Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Meiningen: Kreis Hildburghausen
Person:
Lehfeldt, Paul Voss, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2508208
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2514695
Rölllhild. 
Schloss. 
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Doch erscheint das Portal wie wieder zusammengesetzt, auch tritt, da es die Thurm- 
rundung nicht mitmacht, darüber der runde Thurmtheil in einer Ausschneidung: F5 
vor, die bei zwar gothischem Profil sich doch sehr gezwungen ausnimmt. Ja, das 
ganze Thurm-Erdgeschoss ist bis zu etwa 2 m Höhe ohne Verband mit der übrigen 
Frontmauer aufgemauert, also nachträglich, sei es im 16. Jahrhundert, sei es bei 
einer späteren Restauration. Ueber dem Portal und einem rautenförmigen, zwei- 
theiligen Fenster befindet sich eine umrahmte Tafel mit dem Wappen von Henne- 
berg und mit: [R91 an der unteren Einfassung. Das Wappen befand sich ur- 
sprünglich (nach Tentzel, Gedächtnissseule, S. 16) an der Front neben dem Thurm, 
wurde vor 1555 aufs Neue gebessert, wie es heisst, ist aber wieder ziemlich ver- 
stümmelt. Ueber dem Wappen befindet sich am Thurm ein Gesims, an der übrigen 
Front nicht. Die folgende, mit einem Rautenfenster versehene Abtheilung des 
Thurmes endet mit einem Gesims am Dach-Anfang des Gebäudes. Hier schliesst 
der Bau des 16. Jahrhunderts ab. Es folgt ein etwas zurückgesetztes, kurzes, 
schon über dem Gebäudedach vollrund werdendes Geschoss mit einem rechteckigen 
Fenster und mit grossen, kreisförmigen Schiessöffnungen des 17. Jahrhunderts. 
Ueber einem Gesims noch ein hoher Oberbau des 18. Jahrhunderts mit rechteckigen 
Fenstern in zwei Geschossen über einander, dann Abschlussgesims, achteckige 
Schweifkuppel, Arcaden-Aufsatz und Helm. So wird am Thurm eine immer grössere 
Höhe erstrebt, doch weder künstlerisch bedeutsame, noch fortificatorisch werthvolle, 
noch im Sinne allmählicher Entwickelung berechtigte Wirkung erreicht. Immerhin 
ist der Aufbau aber charakteristisch für die Geschmacksrichtung der letzten Jahr- 
hunderte. 
Im Uebrigen sind Hof- und Gartenfront des Hinterschlosses ungegliedert von 
Gesimsen etc. Auf der Gartenseite führt eine neuere, rechteckige Thür in das 
Erdgeschoss. Zahlreiche, zum Theil gepaarte Rechteck-Fenster sind im Erdgeschoss 
und in 2 Obergeschossen unregelmässig nach Bedarf angeordnet und ausgebildet, 
so dass sich an ihnen acht bis zehn verschiedene Profilirungen von der gekehlten 
Schräge und der Doppeltkehlung des 15. und 16. Jahrhunderts an über die Karnies- 
und Abstufungsproiile des 17. Jahrhunderts weg bis zur Schrägung zwischen Ab- 
stufungen im 18. und im 19. Jahrhundert, und zuletzt die Wiederanwendung 
gothischer Profile zeigen, ohne dass sich daraus eine systematische Baugeschichte 
entwickeln liesse. Die rechts und links an das Längsdach sich anschliessenden- 
und dasselbe überragenden Quergiebel (an der Gartenfront sind hier einige Consol- 
steine früherer Aborte sichtbar) sind mit hoher, sechsfacher Abstufung neuerdings 
sachgemäss, wenn auch schlicht restaurirt; durch sie erhält das Hinterschloss, von 
der Gartenseite her und aus der Ferne gesehen, den günstigsten Anschein. 
Im Innern soll das Hinterschloss unten (nach Tentzel) an einer starken 
Säule eine (von mir nicht gesehene) Jahreszahl: 1564 haben „von einer Zeit, wo das 
Schloss fast hundert Jahr gestanden, sich vielleicht gesenkt hatte". (Ueber die 
Stuckirung der oberen Zimmer s. unten.) [Dicht hinter dem Schloss lief ein Graben, 
so dass das Schloss also hierhin keinen Ausgang hatte] 
Im Mittelschloss und dem dasselbe mit dem Hinterschloss verbindenden 
Südflügel des 2. Hofes, dem sogen. Küchen geb äude, haben sich ebenfalls Theile 
aus dem 15. und 16. Jahrhundert erhalten. Das aussen verhältnissmässig einfache 
Mittelschloss ist in seinen rechteckigen, zum Theil gepaarten Fenstern des Erd-
        

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