Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Meiningen: Kreis Meiningen: Amtsgerichtsbezirk Meiningen
Person:
Voss, Georg Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2495280
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2497117
Meiningen. 
Geschichte 
der 
Stadt 
Meiningen, 
waren, kamen sie ganz mittellos hier an. Die Ofiiciere mussten deshalb die hiesige 
Landschaft ersuchen, ihnen 2500 Thaler gegen Schuldverschreibung vorzuschiessen, 
damit sie nur den Soldaten die Löhnung auszahlen könnten. Die Zahlung wurde 
noch am Abend geleistet, worauf die inzwischen wieder geordneten 'l'ruppen nach 
Franken abmarschirten. 
Auch das Jahr 1760 brachte dem armen Land und der vielgeplagten Stadt 
Meiningen noch keine Ruhe. Durchzüge, Erpressungen, Vorspannleistungen hörten 
nicht auf. Die den alliirten 'l'ruppen geleisteten Lieferungen kosteten allein in den 
Monaten Februar bis April der Landschaft 70000 Thaler. Am 13. August kam 
der Herzog von Württemberg mit 12000 Mann Reichstruppen hier an und bezog 
auf dem Todtenfeld ein Lager, das sich vom Fasels bis zur Werra erstreckte. Die 
Soldaten hausten sehr übel in den umliegenden Aeckern und Garten und nahmen 
mit, was sie fandenö). 
Am 20. October verlangte der französische Oberst v. Wurmser in Hersfeld 
die Stellung von 800 bespannten Wagen aus dem Meiningischen, um von dort in 
das Magazin nach Oassel zu fahren. Wenige Tage spater forderte der französische 
Intendant de Gajot in Oassel von der Meininger Regierung die Lieferung von 
100000 Rationen, die Ration Hafer zu 15 Pfund und Heu zu 18 Pfund, für das 
dortige Magazin. Bereits am 1. November liess der Oberst anfragen, wann die 
Wagen kämen und welchen Weg sie nehmen würden. Binnen kurzem wurde die 
Anfrage wiederholt und schliesslich mit dem dazu befehligten Ofiicier eine Einigung 
dahin erzielt, dass 110 Wagen gegen Bezahlung gestellt werden sollten; das Amt 
Massfeld stellte 32, die Stadt Meiningen 5, das Amt Meiningen 6 u. s. w., und zwar 
bis zum 26. November. Da die Regierung die am 30. October verlangte Fourage- 
lieferung nicht bewerkstelligte, weil sie dazu nicht im Stande war, wurde gegen 
Ende des Jahres ein Oommando französischer, später nassauischer Husaren in die 
Stadt gelegt, das so lange bleiben sollte, bis die verlangten Rationen abgeliefert 
seien. Schon wenige Tage später wurden wiederum 15000 Rationen gefordert, von 
denen die Stadt 1344 zu geben hatte. Um den vielen Forderungen gerecht zu 
werden, schrieb die Meininger Regierung zu Anfang des Jahres 1761 eine be- 
sondere Steuer nach dem Steuerstock aus. Da Hersfeld am 20. Februar in die 
Hände der Alliirten gefallen war, hörte Zunächst die Fouragelieferung in das dortige 
Magazin auf (im Ganzen waren nur 37 500 Rationen geliefert worden), aber schon 
am 14. April verlangten die Franzosen abermals 200000 Rationen, da die vorher 
gelieferte Fourage bei Annäherung der Preussen verbrannt und verwüstet worden 
sei. Die Regierung war vorläufig nicht in der Lage, dem Begehren zu entsprechen. 
Es rückte deshalb von den hier liegenden französischen 'l'ruppen ein Oommando 
nach dem anderen in die benachbarten Ortschaften, suchte Scheunen und Böden 
ab und erpresste und nahm mit, was es bekommen konnte. Schwer lastete der 
furchtbare Druck auf dem ganzen Lande. Die Bevölkerung, namentlich in den 
Aemtern Wasungen und Sand, hatte unbeschreiblich zu leiden  man glaubte all- 
gemein, die entsetzlichen Zeiten des dreissigjahrigen Krieges würden wiederkehren. 
Am 27. Juni waren endlich die französischen Forderungen zum grössten Theil er- 
f) Es ist interessant, zu lesen, dass Schillers Vater, Johann Kaspar Schiller, der als Lieutenant 
beim württembergischen Infanterieregiment v. Romann stand, in diesen Tagen auch mit. hier war um], wie 
er Schreibt, "in der Hofapotheke im Quartier lag". Vgl. Braun, Christophine, Schillers Lieblings- 
schwester, Berlin (Stahn) o. J., S. 112. Die Hofapotheke war damals in der Sohlundgasse Nr. 10.
        

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