzt zum Theil mit Backsteinen ausgeilickt), im Thurmbau 
beschiefert, stammt wohl am Thurm von dem Reparaturbau von 1617," am Lang- 
haus von dem des Jahres 1697, von dem auch der Innenbau der Holztonne und 
der viergeschossigen Emporen (an deren untersten Pfosten der Südseite bei der 
Eingangs-Thür: 1697) herrührt. Der gothischen Bauzeit gehören noch das Kreuz- 
gewölbe im Chor an, ferner das spitzbogige Choir-Ostfenster, die Fensterschlitze im 
Thurmtheil darüber, darauf dessen Gesims und ein darauf folgendes, massives Geschoss 
mit gepaarten Spitzbogen-Fenstern, die Thür vom Chor nach der Sacristei, welche 
nur von der Sacristei aus die alte Form: F3 zeigt, in der Sacristei eine jetzt 
rundbogige Sacramentnische an der Westwand, der spitzbogig gemischte Becken- 
Ausguss (Piscina) an der Westwand. Das Sacristei-(Üiewölbe ist eine Tonne; doch 
zeigt ein Kehlrijupen-Anfang an der Südost-Ecke, dass in der (lothik hier Kreuz- 
gewölbe gewesen sein müssen. Der Triumphbogen vom Profil: k) ist spitzbogig, 
doch in jener schlanken Form, wie sie die Gothik in der 1. Hälfte unseres Jahrhunderts 
liebte, höher gehauen, wohl also bei dem Reparaturbau von 1823. Aus der 
gleichen Zeit wohl die gute Wiederherstellung der schon älteren, so: f profilirten, 
spitzbogigen Fenster, und zwar an der N ord- und Süd-Seite des Langhauses 
das jedesmal 2., von Osten gerechnet, welches das alte Aussengesims durchbricht (an 
dem der Südseite aussen rechts: ANNA HARRASS ANNO 1748, an dem der Nord- 
seite: ANNO 1749), mit neuerem Holz-Maasswerk (links von dem Nordfenster 
aussen die Spur der vermauerten, gothischen Schweifbogen-Thür), sowie die zwei 
an der Westseite links und rechts von der spitzbogigen Eingangs-Thür (an der 
linken aussen: I.Z.P. und: ANNO 1749); ferner die südlich nahe der Ost-Ecke 
in das Langhaus führende, schlanke Spitzbogen-Thür. Das rechteckige Fenster 
darüber zeigt durch seine (innen sichtbare) Flachkehl-Proiilirung den Restaurations- 
bau von 1748 an. Entsprechend an der Nordseite Emporenthür und darüber 
Fenster, beide rechteckig, ohne Bedeutung. Ebenfalls ohne künstlerischen Werth 
einige rechteckige Fenster an Chor, Sacristei, Langhaus-Westseite. Die rundbogige, 
profilirte Emporenthür an der Südseite nahe der West-Ecke ist aus dem 17. Jahr- 
hundert. Zwischen ihr und dem erwähnten Spitzbogen-Fenster tritt an der Lang- 
haus-Südseite ein aus Holz gezimmerter, beschieferter Treppenthurm in sieben 
Seiten des Achtecks vor, über dem Langhaus mit achteckiger Schweifkuppel, 
Arcaden-Aufsatz und Kuppel bekrönt. Er wirkt recht malerisch zusammen mit 
dem Aufbau des Hauptthurmes. Ueber dem bereits beschieferten obersten, von 
Rechteck-Fenstern erhellten Geschoss und Consolengesims erhebt sich der Achteck- 
Helm, am Fuss von vier achtseitigen, mit Helmen bedeckten Eckthürmchen (Acht- 
Orten) begleitet; eine der Gothik durchaus nachgebildete Gestaltung. (Bergau 
macht auf den fortificatorischen Charakter aufmerksam.) Weniger günstig wirken
        

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