Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Meiningen: Kreis Meiningen: Amtsgerichtsbezirk Meiningen
Person:
Voss, Georg Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2495280
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2501951
Meinin gen. 
NEUBRUNN. 
zweiten Decke (etwa 80 cm darunter) mit Unterzugsbalken entstanden ist und der 
durch ein mit einem Brett verdeckbares Einsteigloch vom Boden aus zugänglich 
ist. Das Versteck ist auf dem Querschnitt des Hauses auf S. 437 abgebildet. Eine 
ähnliche Anlage enthielt das 1874 abgebrannte Haus zum goldenen Einhorn 
in Meiningen unter dem Fussboden des zweiten Stockwerks. Ein anderes der- 
artiges Gelass findet sich in Gleich amberg (Amtsgerichtsbezirk Römhild) im 
Hause Nr. 6 vom Jahre 1584, in Linden (Amtsgerichtsbezirk Heldburg), im ehe- 
maligen Herrenhause im Judenbau in Bau erbach; in Ehrenb erg, Grimmel s- 
hausen (Amtsgerichtsbezirk Hildburghausen) haben sie bestanden. Mit Recht 
hat Fritze diese Anlagen als Verstecke für Kriegszeiten gedeutet; im übrigen sei 
auf die Verstecke in hiesiger Gegend (Fritze, a. a.  in Schleswig-Holstein 
(Deutsches Bauernhaus, S. 125), Westfalen (S. 68), Pommern (S. 137), im Königreich 
Sachsen (S. 188. 191), Elsass (s. 251) und in Baden (s. 271) hingewiesen. 
Die Wohnstube ist getäfelt, die Decke gestülpt. 
Hinsichtlich der Holzarchitektur des Hauses sei bemerkt, dass der Ortbalken 
in der Höhe des Wohngeschosses an der Nordseite, der zugleich als Rahm dient, 
über die Wandtlucht Vortritt, er ist an den Enden mit zwei Knaggen gestützt, die 
beiden Mittelstiele haben Knaggen unter den Deckentragern, die unmittelbar unter 
dem Ortbalken liegen. Zwischen den Pfosten ist der Ortbalken abgefast, die 
Fasung lauft aus. Alle vier Knaggen sind aus dem vollen Holze herausgearbeitet, 
die nordwestliche Knagge zeigt drei, die am südlichen Mittelstiel zwei quer durch- 
geführte, schräg verlaufende, scharfkantige Rippen. Die Saumschwelle ist ein krumm 
gewachsenes Holz. Zwei Riegelzüge theilen das Wohngeschoss in drei Gefache, 
von denen das mittlere das höchste, das untere das kleinere, und das oberste das 
kleinste ist. Die doppelten Kreuzstreben sind in der Hauptsache durch Ueber- 
blattung eingefügt, während bei den sonstigen Holzverbindungen Einzapfung ver- 
wandt ist. Die Felder der nördlichen Giebelwand zeigen Reste von Bemalung: 
Blumen in schwarzen Konturen. Als Material ist vorwiegend die Kiefer verwandt, 
nur einzelne Werkstücke sind Eiche, so die Saumschwelle im Norden, die 0,27 cm 
hohe Schwelle an der Westseite u. a. Ein kieferner Pfosten an derselben Seite 
weist eine Breite von 0,32 cm auf. 
Nach örtlicher Ueberlieferung ist das Haus die Wohnung eines Geistlichen 
gewesen, was Fritze wegen der Nahe der Kirche, wegen der von der Regel ab- 
weichenden Raumeintheilung, wegen des Umstandes, dass nur ein Geschoss, nicht 
zwei, bewohnbar ist, nicht von der Hand weist. Die geschichtliche Ueberlieferung 
weiss lediglich, dass Neubrunn im Mittelalter Filial von Bibra, später von 
J üchsen war. Bis etwa 1820 gehörten zu der Hofraite 42 Morgen Land. Somit 
kann ich dieser Ansicht nicht beipiiichten. Die mündliche Ueberlieferung halte ich 
in diesem Punkte für gerade so unznverlassigg; Wie darin, dass der Platz westlich 
der Kirchhofsmauer, die übrigens noch zwei Gaden birgt, einem Kloster gedient 
habe. Die Mauerreste sind auf die Kemenate zurückzuführen; sie mag mit der 
Kirche durch einen gebrückten Gang verbunden gewesen sein. 
Die Erbauungszeit des Hauses setzt Fritze auf Grund der spitzbogigen 
Westthür, des wuchtigen Thürsturzriegels über ihr, der Doppelkreuzstreben, der 
Ueberblattung, der Knaggen und ihrer Zierformen, vor 1500. Es mag ferner auf 
die Steilheit des Daches und die Beschaffenheit der Hölzer hingewiesen sein, die
        

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