Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Meiningen: Kreis Meiningen: Amtsgerichtsbezirk Meiningen
Person:
Voss, Georg Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2495280
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2499784
BELRIETH. 
Meiningen. 
Schon 840 wird der Ort urkundlich genannt. Damals hatte ein gewisser Helis 
daselbst Eigengüter; es war die Zeit, in welcher in dieser Gegend die Ausscheidung 
der Dorfmarken begonnen hatte (Rübel, Franken, S. 180). 944 schenken der Freie 
Gerhard und seine Gemahlin. Selmellburg ihre Besitzungen zu Belrieth und „Geres- 
feld" (anstossende Wüstung) dem Kloster Fulda.  Die Angabe der Meininger 
Chronik (S. 99), dass König Heinrich I. auf der alten Burg zu Belrieth gewohnt 
habe, ist zwar anderweitig nicht bezeugt, doch steht so viel fest, dass der grössere 
Theil der Mark königliches Krongut war. Es wurde im frühen Mittelalter vom 
König den Schenken v. Limbzerg verliehen, 1287 den Küehenmeistern v. Nordenbery. 
1330 wurde das casirum Bylrit von König Ludwig dem Bayern dem Grafen Berthold IV. 
von Henneberg-Schleusingen zu Lehen gegeben. S0 begegnet 1332 ein sehriwaere 
und getrewez" diene?" des Grafen Berthold, nämlich Heinrich v. Belrieth (Henneb. Urk. II, 
Nr. 8), vielleicht identisch mit dem Henrims dietrus de BeZr-it, welcher im Jahre 1357 
Kanonikus zu Schmalkalden war und Einkünfte in Mittelschmalkalden verkaufte 
(Henneb. Urk. III, Nr. 11). 1359 erscheint Ditzel Vogt 2;. Belrietk unter den Ver- 
trauten des Grafen Johann von Henneberg (Henneb. Urk. III, Nr. 14). Während einer 
1379 ausgebrochenen Fehde zwischen Graf Hermann von Henneberg-Aschach und 
seinem Vetter Graf Heinrich von Schleusingen wurde die Gegend arg verheert, 
unter anderem auch das nahe bei Belrieth, jedoch jenseits der Werra gelegene 
Dorf Bdtthazisen zerstört. In dem 1380 geschlossenen Friedensvertrag wurde Bel- 
rieth an die Aschach-Hartenberger Linie abgetreten, die Einwohnerschaft des zer- 
störten Dorfes Bitthausen dahin übergeführt und das ehemalige Herrenhaus den 
Belriethern als Kirche eingeräumt (Caroli bei Span genberg, Ohron. II, Anh. S. 75).  
Zu Anfang des 15. Jahrhunderts ünden wir hier die Herren v. Bibra begütert.  
Im dreissigjährigen Kriege hatte das Dorf vielfache Drangsale auszustehen. Nicht 
lange danach kaufte ein gewisser Hans Schöner eine Anzahl Güter von verarmten 
Bauern zusammen und erwirkte, dass daraus ein Rittergut gebildet wurde. 1665 
bis 1722 war es im Besitz der Familie v. Körbitz, 1722-1746 des Barons Dietrich 
Levin v. Ilien, 1746-1772 der Familie Bleimüller, später  infolge Erbschaft  
der Familie Spangenberg, jetzt der Familie Ilgen. 
Litteratur: Bergner, Befestigte Kirchen, Zeitschr. f. christl. Kunst, 1901, Nr. 7, S. 206 
-222; Nr. 8, S. 225-240.  Bergn er, Die Glocken des I-Ierzogthums, Sehr. d. Ver. f. mein. 
Gresch, Heft 33, S. 9. 32.  G. Brückner, Landeskunde II, S. 169.  G. Brückner, Pfarrbuch, 
S. 96-111.  G. J aco b, Zur Vorgeschichte des Herzogthums, Neue Landesln, Heft 45 (1903), S. 41. 
 Maaser, Ueber die Burgrechte einiger Orte in der Gegend von Meiningen, Beitr., Heft 3, S. 69 
-72.  Rübel, Die Siedelungen der Franken, Bielefeld 1904, S. 178. 180 u. a. O.  Voit, Herzog- 
thum, S. 216. 
Der Ki rchh ü g el bietet wegen seiner Geschichte ein charakteristisches, durch 
die Urkunden beglaubigtes Beispiel für die Umwandlung einer ursprünglichen 
Burganlage des Mittelalters in einen Kirchhof. Doch jetzt sind an dieser Stelle 
nur noch sehr wenige Ueberreste erhalten, welche sich auf das Mittelalter zurück- 
führen lassen. 
Der älteste Theil der ganzen Anlage ist wahrscheinlich die Sacristei, welche 
nach der alten Ueberlieferung ein Theil der ehemaligen Burgkapelle ist, und die 
Kirchhofsmauer. Diese Mauer ist wahrscheinlich die Ringmauer der Burg des 
Mittelalters. Sie hat auf der Südseite an einer Stelle noch eine Höhe von unge-
        

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