Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Neustadt: Amtsgerichtsbezirke Neustadt a. Orla, Auma und Weida
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2488877
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2491363
74 NEUSTADT 
 
a. 0., Stadtkirche. 
Neustadt a. O. 
E 
Breite der Schiffe gespannt ist und dabei ein übertrieben hohes Steigungsverhältniss 
hat (fast V2), so gewaltig (hoch über die Gebäude der Stadt ragend), dass da- 
durch gewissermaassen die eigentliche Kirche darunter erdrückt wird, wie denn 
auch in der That die aussere Höhe vom Fussboden bis zum Dach-Anfang (nach 
Aufnahme des Herrn Architekten Timler etwa 1611„ m) weniger als die Höhe vom 
Dach-Anfang bis zum First (diese fast 19 m) beträgt. An der Westfront macht 
sich dies Verhältniss am meisten geltend. Zwar ist hier schon durch Erweiterung 
des Portales und Anbringung der dreifachen Fenster darüber (s. vor. S.) ein höchst 
schatzenswerther Schritt zur Belebung der Westfront gethan. Aber es ist zu 
wünschen, dass zu weiterer Belebung unten das Fensterbank-Gesims, welches 
gerade an der Westfront mit den Strebepfeilern abbricht, weiter bis zum Portal 
geführt wird und oben, wo die Fläche eine riesige Leere zeigt, einige Unter- 
brechungen, sei es durch Blenden-Architektur mit irgendwelchen, wenigstens kleineren 
Oeffnungen, sei es durch sonstige künstlerische Lösung erzielt werden; früher brachte 
hier das jetzt zugemauerte grosse Spitzbogen-Fenster eine stärkere Flächen-Unter- 
brechung. Ganz oben beleuchten den Dachboden rechteckige, kleine, unregel- 
mässige Fenster. 
Der Nordthurm steigt zunächst in vier durch Gesimse getrennten Haupt- 
Abtheilungen auf und hat in den Geschossen derselben theils mittelalterlich schmal 
erhaltene, theils etwas vergrösserte Rechteck-Oeffnungen, im obersten Geschoss 
grosse, spitzbogige, zweitheilige [der Mittelpfosten beraubte] Maasswerk-Fenster. 
Darüber folgt [statt des ursprünglichen schönen Helmes] der hässliche Aufbau, ein 
zurückgesetztes, achteckiges, hohes, hell geputztes Geschoss mit kreisförmigen und 
rechteckigen, zum Theil entstellten Fenstern mit runden Ecklisenen, die durch je 
zwei Rundbögen an jeder Fläche verbunden sind, und mit einer von acht be- 
schieferten, schweifbogigen Ziergiebeln umgebenen Schweifkuppel, auf dieser ein 
winziger Aufsatz von vier mit Blech beschlagenen Säulchen, welche ein Abschluss- 
kuppelchen tragen. Diese ganze, den mittelalterlichen Kunstgeschmack schon in 
barockem Sinne wieder aufnehmende, aber spielende und zugleich magere Lösung 
entspricht bereits der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts.  An der Thurm-Ostseite ist 
ein eingeschossiger, ursprünglich rund vertretender Vorbau für die Treppe zu den 
Thurm-Obergeschossen jetzt aussen hässlich ausgebildet, dies auch in seinem An- 
schluss an die Chor-Nordseite. 
An der einspringenden Ecke der Südseite zwischen Chor und Langhaus war 
ein dem Nordthurm entsprechender Bau (doch vielleicht kein vollständiger Thurm) 
geplant. An der Langhaus-Ostseite lassen sich aussen vortretende Mauer-Ver- 
stärkungen, in unregelmässigen Absätzen abnehmend, erkennen. 
Ausschmückung und Ausstattung des Innern mit Emporen 
u n d S t an d e n. 
Das Innere des Gotteshauses ist 1893 in stilgemässer Weise ausgemalt. Der 
Hauptsache nach sind im Chor an den Wänden unten frühgothische Säulchen, 
darüber Teppichmuster, oben Quaderung mit einigen Verzierungen gemalt; Tönung 
vorherrschend grünlich-grau und braun. Die Rippen des Gewölbes blau und roth, 
die Kappen bezw. Flächen weiss mit eleganten, halbnaturalistischen, an den neueren 
englischen Geschmack anklingenden, grün gehaltenen, langstengeligen Pflanzen in
        

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