Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Neustadt: Amtsgerichtsbezirke Neustadt a. Orla, Auma und Weida
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2488877
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2494704
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WEIDA, 
Stadtkirche. 
Weida. 
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nach dem Brand und derBeseitigung der Gewölbe ebenfalls beseitigt worden 
sein.] Der Sockel hat das Profil: Ä  Die anstossende Chor-Südfront (bis zum 
Sacristei-Vorbau) harrt noch der Restauration bezw. eines geplanten Aus- 
baues. Hier ist einstweilen die Bruchstein-Mauer ungefugt, in ihr der Obertheil 
eines (zugemauerten) Spitzbogen-Fensters sichtbar, links in der Ecke der Rest 
einer Vorkragung bezw. Wölbung, etwa einer Treppe, deren übrige Theile [besonders 
ein hier vielleicht vertretender Treppenthurm] aber abgebrochen sind (rechts 
zwischen zwei vertretenden Steinen ein Ziegel mit: 1752); dann Fachwerk-Vor- 
bauten für innere Stände, eine Holztreppe in Latten-Verschlag für Kirchstände im 
Innern und eine niedrige, oben abgeschrägte, Strebepfeiler-artig vertretende Quer- 
mauer. Die Westfront erhält durch das grosse Fenster über dem Hauptportal und das 
mittelgrosse Fenster über dem Südschiff ein stattlich reiches Aussehen, oben Belebung 
durch die eigenthümlichen Blenden, welche, aus Sandstein gebildet, aus der hier 
ziemlich glatten Putzlläche vortreten. Von spätgothischer Form, rechteckig, im 
oberen Stück von zwei Kleeblatt-Bögen untertheilt, welche auf theils einfachen, 
theils verzierten Consolen zusammenkommen, sollen sie Wandgemälde mit Dar- 
stellungen [aus dem Leben der Jungfrau MariaiP] enthalten und noch um 1880 
Farbenreste gezeigt haben (1895 konnte ich keine Spur entdecken). Mir machen 
sie den Stücken und der Anordnung nach den Eindruck einer willkürlich beim 
Aufbau des Giebels im 17. Jahrhundert gemachten, von anderer Stelle herge- 
nommenen Decoration. Auch gleichen sie zwar ganz geschickt die Verschiedenheit 
der Westfront aus, indem oben zu den Seiten des Hauptfensters zwei, darüber, schon 
im Giebelfeld enger gestellt, noch zwei Blenden, darüber eine Blende den pyramidalen 
Aufbau betonen, während eine sechste oben rechts das Gleichmaass für die ge- 
sammte Giebeliiäche zu erzielen sucht; jedoch sind sie im Ganzen zu ungenau für 
ursprüngliche Planmässigkeit angebracht. Die noch höher angeordnete Rechteck- 
Blende mit zwei gegeneinander gestellten Ausschnitten in Form natürlicher Klee- 
blätter im Sturz ist sichtlich Nachahmung. Dagegen hat zwischen den beiden 
mittleren Blenden ein kleines, rundbogiges, wohl von einem älteren Bau her- 
rührendes Fenster zur Beleuchtung des Dachbodens Platz gefunden. 
Das Innere ist vorzugsweise 1644 f. in Barockstil mit Holzwerken und 
Malereien ausgestattet, später immer mehr die Architektur überdeckt und verbaut 
worden. Hier ist viel durch die Restauration von 1883 f. vereinfacht und beseitigt, 
das Bessere, das blieb, anders und geschickt vertheilt worden; alles Holzwerk ist 
in braunen Tönen, das Figürliche zum Theil farbig bemalt. So sind nur einige 
Hauptsachen zu erwähnen. Im Chor stehen an den Langwänden geschlossene 
Kirchbänke mit Wandsäulchen an den Pfosten. Darüber an der Nordwand eine 
geschlossene Empore auf Consolbrettern, zu denen ältere mit hübscher, aufgelegter 
Schnitzerei benutzt sind (s. Abbild. S. 379). Darunter ist eine im Jahre 1817 
gestiftete, gipsene Lutherbüste auf ein I-Iolzpostament gestellt, vor ihr ein Zinn- 
kelch mit wirklicher Bibel darauf. An der Südwand treten geschlossene Emporen 
vor, welche sich bis zum 1. Fenster des Langhauses fortsetzen, in zwei, im Chor 
zum Theil in drei Geschossen; sie haben an den Brüstungen Cartouchen, theilende 
Pfosten, Säulchen etc. in üblichen Formen des 17. und 18. Jahrhunderts, des- 
gleichen geschnitzte Bekrönungen. Im Langhaus befinden sich an der Nordwand 
in unregelmässiger Anordnung ein geschlossener Kirchstand mit aufgelegter
        

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