Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Meiningen: Kreis Meiningen: Amtsgerichtsbezirk Meiningen
Person:
Voss, Georg Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2495280
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2496740
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Geschichte 
der 
Stadt Meiningen. Meiningeli. 
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dritter Lehrer, der Geselle oder Infimus, der nur eine gute Schule besucht zu 
haben brauchte und auf das Schulgeld sammtlicher Schüler angewiesen war. Ein 
Mädchenlehrer, sog. deutscher Schulmeister, wird erst 1552 erwahnt f). Zum ersten 
Rector wurde der schon erwähnte Georg Zeiss ernannt. Ueber die Einrichtung 
der Schule erfahren wir weiter nichts, als dass die Lehrer unter der Aufsicht des 
Pfarrers stehen und einer Prüfung unterworfen werden sollten. Georg Ernst 
wendete auch spater dem Schulwesen besondere Aufmerksamkeit zu. Als er 
damit umging, die eingezogenen Kirchengüter zur Errichtung einer höheren 
Landesschule zu verwenden, und es sich darum handelte, den geeignetsten 
Ort für diese wichtige Stiftung auszuwählen, kam Vessra, Meiningen und Schleu- 
singen in Frage. Für Meiningen wurde geltend gemacht, „weilen es mitten in 
Henneberg lage, frische und gesunde Lufft genösse und dabey mit allen Lebens- 
Mitteln reichlich versorget Ware" (Schultes, Henneb. Gesch. 11, 198; Weinrich, s. 558. 
575; Schöppach, S. 7). Für Schleusingen entschied der Umstand, dass Meiningen 
nach dem Tauschvertrag von 1542 nach Erlöschen des hennebergischen Mannes- 
stammes an Würzburg zurückfallen sollte. Meiningen musste sich mit einer 
lateinischen Schule begnügen; wer studieren wollte, ging, wenn er die hiesige Schule 
mit Erfolg besucht hatte, noch auf 2 bis 3 Jahre auf das Schleusinger Gymnasium. 
Auf die neue Erweckung des geistigen Lebens in Deutschland, die der refor- 
matorische Geist zu Beginn des 16. Jahrhunderts erwachsen liess, folgte die traurige 
Zeit des schmalkaldischen Krieges. Die Grafen von Henneberg betheiligten 
sich zwar nicht an demselben, sondern hielten sich „still und unparteiisch", aber 
Meiningen hatte doch durch Cfruppendurchzüge zu leiden. Die Häupter des 
Schmalkaldischen Bundes, Kurfürst Johann Friedrich und Landgraf 
Friedrich von Hessen, führten nämlich ihre Streitkräfte durch unsere Stadt 
nach Oberdeutschland. Nach der für den Kurfürsten so unglücklichen Schlacht 
bei Mühlberg, also gerade zu der Zeit, wo es um die Sache der Evangelischen in 
Deutschland am schlimmsten stand, trat Graf Wilhelm von Henneberg 
offen zur lutherischen Konfession über und war durch keinerlei Anträge 
und Befehle Karls V. zu bewegen, das vom Kaiser verkündigte Augsburger Interim 
in seinem Lande einzuführen M). 
Mit der Annahme der Reformation hob sich die Stadt ungemein. Im Jahre 
1547 wurden an einem Tage 143 neue Bürger aufgenommen. Die Einwohnerzahl 
stieg von Jahr zu Jahr. Um 1550 waren nach einer Durchschnittsberechnung 
2000 Einwohner hier, gegen Ende des Jahrhunderts betrug ihre Zahl das Doppelte ikfik). 
Als der Kaiser durch den Kurfürsten Moritz von Sachsen zum Abschluss des 
Passauer Vertrages gezwungen und wieder einigermaassen Ruhe in Deutschland 
 Aus der vorreformatorischen Zeit sind uns die Namen folgender Lehrer erhalten: 1255 Konrad, 
1390 Hermann Gottfried, 1462 Sebastian Fleischmann, 1484 Nikolaus lilüller. Güth, n. A. S. 84. 
 Des Grafen denkwürdiges Schreiben an den Kaiser bei Güth, n. A. 182-184 und Weinrich, 
S. 286-293.  
"Ü In den Jahren 1552 und 1553 wüthete in Meiningen eine bösartige ansteckende Krankheit, über 
die sich der damalige hennebergische Statthalter, Dr. Melchior von Ossa, in seinem noch erhaltenen Tage- 
buch des Näheren auslässt. Er schloss die Burg, liess keinen Fremden ein, zog alles, was er an Lebens- 
mitteln brauchte, die ihm zwei Bürger in der Stadt besorgten und zutrugen, in einem Korbe herauf u. s. w. 
Vgl. F. A. v. Langenn, Doctor Melehior von Ossa, Leipzig 1858, S. 131.
        

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