Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Meiningen: Kreis Meiningen: Amtsgerichtsbezirke Salzungen und Wasungen
Person:
Voss, Georg Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2503588
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2506730
Wasun gen. 
WASUNGEN, 
Stadtkirche. 
Die Stadtkirch e. Als erster Pfarrer wird 1285 der Leutpriester (ple- 
banus) Gerhardus genannt (Henneb. Urk. I, 32). Die Grenzen der Parochie 
Wasungen decken sich seit alten Zeiten  vorübergehende Ausnahmen abge- 
rechnet  mit den gegenwärtigen Parochialgrenzen. Wasungen besass vor der 
Reformation (abgesehen von der Klosterkirche) eine dem heiligen Petrus geweihte 
Hauptkirche (die Bergkirche an derselben Stelle, wo noch jetzt die Pfarrkirche 
der Stadt steht) und zwei Kapellen: die St. Petruskirche vor dem oberen Thor 
und eine Kapelle auf dem Markt. 
Die Hauptkirche war ursprünglich in landesherrlichem Patronat, wurde 
jedoch von Graf Berthold von Henneberg gelegentlich der Gründung des Wilhel- 
miterklosters in Altwasungen diesem unterstellt. Nach Zerstörung des Klosters 
durch die aufstandische Bauernschaft besetzte der Landesherr, Graf Wilhelm von 
Henneberg, aufs neue die Pfarrstelle. Die Reformation wurde in den Jahren 1542 
bis 1547 durchgeführt. Das Wasunger Decanat unterstand anfangs der Superinten- 
dentur Suhl, wurde indessen 1660 von Ernst dem Frommen zu einer eigenen Super- 
intendentur erhoben. Das Gebäude der Kirche erhebt sich in beherrschender Lage auf 
der Nordostseite der Stadt. Es steht an Stelle einer älteren Kirche, die um 1580 
grösstentheils abgebrochen wurde, nur der Chor blieb erhalten. Der Neubau wurde, 
hauptsächlich auf Betrieb des Pfarrers Abel Scherdiger, in den Jahren 1584-1596 
durchgeführt, wobei die früher orientirte Lage aufgegeben wurde. Der Kirch- 
thurm wurde über dem alten Chor errichtet (1596), 1660 auf Weisung Ernsts des 
Frommen reparirt, „da denn zugleich noch ein Stück auf der Seite des Altars 
angefügt worden" (J uncker), im Sommer 1708 umgebaut und starker fundamentirt. 
1687 wurde die Orgel und der Chor bemalt, laut der ehemals in der Kirche be- 
findlichen Inschrift: 
La VDIb Vs en! nostrIs aeterne qVlesOe Ieho Va, 
qVas t1bI pro lllerItIs organa et 0m fer Vnt. 
Die Inschrift ist ein Chronogramm, dessen Auflösung die Jahreszahl 1687 ergiebt. 
Unter dem Chor befinden sich die Bildnisse der letzten hennebergischen 
Grafen Wilhelvn. Georg Ernst und Pappe, mit lateinischer Umschrift, Copien der 
im Jahre 1692 von Herzog Bernhard I. in die Meininger Schlosskirehe über- 
geführten Gemälde. Als Erbauer der oberen Thnrmgeschosse gilt der Maurer- 
meister Michael Keller aus Walldorf (1597).  1906 wurde ein Umbau des Innern 
ausgeführt, wobei die Orgel aus dem Chor nach der Nordseite verlegt wurde. Die 
Einweihung fand am 2. December 1906 statt. L. Her-tel. 
Beschreibung des Bauwerkes. Die Kirche liegt am Abhange des 
Burgberges, etwa 17 m über der Stadt. Das Gebäude hat eine für diese Gegend 
durchaus ungewöhnliche Anlage: der Thurm steht nicht über dem Altarraum, 
sondern neben der Kirche, an einer der Langwande des Kirchenschiffes (Abbildung 
S. 139). Diese Abweichung von der hergebrachten Ueberlieferung ist vielleicht 
auf folgende Weise zu erklären: der alteste Theil der Kirche ist der Thurm, von 
dem allerdings nur das untere Geschoss aus der Zeit der Erbauung, etwa um das 
Jahr 1500, erhalten ist. Der Thurm kann ursprünglich einen wichtigen Theil der 
Stadtbefestigung gebildet haben. Er steht dicht neben der Stadtmauer, Welche 
hier an der Bergseite durch den Ansturm eines von oben herabkommenden Feindes
        

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