Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Meiningen: Kreis Meiningen: Amtsgerichtsbezirk Meiningen
Person:
Voss, Georg Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2495280
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2496577
33 Meiningen. Geschichte der Stadt Meiningen. 
Anweisung an die Stadt Meiningen auf 500 Pfd. Heller, und zwar in der Eigen- 
schaft eines Burglehens (pro bono et feodo castrensi in civitate Mcymngcvz a nobis 
tenevzdo). In dieser Zeit hob sich Handel und Wandel in der Stadt, der Wohlstand 
stieg. Die Handwerker begannen sich, wie in anderen Städten Deutschlands, auch 
hier in Genossenschaften oder Zünfte zusammenzuschliessen. Mitglieder des 
Stadtgerichtes, d. h. zugleich des Ortsvorstandes, die Schöffen oder Zwölfer, 
von denen der Schultheiss einer war, waren die wohlhabenden Grund- 
besitzer, die sich bei Abgang aus ihren Reihen ergänzten; die Handwerker und 
Kleingrundbesitzer kamen nicht in den Rath. Aus dem Jahre 1339 hat sich ein 
Ortsgesetz erhalten, nach dem das Ausschänken von Wein, Bier und anderen Ge- 
tränken durch Amtleute, Geistliche und alle diejenigen, die keine Steuern ent- 
richten, verboten wird; das denkwürdige Documentf) hat uns die Namen der 
damaligen städtischen Würdenträger überliefert. Danach war Dietrich Eberwem 
Schultheiss und Schöffen: Berthold Zentgraf, Oonrad Sachse d. A., Conrad Smal- 
stilt, Heinrich Künnl-ein, Johann Bitterolf, Hartmut! zron Belrieth, Ilcrrmaozvz War- 
mund, Apelt Repplein, Uonmd Sachse d. J., Helmbold Lamprecht und Vollaer. Einen 
besonders wichtigen Abschnitt in der Entwickelung der städtischen Verhältnisse 
bildet das Jahr 1344. Am 13. October 1344 weilte Kaiser Ludwig der Bayer 
in Begleitung des Bischofs Otto II. von Würzburg (aus dem Hause Wolfskehl) 
in unserer Stadt. Am darauffolgenden Burkhardstag wohnte er dem Gottes- 
dienst in der Stadtkirche bei und ertheilte dann in Gegenwart vieler Ritter und 
Herren und im Beisein zahlreichen Landvolks der Stadt Meiningen mancherlei Vor- 
rechte und Gerechtsame. Zugleich ertheilte er ihr die Erlaubniss, in ihr Wappen 
statt der bisherigen 3 von nun ab 5 Thürme in verschlossener Ringmauer der 
fränkischen Pforte zu setzen. Eingedenk der seinem Stifte vor 122 Jahren ge- 
leisteten Treue der Meininger Bürger und des ungeheuren Schadens". den die 
Stadt in der damaligen Fehde des Bisthums mit dem Grafen Poppo von Henneberg 
erlitten hatte, erbat der Bischof bei der Rückkehr nach Würzburg vom Kaiser die 
Ausfertigung einer Bulle für Meiningen, die dann auch unter dem 19. October 
1344 ausgestellt wurde. In ihr verleiht der Kaiser der Stadt Meiningen alle 
Freiheiten, Rechte, Gerichte und Gewohnheiten, welche die Reichs- 
stadt Schweinfurt und ihre Bürger von römischen Kaisern und deutschen 
Königen erhalten hatten (Mon. Boic. 41, 81; Güth-Schaubach, S. 124). In Folge der 
vom Kaiser ertheilten Privilegien bildete sich im Gegensatz zu dem aus den Ge- 
schlechtern gewählten "edlen" Rath der Zwölfe ein Gemeinderath, der zu- 
nächst vier Personen des Handwerkerstandes zählte, die als Viertelsmeister bei 
allen wichtigen Angelegenheiten mitwirken sollten, später aber aus acht Personen 
bestand. Zur Erinnerung an die denkwürdige und bedeutungsvolle Anwesenheit 
des Kaisers wurde von jetzt ab am Burkhardstag ein Jahrmarkt gehalten M). 
Wenige Jahre darauf, 1349, verbreitete sich die P e st , der sogenannte Schwarze 
Tod, durch ganz Deutschland und forderte zahlreiche Opfer. Die mörderische 
Seuche führte auf der einen Seite zu den strengsten Bussübungen, auf der anderen 
Zu einer maasslosen Verwilderung der Sitten, insbesondere zu grausamer Ver- 
t) Datiert 1339 Januar 7, befindet sich die Urkunde im städtischen Archiv (Nr. 46). Vgl. E. Doebner 
in: Neue Beiträge, Lief. 13, S. 24-27. 
tak) Ueber die Entstehung der Jahrmärkte vgl. Neue Beiträge, Lief. 17, S. 1-13.  
Bßll- und Kunstdenkm. Thüringens. S-Meiningen. I. 3
        

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