Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Meiningen: Kreis Meiningen: Amtsgerichtsbezirk Meiningen
Person:
Voss, Georg Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2495280
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2502966
UNTERMASSFELII, 
Schloss. 
Meiningen. 
schliesst sich an diese Scheune ein Gebäude an, das wegen seines Schmuckes in 
spatgothischen Steinmetzarbeiten auffällt. Das Erdgeschoss ist heute zum Rinderstall 
ausgebaut; das zweite Stockwerk bezeichnen die Einheimischen als Haup tman ns- 
stube, die indessen nach den Inventarien nicht an dieser Stelle gelegen haben 
kann, da nach ihnen sich an die zwei Scheunen, der Schafstall und an ihn die 
Hauptmannsstube anschloss, deren Erdgeschoss als Backhaus diente. 
In dem Mauerzug vom Hexenthurm bis zum Zeughausrondel, der 
in der Hauptsache 1905 eingelegt wurde, waren zwei vermauerte Oeifnungen 
bemerkenswerth, die eine kreisrund, die andere ein rundbogig geschlossenes Pförtchen. 
Es ist mir nicht zweifelhaft, dass es sich um eine ehemalige Wassermühle 
handelt. Das Rad an der Aussenseite wurde durch den Schlossgraben getrieben, 
das Pförtchen war die Radstubenthür, und durch die runde Oeifnung war die Welle 
gesteckt. Ein interessanter Schartenstein von der Mauer ist in die Sammlungen des 
Hennebergischen Alterthunisforschenden Vereins in Meiningen übergeführt worden. 
Ueber die Bedeutung dieser Schiessscharte für die Baugeschichte der ausseren Be- 
festigungsbauten des Schlosses habe ich berichtet im Meininger Tageblatt vom 
18. Mai 1907: 
„Beim Abbruch eines Stücks der Umfassungsmauer des Schlosses Untermassfeld im 
Jahre 1906 ist ein Stein mit einer interessanten Schiessscharte aus seinem Ver- 
bande genommen worden. Die Kalksteinplatte, in die die Schiessscharte eingemeisselt 
ist, hat eine Starke von etwa 25 cm. An der Innenseite sieht man eine viereckige 
Oetfnung von 29 cm Höhe und 22 cm Breite, die sich unter Abschrägung der Seiten- 
wände etwa in der Mitte der Steindicke zu einer Oeffnung mit geraden Wänden von 
10 cm Breite und 29 cm Höhe verengt; die Sohle der Oeffnung ist im letzteren Ab- 
schnitt nach aussen abgeschrägt, wie auch dessen Seitenwände in einer Höhe von 
9 cm. An der Aussenseite der Scharte sieht man die Form eines Kreuzes, dessen 
Querarm verhältnissmässig tief sitzt. 
Diese Schartenform findet sich in Pipers Burgenkunde nicht verzeichnet; bei Fritze 
in den Dorfbildern ist ein Beispiel aus unserer Gegend nicht nachgewiesen. Die Enge 
des Schlitzes, die fehlende Auflegevorrichtung, der Umstand, dass die Schiessspalte am 
unteren Ende keine Erweiterung kreisförmiger oder ähnlicher Art hat, lassen es aus- 
geschlossen sein, dass es eine Scharte für Pulverwaffen gewesen ist; sie trägt viel- 
mehr alle Kennzeichen der Armbrustscharte, d. h. einen senkrechten Schlitz, eben weit 
genug, um den Pfeil oder Bolzen hindurchzulassen; die Abschrägung der Seitenwände 
an der Innenseite ermöglichten die thunlichste Annäherung der Waffe an die aussere 
Schartenwandung; die Schrägen unten rechts und links im Schlitz und die Abböschung 
der Sohle vergrösserten das zu bestreichende Schussfeld. 
Besonderes Interesse verdient der Stein auch deshalb, weil er sich annähernd ge- 
nau datiren lässt. Wie der Stein am Hexenthurm beweist, der das Hanauische und 
Henneberg-Schleusingische Wappen zeigt, sind die Anlagen rings um den grossen Hof, 
wie sie bis heute in der Hauptsache erhalten sind, zur Zeit der Gräfin Oatharina, 
Gemahlin Wilhelms (gestorben 1444), entstanden. Ihr Standbild ist in der Egidien- 
kapelle zu Schleusingen zu sehen, woselbst an der Fussleiste das Hanauische Wappen 
wiederkehrt. Sie vermählte sich 1432 mit dem genannten Grafen und starb 1460 zu 
Schloss Massfeld, für das der Name Oatharinenburg vorkommt. Spangenberg 
S. 410 giebt an, dass sie das Schloss Massfeld selbst erbaut hat. Da nun unser 
Schartenstein in der Nähe des Wappensteins, der die Zahl 1446 trägt, und obendrein 
in einer tieferen Schicht lag, so muss er 1446 oder kurz vorher zugerichtet und ver- 
setzt werden sein." 
 Die Mauerkrone muss einen Wehrgan g getragen haben, das beweist das 
jetzt vermauerte Thürchen am Zeughausthurm.
        

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