Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Meiningen: Kreis Meiningen: Amtsgerichtsbezirk Meiningen
Person:
Voss, Georg Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2495280
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2496375
Meiningen. 
Die 
Landwehren 
des 
Meininger Unterlandes. 
diejenigen der hinteren Reihen die Stämme der vorderen bedecken. Am Saume 
eines dichten Waldes kann man solchem Verhau besondere Festigkeit verleihen, 
indem man die nahe der Wurzel umgehaueuen Baumstämme nicht ganz durchsägt, 
sondern sie mit einem Theile des Holzes an den Stümpfen hängen lasst. Es ist 
dies der sogenannte „natürliche Verhau". Werden dagegen die Bäume erst von 
anderswo herbeigeholt, so erhält man einen „geschleppten Verhau". Eine noch 
grössere Verstärkung gab man dem Verhau durch das Einrammen von Pfählen, 
die wohloben und unten zugespitzt waren. Verpfählt war u. a. auch der berühmte 
römische Limes.  Wie dieser in gewissen Abständen durch Kastelle, Mittelpunkte 
der Vertheidigungslinie, bewehrt war, so errichtete das Mittelalter im Zuge der 
Landwehren seine Warten ("Hohewart") und Ausluge. 
Alle diese Werke waren übrigens nicht dazu bestimmt, in ihrem ganzen Ver- 
laufe mit Vertheidigern besetzt zu werden, sie dienten vielmehr in erster Linie 
dazu, dem Feind ein todtes Hinderniss in den Weg zu legen.  An den Stellen, 
w_o das Genick die Hauptstrassen über den Wald kreuzt, war es zum Theil ver- 
dreifacht, und in der Nähe der Ortschaften verwahrte man die Strassen ausserdem 
durch Schläge, Fallgatter, parallel laufende Gräben und, eiserne Ketten. An solchen 
Schlägen und Thoren hielt ein berittener Knecht Wache, dem auch die öftere Be- 
reitung der Genicke auf dem zwischen den (lräben hinlaufenden Wege anbefohlen 
war. Im Falle des Herannahens feindlicher Schaaren hatte er die Bevölkerung 
durch Feuerzeichen zu warnen. Die Errichtung und Instandhaltung der Landwehr 
erfolgte auf Kosten der betheiligten Aemter, Klöster und Edelleute. Ausser der 
hierzu bestimmten Mannschaft waren aber auch alle im Wald beschäftigten Hand- 
werker, hauptsächlich Harzer und Köhler, verpflichtet, über die Geuicke ein 
„fleissiges Aufsehen" zu führen, verdächtige Fremde zu verhaften und sie dem 
nächsten Dorf oder Amt zuzuführen oder den Wald zu alarmiren. Man erinnert 
sich hierbei an die lebendige Schilderung, die G. Freytag im Anfang seiner 
"Ahnen" von der Begegnung des fremden Wanderers mit dem Hüter des Grenz- 
verhaues auf der Höhe des Thüriugerwaldes gegeben hat. 
Ausdrücklich verdient hervorgehoben zu werden, dass nicht nur grössere Be- 
zirke, wie z. B. ganze Aemter, sondern auch die einzelnen Stadtgebiete und selbst 
die Dörfer sich in jenen friedlosen Zeiten des Mittelalters durch Landwehren zu 
schützen suchten, die im Angriffsfalle natürlich von der gesammten Mannschaft 
vertheidigt werden mussten. 
Die Gehege waren stets diesseits der Grenze errichtet und zogen sich nicht 
immer in gerader Linie, sondern bisweilen im Zickzack durch das Gelände. Bei 
dieser Anlage war die Erwägung maassgebend, dass die Wehr der leichteren Be- 
aufsichtigung und Bewachung wegen von den Waldorten nicht allzu entfernt, dass 
aber andererseits grössere Berg- und Hammerwerke, sowie die Schneidemühlen 
nicht ausserhalb des Kordons liegen durften. Unterbrechungen der Landwehrlinie 
traten da ein, wo das Gelände einen natürlichen Schutzbot.  
Der ursprüngliche Zweck der Landwehr ist also jedenfalls, wie auch die 
städtischen Privilegien besagten, der im Namen selbst ausgedrückte, das Land zu 
wehren und zu schirmen gegen feindliche Ueber- und Einfälle: daher die Doppel- 
gräben, daher die undurchdringlichen Verhaue, daher die Anlage der Landwehr nicht 
immer auf der Grenze und nicht auf der ganzen Grenzlinie (vgl. das Nordende 
Bau- und Kunstdenkm. Thüringens. S-Meiningen. I. 2
        

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