Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Meiningen: Kreis Meiningen: Amtsgerichtsbezirk Meiningen
Person:
Voss, Georg Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2495280
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2500568
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DREISSIGAÜKER. 
M einin gen. 
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vergolden- haben. Ueber einen Rechtsstreit, der sich wegen der darauf ruhenden 
Lasten unter den Lehnsbauern entsponnen hat, berichtet das Henneb. Urkundenb. VII, 
264.  Demselben Stift zu Schmalkalden eignen später die gräflichen Brüder 
Heinrich und Berthold von Henneberg die von ihnen zu Lehen gehenden Güter 
zu Dreissigacker, welche Johann v. Haselbach dem Domherrn Konrad Griesel ver- 
kauft hat, um aus dem Ertrag eine Vicarei zu stiften. 1435 ist Hans vom Berg 
im Besitz eines gräflichen Lehnsgutes. Wenige Jahre später finden wir den reichen 
Ritter Karl Tru-chsess o. llVildberg hier begütert: er verkauft der Liebfrauenkirche 
zu Ohristes eine Hube Landes. 
Von sonstigen Ereignissen meldet die Chronik noch Folgendes: 1350, als das 
„grosse Sterben" Deutschland heimsuchte, soll Dreissigacker gänzlich verödet ge- 
wesen sein; 1418 wurde es durch eine gewaltige Feuersbrunst verwüstet. Im 
Bauernkriege scheinen die Einwohner, meist arme, vielgeplagte Frohnbauern, 
sich lebhaft an den Unruhen betheiligt zu haben, mussten aber ihren Freiheits- 
drang schrecklich büssen; viele Aufrührer wurden hingerichtet, wie denn der 
Scharfrichter überhaupt hier blutige Arbeit hatte: mehrere hundert Bauern sollen 
insgesammt ihm verfallen sein.  Die schlimmsten Zeiten jedoch erlebte Dreissig- 
acker während des dreissigjährigen Krieges (vgl. Heller, Schriften d. Ver. f. 
meining. Gesch., Heft 46, S. 1ö2ff.l. Nachdem schon im Herbst 1640 von räuberischen 
und grausamen Schweden mehrere Gebäulichkeiten niedergebrannt worden waren, 
wurde zu Anfang des folgenden Jahres der Rest mit den herrschaftlichen Ge- 
bäuden und der Kirche durch den Hauptmann Tarras, eine Bestie in Menschen- 
gestalt, niedergebrannt: der Ort war nahezu in eine Wüstenei verwandelt, und nur 
langsam erholte er sich nach dem Friedensschluss von seinen Leiden. Bessere 
Zeiten sah er, als die Bernhardsche Herrscherlinie das nahe Meiningen zu ihrer 
Residenz erkor. 1710 erbaute Herzog Ernst Ludwig I. hier oben, auf luftiger, 
weitschauender Höhe ein Jagdschloss, in dem er, wie auch seine Gemahlin Doro- 
thea Maria, sich gerne aufhielt. An der Absicht, ein grösseres Lustschloss 
daselbst aufzuführen, wurde er durch seinen frühzeitigen Tod gehindert. Karl 
Friedrich, der zweite der überlebenden Prinzen, weilte ebenfalls oft in Dreissig- 
acker und liess sich von den Dienern gern in den Alleen herumfahren.  
Irrungen, die sich ob des Schlosses und Kammergutes zwischen den fürstlichen 
Häusern S.-Gotha und S-llrleiningen entsponnen hatten, wurden 1785 beigelegt. 
Die Glanzzeit Dreissigackers fällt in die ersten vier Jahrzehnte des 19. Jahr- 
hunderts. Herzog Georg I. ersah den Ort als Heimstätte des im Jahre 1801 
begründeten Forstinstituts. Kaum konnte man einen günstigeren Platz für 
eine derartige Lehranstalt finden, als das Jagdschloss zu Dreissigacker. Das 
massive, zweistöckige Gebäude bot bequemen Raum für die Hörsäle, ein Naturalien- 
cabinet, ein mathematisch-physikalisches Oabinet, ein Laboratorium, Lehrerwohnungen 
und Zimmer für Akademiker. Die Lage des Schlosses ist hoch und frei: gegen 
Osten ist der langgestreckte Zug des Thüringerwaldes sichtbar, südwärts erheben 
sich über dem niedrigen Waldkranz die Kuppen der ruinengekrönten Höhen 
Henneberg und Hutsberg und die der Gleichberge bei Römhild. Nach Westen 
steigt imposant die Hohe Geba auf, und nach Norden begrenzt die Kette der 
Rhönvorberge die Fernsicht. In geringer Entfernung umschliesst den Ort ein 
nicht ganz geschlossener Kreis mannigfachen Gehölzes, die Hassfurth nach Norden,
        

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