Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Meiningen: Kreis Meiningen: Amtsgerichtsbezirk Meiningen
Person:
Voss, Georg Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2495280
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2500314
313 Meiningen. 
BIBRA, 
Kirche. 
313 
Altarschreine. 
D er H ochaltar. 
Von dem ursprünglichen Altarschrein sind nur noch die vier Flügel erhalten. 
Das (wahrscheinlich geschnitzte) Mittelfeld ist verloren gegangen und durch ein 
modernes Gemalde, Christus bei der Einsetzung des heiligen Abendmahls, aus- 
gefüllt. An den beiden zunächst anstossenden Altarilügeln befinden sich vier in 
Holz geschnitzte Flachreliefs, welche die sitzenden Gestalten von vier hohen kirch- 
lichen Würdenträgern mit den Attributen der Evangelisten darstellen. (Lichtdruck 
nach S. 312.) Wenn diese beiden inneren Flügel des Altars geschlossen sind, 
sieht man auf den Rückseiten der inneren Flügel und auf den beiden ausseren 
feststehenden Flügeln vier einzeln stehende gemalte Figuren. Zwei von diesen 
Altariiügeln sind auf dem Lichtdruck vor dieser Seite abgebildet. 
Die geschnitzten Reliefs sind Arbeiten aus der Werkstatt Riem ens ch neider s. 
Der ursprüngliche Charakter ist allerdings durch spatere Bemalungen stark ent- 
stellt. Die Gesichter sind noch um das Jahr 1860 dick mit Fleischfarbe über- 
strichen, die Gewänder vergoldet und die ursprünglich in G-oldgruntl modellirten 
Teppichmuster des Hintergrundes grell blau übermalt. Trotzdem ist von der 
Schönheit der Schnitzerei noch vieles zu erkennen, besonders in den vier aus- 
drucksvollen Greisenköpfen. Die hier dargestellten Kirchenfürsten sind zweifellos 
die vier Kirchenvater. Die dreifache Krone deutet auf Papst Gregor, die Kardinals- 
tracht auf den heiligen Hieronymus, die beiden Bischofsmützen auf den heiligen 
Ambrosius und den heiligen Augustinus. Allerdings, die sonst zumeist üblichen 
Attribute der Kirchenvater fehlen. Doch zuweilen wurden die Kirchenvater auch 
mit den Attributen der vier Evangelisten dargestellt. Ein Beispiel dafür bieten 
die Gewölbemalereien zu Partenheim in der Pfalz, welche ebenfalls aus der Zeit 
um das Jahr 1500 stammen; auch dort ist, ebenso wie in den Altartiügeln zu 
Bibra, Papst Gregor mit dem geilügelten Löwen des Evangelisten Marcus, der 
Kardinal Hieronymus" mit dem Engel des Evangelisten Matthäus, der Erzbischof 
Ambrosius mit dem Stier des Evangelisten Lucas und der Bischof Augustinus mit 
dem Adler des Evangelisten Johannes dargestellt. Auch in Riemenschneiders 
Werkstatt haben Kirchenvater noch einmal die evangelischen Symbole in sehr 
ahnlicher Weise: auf der steinernen Kanzel zu Karlstadt, welche im Jahre 1523 
von einem Schüler Riemenschneiders ausgeführt ist. Die Vertheilung der Attri- 
bute ist dort ein wenig anders. In Karlstadt ist Hieronymus mit dem Löwen 
und Gregor mit dem Engel dargestellt. Auch bei den beiden Bischöfen sind die 
Attribute umgekehrt wie auf dem Hochaltar in Bibratvertheilt. Die Benennung 
dieser beiden Kirchenvater ist daher nicht mit Sicherheit möglich. (Jeder der beiden 
Flügel ist 1,56 m hoch, 0,56 m breit. Jedes Relief 0,82 m hoch, 0,49 m breit.) 
Die Gemälde an sammtlichen Altaren der Kirche waren bis zum Jahre 1896 
weiss übertüncht. Nur an einzelnen Spuren erkannte Pfarrer Hartmann, dass 
hier Gemalde verborgen waren. Er wusch die Tünche ab, wobei die Farben 
grossentheils unversehrt wieder zum Vorschein gekommen sind. Nur auf dem
        

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