Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Meiningen: Kreis Hildburghausen
Person:
Lehfeldt, Paul Voss, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2508208
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2511862
REURIETH. 
Themar. 
dieser Arabesken sind von ausgezeichneter Erfindung; auch die Art, wie die sinn- 
bildlichen Thiergestalten halb heraldisch, halb phantastisch stilisirt, den Kreisraum 
vortrefflich ausfüllen, während bei den Namenszeichen Ranken reinsten Renaissance- 
stils die Lücken füllen, verräth einen selten feinen Geschmack; neben der vor- 
herrschenden Renaissance zeigen sich noch Nachklänge der spätgothischen Scharf- 
spitzigkeit und schon auch barocke Biegsamkeit. Die Ausführung ist flott, die 
Erhaltung trefflich, auch der Farben; diese sind auf weissem Grund hauptsächlich 
schwarz und gelb, dann grün und braun, wenig blau, alles fein gebrochen und doch 
saftig genug, so dass eine milde, einheitliche Wirkung entsteht. Im Chor ruht ein 
Kreuzgewölbe von bereits so: U proiilirten Rippen auf umgekehrt pyramiden- 
förmigen Consolen. Chorbogen und Triumphbogen sind spitzbogig, die Pfeiler 
rechtwinklig. die Bögen nach Westen zu abgekantet, wobei die Ueberführung durch 
einfache Abrundung in Kämpferhöhe geschieht. Hier treten am Triumphbogen Köpfe 
vor, an der Nordseite der eines Mannes mit Eselsohren, demjenigen an der Süd- 
seite ist später um der Kanzel willen das Gesicht abgeschlagen worden. An der 
Südseite hat der Chor ein ziemlich hoch angeordnetes, mittelgrosses Spitzbogen- 
Fenster (darunter eine spätere Flachbogen-Nische), an der Nordseite die Thür zur 
Sacristei, welche, von der Sturzform: m, oben und im oberen Theil der Seiten- 
Einfassungen abgekantet, darunter rechtwinklig ist, mit einem füllenden Dreikant 
(Pyramide) an der Stelle des Uebergangs zum rechten Winkel. Der Thurm, von 
dessen mittlerem Geschoss eine Rundbogen-Thür (mit Scheitelfuge) zur 2. Ost- 
Empore führt, hat in der obersten Abtheilung an jeder Seite ein mittelgrosses 
Spitzbogen-Fenster mit flach gekehlten Einfassungen; neben dem der Südseite eine 
flache, rechteckige Blende (wie eine Inschrift-Tafel) mit Verdachung darüber. Auf 
diesem Geschoss der durch Knicke in das Achteck geführte Helm mit Ziegel- 
deckung.  Nach den Beschädigungen der Kirche im (lreissigährigen Krieg erfolgte 
1716 (diese Jahreszahl nebst: M .Z  an der Langhaus-Südseite nahe der West-Ecke 
oben) eine Restauration der Kirche nebst Neubau des Langhauses. Dasselbe ist 
15,5 m lang, 9,8 m breit (so dass das westliche Sacristei-Fenster nun hier hinein 
geht). Zwei Geschosse einfacher Emporen ruhen auf Pfosten, die sich oben bis 
zur Holzdecke fortsetzen. Diese ist über den Emporen flach, im Mittelraum tonnen- 
förmig gebogen, hier mit Fenstern eingeschnitten und dazwischen mit theilenden 
und füllenden Bändern und Laubsträngen bemalt. Im Uebrigen ist die Kirche im 
Innern weiss, nur Chor- und Triumphbogen in den Umfassungen blau. An der 
Nord-, Süd- und West-Seite sind je drei rechteckige Fenster angeordnet, an der 
Südseite zwischen dem 1. und 2. Fenster, sowie an der Westseite unter dem 
mittelsten Fenster eine achteckige Thür mit Ohren. 1845 ist die Kirche restaurirt. 
Das westliche Giebelfeld, von der Form:  ist nur von Fachwerk, mit einem 
Rechteck-Fenster erleuchtet; noch störender wirken der Fachwerk-Giebel des Ost- 
theiles der Kirche und daneben auf der Sacristei die Holzbalken unter dem Ziegel- 
dach.  Brückn er, Landesk. II, S. 262.  Brückner, Diöc. Themar, S. 91 f.;  Samml. 
versch. Beitn, S. 76.  Galletti.  Gelpke, S. 712.  Schultes, S. 61.  Voit, S. 242. 
Kanzel am südlichen Triumphbogen-Pfeiler, wohl von 1843; vom Grund- 
riss:  mit Eckpilastern; Holz. 
8 Figuren auf dem Thurmboden, sitzende Apostel, hochgothisch, von einem 
Altarwerk, steif, mit Ausnahme der Hände ganz gut erhalten; klein, Holz, ohne Farben.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.