Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Meiningen: Kreis Meiningen: Amtsgerichtsbezirke Salzungen und Wasungen
Person:
Voss, Georg Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2503588
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2506972
Wasungen. 
WASUNGEN, 
Rathhaus. 
159 
Die beiden Obergeschosse sind aus Fachwerk. Die bescheidenen Kunstformen 
der Bauhölzer beschränken sich fast ausschliesslich darauf, die Construction des 
Holzgerüstes durch gefällige Vertheilung der Pfosten und Streben ansprechend zu 
beleben. Die Formen sind für den Fachwerkbau in der ersten Hälfte des 16. Jahr- 
hunderts in diesen Gegenden charakteristisch. So namentlich die kurzen Viertelkreis- 
streben in den Fensterbrüstungen. Je zwei dieser Viertelkreisstreben lehnen sich 
an einen senkrechten Pfosten an und bilden auf diese Weise einen Spitzbogen, der in 
der Mitte durch den senkrechten Pfosten getheilt wird. Die sichtlich hervortretende 
Freude an der Form des Spitzbogens ist für diese Gegenden bezeichnend, die zur 
Zeit der Erbauung des Wasunger Rathhauses noch ganz unter der Herrschaft der 
Gothik standen. Merkmale der Holzbaukuust der ersten Halfte des 16. Jahr- 
hunderts sind ferner die schräg ge-      
stellten Doppelkreuzstreben und 
die aus dem vollen Holz gehauenen  
Console oder Knaggen mit der all d! v! 
schlichten, breiten Hohlkehle, die    
ebenfalls noch ein Zeichen gothi-  äjjfjfizibllwilll M [M11  lllill" 
scheu Stilgefühls ist. DieseKuaggen H": lll]'i„i,  , J  r 
iinden sich in derselben Weise auf  I 
der Wartbur g an dem Wehrgang Aiphßfl:  W 
im vorderen Burghofe, ferner an  ihm,  .4 
dem sogenannten Lutherhause in M15  
Berka" an der Werra, ebenso an  (I;  1,54, HWIJI! 
dem altesten Hause von Werns-   M f).   
hausen (siehe Bau- u. Kunstdenk-  LÜ  W11   
mälel" Thüringens Heft xxxv   Piifl"  5 Yl "l. 
S. 121) und, sicher liatirt, an einem im     
Hause in Schwallungen aus s; L1,   IT; 
dem Jahre 1548 (siehe untenlf). IIÄW  4', ljgnlj 
Durch beide Obergeschosse er-    n;  
streckt sich der Erker. Sein lifääiglpi,  11W"; I1 
Grundriss bildet den Theil eines  1,1133: 
Achteckes. Beachtung verdient,  
dass der Erker scheinbar ganz Steinerne Säule von 1533 im Erdgeschoss des Rathhauses. 
willkürlich ohne Rücksicht auf die 
Symmetrie der Fassade angelegt ist. Gerade diese Zufälligkeit wirkt ansprechend. 
Der Erker ist mit einer walschen Haube bedeckt, die sicher noch aus der Zeit 
der Erbauung des Rathhauses stammt. Das Zifferblatt der Uhr ist recht un- 
harmonisch in das Dach des Erkers eingesetzt.  Die gemalten ornamentaleu 
Friese zwischen den Balkenköpfen der beiden Obergeschosse stammen aus einer 
späteren Epoche. Sie sind durch die Jahreszahl 1666 rechts oben datirt. Die 
Malereien sind bei den Bauarbeiten des Jahres 1892 zum Vorschein gekommen 
und damals stark restaurirt. Die Eule, welche in dem einen der gemalten Felder 
dargestellt ist, soll ein Wahrzeichen der Stadt sein.  In dem Hofe sind die alten 
Holzgalerien zum Theil noch erhalten. 
a") Siehe auch 
Fritze, 
Fränkisch-Thüringische Holzbauteu,
        

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