Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herzogthum Sachsen-Meiningen: Kreis Meiningen: Amtsgerichtsbezirk Meiningen
Person:
Voss, Georg Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2495280
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2497021
Geschichte 
Stadt 
Meiningen. 
Meiningen. 
Streitigkeiten zwischen den fürstlichen Vormündern. Der altere Prinz starb fünf 
Jahre nach dem Vater, der jüngere wurde zwar 1733 mündig, aber ein über-massig 
dicker Leib und Engbrüstigkeit machten ihn unthatig und regierungsunlustig und 
verschuldeten sein frühes Ende (1743). Nun ging die Regierung auf seine beiden 
Oheime, die bisherigen Mitregenten Friedrich Wilhelm und Anton Ulrich 
über. Herzog Friedrich Wilhelm fehlte Umsicht und Selbständigkeit, er war somit 
dem Einfluss seiner Umgebung preisgegeben, die sich aus den von Ernst Ludwig 
überkommenen, dem Herzog Anton Ulrich feindselig gesinnten Rathen (besonders 
Minister v. Wolzogen) zusammensetzte. Da beide Regenten fast in allen Stücken 
einander entgegenarbeiteten, wurden die meiningischen Staatsverhaltnisse, die 
ohnehin in den letzten Jahren schon arg gelitten hatten, noch mehr zerrüttet. Aber 
nicht nur mit seinem Bruder, sondern auch mit seinen Unterthanen befehdete sich 
Herzog Friedrich Wilhelm vor den Gerichten, so besonders mit dem Stadtrath zu 
Meiningen wegen der Rechtsprechung in Handwerkssachen.  Wie man unter 
seiner Regierung das Andenken an die vor 200 Jahren (1530) erfolgte Uebergabe 
der Augsburgischen Confession durch drei Tage (25._27. Juni 1730) festlich be- 
ging, so suchte man auch die traurigen Schicksale auswärtiger Bekenner des Evan- 
geliums zu erleichtern. Vor allem verdient hier die menschenfreundliche Aufnahme 
erwähnt zu werden, die den Salzburger Emigranten zu theil wurde, die um 
ihres Glaubens willen ihr Vaterland verlassen mussten. Am 19. August 1732 traf 
der erste Zug, 930 Personen aus dem Amt Werfen, am 4. September der zweite, 
1100 Personen, in Meiningen ein. Die ganze Bürgerschaft mit dem Magistrat, der 
Geistlichkeit und den Schulen an der Spitze zog ihnen bis zur Bauwiese vor dem 
oberen Thor entgegen und geleitete sie unter Glockengeläut durch die Stadt in 
den Schlosshof, wo in Gegenwart der Landesherrschaft Superintendent J. D. Silch- 
müller von der zur Schlosskirche führenden Treppe eine Bewillkommnungsrede 
hielt. Alle Bewohner wetteiferten, den verfolgten Glaubenshelden Gutes zu er- 
weisen, sie zu beherbergen und zu piiegen. Des anderen Tages fand feierlicher 
Gottesdienst statt, worauf sie am 21. August wieder unter Glockengeläut und 
Gesang und der nämlichen Begleitung wie bei ihrer Ankunft auf den unteren 
Rasen zogen, um von hier mit Vorspannpferden der Unterthanen frei durchs Land 
nach ihrer künftigen Heimath Preussen zu reisen. Ebenso wurde der zweite Zug 
eingeholt und gefeiert. Der Stadtrath hatte über 1100 Gulden rhein. gesammelt, 
die er unter die beiden Züge vertheilte; weit mehr aber erhielten sie von ihren 
Wirthen und Gastfreunden f). 
Das Jahr 1730 wurde für die städtische Schule, die 25 Jahre vorher zu einem 
Lyceum erhoben worden war, von grosser Wichtigkeit: in diesem Jahre trat die 
Henflingsche Stiftung ins Leben, die bis auf den heutigen Tag noch als ein 
Segen für unsere humanistische Anstalt und somit für die Stadt Meiningen fort- 
besteht. Der am 30. August 1720 verstorbene cand. jur. Joh. Ernst Hevzflviwig hatte 
nämlich sein gesammtes ansehnliches Vermögen zum Besten des hiesigen Lyceums 
mit der Bestimmung vermacht, dass es nach dem Ableben seiner Stiefmutter zur 
Errichtung einer neuen Klasse Selecta und eines Oonvictes für 6 arme Lyceisten 
1') Vgl. Acta, Aufnahme und Durchzug der 
Alterthumsf. Vereins (Nr. 124). 
betr. 
Salzburger Emigranten 
1732, 
im Besitz des Henneb.
        

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